A Summer’s Tale Music Festival 2017

A Summer's Tale Festival - Foto Claudia Kern

A Summer’s Tale Music Festival 2017

 

Von Nora Henze

10.8.2017

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Sommermärchen in der Lüneburger Heide: das etwas andere Festival

Auf die Anfrage, was ihnen bei dem Wort „Festival“ für Assoziationen in den Sinn kommen, würden viele wahrscheinlich in erster Linie an laute, wilde Musik, betrunkene Teens und Twens, Crowdsurfing und ein verwüstetes Gelände denken, aber sicher nicht an Beschaulichkeit, Entspannung und Harmonie. Genau das sind aber die Attribute die das „Summer’s Tale“ anders und einzigartig machen. Kinder sind nicht nur willkommen, sondern erwünscht. Es gab auch in diesem Jahr wieder ein umfassendes Programm für die Kleinsten und Kleinen und ihre Eltern mit einer schier unerschöpflichen Auswahl. Ob Woodworking, Filz-Workshop, Schmuck basteln, Kinderschminken , Plattdeutsch für Kinder, Zirkusschule oder die Weinprobe und Thai Yoga Massage für die Eltern– das verlängerte Wochenende schien kaum zu reichen, um das gesamte Angebot für die ganze Familie inkl. Groß- und Urgroßeltern auszuschöpfen.

Hier einige Stimmungsbilder vom Festival:

A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

18 Bilder: A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Das Herzstück eines jeden Festivals: die Musik.

Bereits am Mittwochabend wurde die kleinere Waldbühne mit Mister & Mississippi aus den Niederlanden und Die Sterne eröffnet, bis dann am Donnerstag die beiden großen Bühnen eingeweiht wurden. Die Texaner Cigarettes After Sex starteten am Nachmittag gewohnt bedächtig und zurückhaltend, bis sich das Tempo dann mit Thomas Dybdahl und The Common Linnets langsam steigerte und die Vorfreude auf die Headliner bereits in der Luft lag.

4 Bilder: CIGARETTES AFTER SEX, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Zu diesen gehörte auch PJ Harvey, die ihre Band mit einem imposanten Marsch einlaufen ließ, um dann mit ihrer ihr so eigenen mysteriösen Souveränität ihre Fans in andere Sphären zu entführen. Wer danach schon die ersten Müdigkeitserscheinungen spürte, konnte sich seinen Energieschub direkt bei den Norwegern Johnossi abholen, die vor allem durch ihren Schlagzeuger auffielen, der es fertigbrachte, sein Instrument mit einer solchen Vehemenz zu bearbeiten, dass eine Helping Hand das eine oder andere zerstörte Schlagzeugteil während des Konzertes austauschen musste.

4 Bilder: PJ HARVEY, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Jetzt aber war es soweit für die Top-Headliner des gesamten Festivals: die Pixies. Plötzlich füllte sich das Gelände noch einmal, denn jetzt kamen auch die Gäste, die nur für die Pixies und ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr schnell noch nach der Arbeit in den Zug oder ins Auto gesprungen waren.

4 Bilder: PIXIES, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

„Where is my mind“ und „Here comes your man“ – die Wünsche der Fans wurden nicht enttäuscht und jetzt war auch die bekannte Festivaleuphorie mit mitsingenden und springenden Erwachsenen in den ersten Reihen und tanzenden Kindern an der Seite spürbar. Spätestens danach wurden die letzten Kleinen ins Bett gebracht, während sich einige Unermüdliche entweder in den Zeltraum zu den Shortfilm Sessions begaben oder nochmal richtig aufdrehten: Das Festival Atelier wurde zur Disco umfunktioniert, in der zu Hip Hop-Klassikern mit DJ Krümel gefeiert wurde. Am Freitag ging es nach dem Kinofilm „Schrotten“ und dem darauffolgenden Interview mit Regisseur Max Zähle dann direkt musikalisch weiter. Rocky Votolato aus Texas begrüßte seine Fans mit einem lässigen „Was geht ab, Dicker?“, die familiäre Kombo Unter meinem Bett, der Headliner für alle Kinder brachte auch die erwachsenen in Stimmung.

6 Bilder: UNTER MEINEM BETT, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

2 Bilder: JOHNOSSI, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Get Well Soon mit Leadsänger Konstantin Gropper entschuldigten sich beim darauffolgenden Konzert für ihren chaotischen Auftritt beim Summer’s Tale 2015 und machten diesen mit einer einwandfreien Performance wieder wett. Nach „Dear Reader“ und „Conor Oberst“ ging es dann zu „Von Brücken“ – der Band von Nicholas Müller, seines Zeichens Sänger der Vorgängergruppe „Jupiter Jones“. Der gab stimmlich alles und freute sich sichtlich über die Teilnahme am Festival.

4 Bilder: GET WELL SOON, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Wer danach hungrig wurde, konnte sich mit Lachs-Döner, Pommes am Stiel, veganen Burgern, Raclettebaguette und dem festivaleigenen Summer’s Ale stärken, bis es weiterging. Denn nun wurde es Zeit für die unschlagbar süße Birdy aus England, die es mit ihren gerade mal 21 Jahren wieder schaffte, bei „People Help The People“ einige Tränchen aus ihren Besuchern herauszulocken.

3 Bilder: BIRDY, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Ein bisschen härter ging es dann wieder beiThe Notwist“ zu, bis der Abend seinen Höhepunkt mit Franz Ferdinand und Klassikern wie „The Dark Of The Matinée“ und „Take Me Out“ fand. Für viele Gäste sorgten am Samstag der Poetry Slam im Zeltraum und Rocko Schamoni auf der Waldbühne. Der Niederländer Blaudzun, die Soulband Rhonda aus Norddeutschland und die Indieband Bear’s Den begleiteten das Publikum in den Abend.

6 Bilder: FRANZ FERDINAND, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

2 Bilder: BLAUDZUN, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

2 Bilder: RHONDA, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Richtig voll wurde das Zelt dann für das Konzert von Judith Holofernes (Wir sind Helden), die zeigte, dass sie auch solo begeistern kann. Währenddessen bereiteten sich Element Of Crime auf ihren Auftritt vor, die dann mit „Stein, Schere, Papier“ starteten und bei Klassikern wie „Immer da, wo Du bist, bin ich nie“ und der Zugabe „Delmenhorst“ für Begeisterung sorgten.

1 Bild: JUDITH HOLOFERNES, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

5 Bilder: ELEMENT OF CRIME, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Jetzt ging es in Richtung Festivalfinale und man kann behaupten, dass man dies nicht besser hätte machen können. Mit den Stereo MC’s erreichte die Stimmung ihren absoluten Höhepunkt. Wer geglaubt hat, dass Rob D (Birch) mit seinen 56 Jahren alles ein wenig gemächlicher angehen lässt, hat sich geirrt. Im Gegenteil, er machte den Eindruck, als sei dies das letzte Konzert seines ganzen Lebens und sprang und tanzte sich so in Extase, dass schon leise Ängste geäußert wurden, er würde das Konzert vielleicht nicht bis zum Ende durchziehen können. Das erste Mal auf diesem Festival tanzte und sang wirklich jeder einzelne Zuschauer in einem vor Bässen dröhnenden Zelt zu „Connected“ und „Step It Up“: dies war definitiv das lautstärke- und tanzgewaltigste Konzert des ganzen Wochenendes.

5 Bilder: STEREO MC, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

Wer sich dabei wunderte, wie laut und ekstatisch es beim Summer’s Tale doch werden kann, wunderte sich danach, wie Feist es schaffte, tausende Konzertbewohner durch ihre Stimme zum Schweigen zu bringen. Keinen Mucks hörte man mehr, als sie mit ihrer unvergleichlichen Stimme das Summer’s Tale Festival in ein sanftes Ende begleitete.

2 Bilder: FEIST, A Summer’s Tale Festival 2017, Foto: Claudia Kern

 

Summer fairy tales in the Lüneburg Heath: a different festival

 english translation

Asking what they think of the word „festival“ for associations, many would probably think of loud, wild music, drunken teens and twens, crowdsurfing and a devastated terrain, but certainly not in tranquility, relaxation And harmony. This is exactly the attributes that make the „Summer’s Tale“ different and unique. Children are not only welcome but welcome. There was again a comprehensive program for the youngest and smallest and their parents with an almost inexhaustible selection. Whether woodworking, felt workshop, jewelry making, children’s jewels, children’s plats, circus school or the wine tasting and Thai yoga massage for the parents – the prolonged weekend seemed hardly enough to offer the entire range for the whole family including grandparents and great grandparents exploit.

The heart of every festival: the music.

Already on Wednesday evening, the smaller forest stage was opened with Mister & Mississippi from the Netherlands and The Stars, until then on Thursday the two great stages were inaugurated. The Texans Cigarettes After Sex started in the afternoon in a cautious and reserved manner until the tempo slowly increased with Thomas Dybdahl and The Common Linnets and the anticipation for the headliners was already in the air.

They also included PJ Harvey, who had their band imprisoned with an imposing march, then, with their own mysterious sovereignty, to take their fans to other spheres. Anyone who felt the first signs of fatigue would have been able to pick up his energy boost directly from the Norwegians Johnossi, who were particularly impressed by their drummer, who managed to manipulate his instrument with such a vehemence that a helping hand destroyed some of the drone parts During the concert.

Now it was time for the top headliners of the entire festival: the Pixies. Suddenly, the grounds were filled again, because now came the guests, who had just jumped into the train or the car for the Pixies and their only concert in Germany this year.

„Where is my mind“ and „Here comes your man“ – the wishes of the fans were not disappointed, and the well-known festivale repertoire with accompanying and jumping adults in the first rows and dancing children was also noticeable at the side. At the latest, the last youngsters were put to bed, while some untiring people either went to the Zeltraum to the shortfilm sessions or turned up again: the festival studio was transformed into a disco, in which hip-hop classics with DJ crumbs were celebrated. On Friday it went on to the Kinofilm „Schrotten“ and the subsequent interview with director Max Zähle then directly musically. Rocky Votolato from Texas greeted his fans with a casual „What’s up, Dicker?“, The family combo Under my bed, the headliner for all the children also brought the adult into the mood.

Get Well Soon with lead singer Konstantin Gropper apologized to the following concert for their chaotic appearance at the Summer’s Tale 2015 and made up for it with an impeccable performance. After „Dear Reader“ and „Conor Oberst“ we went to „Von Brücken“ – the band of Nicholas Müller, his singer of the predecessor group „Jupiter Jones“. He vocally gave everything and was visibly pleased about the participation in the festival.

Those who were hungry afterwards could strengthen themselves with salmon kebabs, fries on the stick, vegan burgers, raclette baguette and the festivaleigen summer’s ale until it was far-reaching. For now it was time for the unbeatably sweet Birdy from England, who managed to lure some potions from her visitors at „People Help The People“ with her 21 years.

A bit harder went to „The Notwist“ until the evening reached its climax with Franz Ferdinand and classics like „The Dark Of The Matinée“ and „Take Me Out“. For many guests the Poetry Slam in the Zeltraum and Rocko Schamoni on the Waldbühne on Saturday. The Dutchman Blaudzun, the Soulband Rhonda from North Germany and the Indieband Bear’s Den accompanied the audience in the evening.

The Zeltraum was then really full for the concert of Judith Holofernes (WIR SIND HELDEN), which showed that she can also inspire solo. In the meantime, Element Of Crime were preparing for their performance, which then began with „Stein, Schere, Papier“ and were inspired by classics like „Wherever you are, I am never“ and the encore „Delmenhorst“.

Now it was in the direction of the festival finale and one can claim that this could not have done better. With the Stereo MC’s, the mood reached its absolute peak. Anyone who has believed that Rob D (Birch) is a bit more leisurely at the age of 56, has been wrong. On the contrary, he made the impression that this was the last concert of his whole life, and he jumped and danced so that he had already expressed his fears that he might not be able to go through the concert until the end. For the first time at this festival, every single spectator danced and sung to a „connected“ and „step it up“ in a booming booth. This was definitely the loudest and most dance-packed concert of the whole weekend.

Those who wondered how loud and ecstatic it could be at Summer’s Tale was wondering how Feist managed to silence thousands of concertgoers by their voice. No more mock was heard when she accompanied the Summer’s Tale Festival with her incomparable voice in a gentle end.

 

 

 

Nora Henze

Author: Nora Henze

Radio- und Eventmoderatorin, Musikredaktion TV und Online