Abschlussball am Berliner Ensemble

Abschlussball - Berliner Ensemble © Hans-Joerg Michel

Abschlussball am Berliner Ensemble

 

Von Severin Lohmer

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22.09.2016

Intro:

Eigentlich war die Idee von Claus Peymann, die erste Premiere in seiner letzten Spielzeit, von Achim Freyer mit dem Stück „Abschluss Ball, Ein Lamento in Bildern“ rauszubringen, genial. Denn Achim Freyer ist bekannt für seine Überraschungen auf der Bühne. Und dann gleich noch ein Improvisationsstück. Mit zusammengewürfelten Texten unserer abendländischen Kultur, ohne eine Rahmenhandlung und auf den Brettern, auf denen dieser Achim Freyer in jungen Jahren als Meisterschüler von Brecht gelernt hat. Eigentlich ein Elfmeter ohne Torwart! Aber vielleicht war gerade diese Sicherheit der Grund dafür, dass Freyers Inszenierung so scheiterte.

Inhalt:

Worum geht es in diesem Stück: „Abschlussball – Ein Lamento in Bildern“?
Es ist eine „Revue der Menschengeschichte“ in zwölf Bildern, die uns in 90 Minuten von einer Emotion in die nächste fallen lassen soll. Von der „Prozession“ in die „Verführung“, von der „Tragödie“ über das „Inferno“ in die „Reinigung“ “ usw.
Dazu gibt es wunderbare Texte von u.a. Homer, Franz Kafka, Heinrich von Kleist. Else Lasker-Schüler und Heiner Müller, aber auch so banale Zitate, wie die Lottozahlen und den Fußballergebnissen aus der Bundesliga. Und das Ganze eingerahmt in ein Bühnenbild und eine Musik, die aus einem Roberto Fellini Film stammen könnten.

Kritik:

Die Idee ist eigentlich schön! Aber die Überschriften passen nicht zu dem, was wir auf der Bühne sehen und hören. Wir werden überschüttet von Texten, die sehr oft nicht mal zu verstehen sind und in keinem inhaltlichen Zusammenhang stehen. Viermal heißt es: „Das Stück beginnt“, aber jedes Mal beginnt eben nichts.
Heutzutage muss oft ein Kunsterlebnis, um Erfolg zu haben, zumindest auch bunt und schrill sein. Das ist dieser Abend zweifelsohne. Aber es macht einen zuversichtlich, wenn man merkt, dass das alleine dem Publikum nun wiederrum auch nicht reicht. Ein wahres „Lamento“ gab es am Ende des Abends dann doch: Als Achim Freyer zum Applaus auf die Bühne kam und sich vieler Buhrufe ausgesetzt sah, drehte er sich kurzerhand um, und beklatschte lieber seine Schauspieler, als sich dem Publikum zu stellen.

„Abschlussball“
von Achim Freyer
Regie, Bühne, Kostüme, Licht: Achim Freier
Mit Anke Engelsmann, Ursula Höpfner-Tabori, Boris Jacoby, Claudia Lahmann, Esther Lee-Freyer, Peter Luppa, Uli Pleßmann, Hugo Reis, Celina, Rongen, Norbert Stöß, Felix Strobel, Fabian Stromberger, Jörg Thieme
Nächste Vorstellungen:
1., 2., 22. und 23. Oktober 2016

"Abschlussball", Berliner Ensemble © Hans-Jörg Michel

„Abschlussball“, Berliner Ensemble © Hans-Jörg Michel

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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