Apokalypse von Herbert Fritsch in der Volksbühne

Apokalypse - Volksbühne Berlin © Holger Jacobs

Apokalypse von Herbert Fritsch in der Volksbühne

 

Von Holger Jacobs

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27.6.2016

 

Intro:

 

Wo Herbert Fritsch draufsteht ist Herbert Fritsch drin – ohne Kompromisse. Und nun ein neues Stück von ihm in der Volksbühne, welches schon auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen vor zwei Wochen seine erste Premiere feierte.

 

Handlung:

 

Eine Handlung im üblichen Sinn gibt es nicht. Was Herbert Fritsch hier zur Aufführung bringt ist der vom Schauspieler Wolfram Koch gesprochene Text der Offenbarung des Johannes – auch Apokalypse genannt.

 

Worum geht es da?

 

Johannes war ein Anhänger des Jesu von Nazareth und lebte im 1. Jahrhundert nach Christi auf der Insel Patmos vor der türkischen Küste (damals Griechisch). Auf dem Gebiet der heutigen Türkei verbreiteten sich die Lehren Jesu als erstes. Johannes verfasste ca. 65 v. Ch. in sieben Briefen seine Prophezeiungen, in dem es zum himmlischen Gottesgericht und zum Weltuntergang kommt. Sieben Posaunen verkünden von Feuer und Hagel, der vom Himmel fällt, Berge stürzen ins Meer und die sieben Plagen befallen das Land. Die „Hure Babylon“ wird vernichtet. Am Ende lässt ein Weltgericht Himmel und Erde verschwinden und nur die überleben, die im Buch des Lebens verzeichnet sind. Danach entsteht die neue Welt Gottes, in der es weder Tod noch Leid gibt. „Vom Thron Gottes und des Lammes geht das Wasser aus, an dem die Bäume des Lebens stehen“.

 

Das aus dem Griechischen stammende Wort „Apokalypse“ heißt in seiner Übersetzung keineswegs „Weltuntergang“, so wie wir es vielleicht aus Science Fiction Filmen kennen. Eigentlich bedeutet es „Enthüllung“ oder auch „Offenbarung“ und wurde erst in religiös-literarischen Texten zur frühchristlichen Zeit als Ausdruck für das Ende aller Tage, den Weltuntergang oder auch das jüngste Gericht verwendet.

 

Diese Offenbarung des Johannes, kurz „Apokalypse“ genannt, bildet das 27. Kapitel des Neuen Testaments. Martin Luther übersetzte es im Jahr 1522 vom Griechischen ins Deutsche. 500 Jahre später bringt nun Herbert Fritsch genau diese Übersetzung der Apokalypse in ihrer Gesamtlänge auf die Bühne. Gesprochen dauert sie ca. 1 ½ Stunden.

 

Kritik:

Da ich selber nicht besonders religiös bin und mich Texte aus der Bibel auch nicht besonders interessieren, tue ich mich verständlicherweise etwas schwer mit diesem neuen Werk. Dabei hat es alle wunderbaren und genialen Momente, die das Genie Fritsch ausmachen: Tolle Bühnenarchitektur (besonders die Himmelstreppe, die von oben herabschwebt und unten im Bühnenboden passgenau einsinkt), ausgefallene Beleuchtungstechnik, beeindruckende Farborgien und grotesk-humorvolle Personenregie.

 

Auch die Idee, die Souffleuse direkt neben Wolfram Koch auf der Bühne zu platzieren und ihm den Text ständig eine Halbsatzlänge voraus leise vorzusagen ist einfach toll. Und im Hintergrund läuft Ingo Günther umher und dirigiert mit einem ipad die Musik. Doch wenn die ganze Zeit ein Text gesprochen wird, der einen nicht interessiert, dann wird es schwierig. Deshalb war dieser neue Fritsch für mich nur ein halbes Vergnügen. Aber natürlich trotzdem sehenswert. Wie fast alles von unserem Herbert Fritsch an der Volksbühne.

 

Ob er wohl von dem neuen Intendanten Chris Dercon ab 2017 übernommen wird? Als Gesamtkunstwerk hat Fritsch da gute Chancen. Denn schließlich war Dercon ja vorher Direktor eines Museums…

 

Elisabeth Zumpe (Souffleuse) und Wolfram Koch, Apokalypse, Volksbühne Berlin 2016 © Holger Jacobs

14 Bilder: Elisabeth Zumpe (Souffleuse) und Wolfram Koch, Apokalypse, Volksbühne Berlin 2016 © Holger Jacobs

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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