Berlinale 2018 – Bill Murray – Day One

Berlinale 2018 - Bill Murray © Holger Jacobs

Berlinale 2018 – Bill Murray – Day One

 

Von Holger Jacobs

15.1.2018

 

Der erste Tag auf der diesjährigen BERLINALE stand ganz im Zeichen der Eröffnungsgala.

Der heutige Tag war für mich ein ganz besonderer. Es ist 27 Jahre her, dass ich das letzte Mal bei einem Filmfest akkreditiert war. 1991 war ich zum letzten Mal in Cannes bei den Internationalen Filmfestspielen, nachdem ich drei Jahre nacheinander dieses wunderbare Filmfest an der Cote d’ Azur als junger Fotograf mitgemacht hatte. In diesen drei Jahren hatten Steven Soderbergh mit „Sex, Lies and Videotapes“, David Lynch mit „Wild at Heart“ und die Coen Brüder mit „Barton Fink“ die Goldene Palme gewonnen. Ein unvergessliches Erlebnis diese drei Meisterregisseure kennengelernt zu haben. Besonders hatte mich 1989 Steven Soderbergh begeistert. Damals noch ganz jung und völlig unbekannt. Aus allen drei sind später große Regisseure geworden und haben seitdem viele weitere preisgekrönte Filme produziert.

Und nun, nach so langer Zeit, betrete ich wieder einen Vorführraum morgens um 11.00 Uhr (in Cannes beginnen die Screenings schon um 8.30 Uhr). Und schaue mir den Eröffnungsfilm der 68. Internationalen Filmfestspiele von Berlin an.

Isle of Dogs

„Isle of Dogs“ von Wes Anderson ist wirklich ein besonderer Film. Noch nie gab es einen animierten Film im Wettbewerb der Berlinale. Dabei verzichtet Wes Anderson fast ganz auf digitale Hilfsmittel. Seine Figuren sind noch von Hand gemachte Puppen, ein bisschen wie bei der „Augsburger Puppenkiste. Natürlich perfekter. Seine Idee des Films ist aber von höchster Aktualität: Ein autokratisch herrschender Machthaber in Japan beschließt die Stadt von Hunden zu säubern, die angeblich von Krankheiten befallen seien (hinterher stellt sich heraus, dass er selbst für diese Krankheiten gesorgt hat). Per Dekret werden alle Hunde auf eine nahe gelegene Insel verbannt, die eigentlich als Müllhalde der Stadt dient. Da es kaum Nahrung gibt (außer den Resten, die die Menschen übriglassen und die meistens gleich von Ratten gefressen werden) sind die Hunde dem Hungertod ausgesetzt. Um die wenigen essbaren Lebensmittel wird erbittert gekämpft. Besonders schlimm ist dieses Dasein für die Hunde, die aus behüteten Verhältnissen kommen und noch nie um ihr Überleben kämpfen mussten. Eines Tages kommt ein kleines Flugzeug mit dem 12-jährigen Atari auf die Insel, der nach seinem Hund Spots (Stimme: Liev Schreiber) sucht. Nach einigen Abenteuern kann Atari schließlich seinen Hund finden und gemeinsam mit ihm und ein paar seiner Kumpanen kehren sie in die Stadt zurück und können die Machenschaften des Diktator aufdecken und die Hunde aus ihrer elenden Situation befreien.

6 Photos: Bill Murray, Pressekonferenz „Isle of Dogs“, Foto: Holger Jacobs

In der anschließenden Pressekonferenz erklärte Wes Anderson, dass er ursprünglich eine rein fiktive Geschichte erzählen wollte, doch die politischen Geschehnisse in den USA mit dem neuen Präsidenten Trump zeigten, dass auch in der realen Welt missliebige Personen aus einem Land verscheucht (die so genannten „Dreamers“, ursprünglich illegale Einwanderer, die aber bereits seit Jahrzehnten im Land leben und gut integriert sind) und Einreiseverbote erlassen werden. Ausgrenzung und Zurückweisung findet man zurzeit aber auf der ganzen Welt.

Auf dem Podium saß eine ganze Reihe von Hollywood Stars, die alle ihre Stimme für die animierten Figuren gaben. Bill Murray, Jeff Goldblum, Bryan Cranston und Liev Schreiber erzählten, wie begeistert sie mitgemacht hatten. Nicht kommen konnten Scarlett Johansson und Edward Norton. Doch auch sie hatten ihre Stimmen gegeben.

Hier unser Video der Pressekonferenz auf KULTUR24 TV:

Fazit: Ein interessanter Film mit tollen Ideen und toller Animation.

Am Abend dann die große Eröffnungsgala im Festival Palais mit vielen nationalen und internationalen Gästen. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war gekommen. Die Eröffnungsrede hielt die Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters. Sie meinte, die Berlinale wäre ein „dezidiert politisches Festival“. Und da hat sie Recht. Dazu passt, dass auch die Berlinale nicht an der Sexismus Debatte vorbeikommt. Die Schauspielerin Anna Brüggemann hatte im Vorfeld angeregt, der rote Teppich solle doch auf Grund der #MeToo und #TimesUp Debatte nicht rot, sondern schwarz eingefärbt werden. Zum Glück konnte diese absurde Idee aber verhindert werden. Dafür gibt es während der Berlinale eine Anlaufstelle für Betroffene (wie bereits in meinem Preview erwähnt).

Und so konnten am Abend die Stars und Sternchen in den schönsten Roben über den roten Teppich laufen und das Festival entsprechend glanzvoll eröffnen.

14 Photos: Berlinale Opening Gala, Berlinale Palast © ZDF/ 3sat

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist