Berlinale 2018 – Isabelle Huppert – Day Three

Berlinale 2018 - Isabelle Huppert © Holger Jacobs

Berlinale 2018 – Isabelle Huppert – Day Three

 

Von Holger Jacobs

18.2.2018

Französischer Erotik Thriller und Deutsches Flüchtlingsdrama

Der dritte Tag brachte im Wettbewerb gleich zwei interessante Perspektiven des europäischen Kinos auf die Leinwand. Zunächst wurde mit großer Spannung der Film des deutschen Regisseurs Christan Petzlod erwartet, „Transit“. Petzlod war schon häufiger mit seinen Filmen auf der Berlinale eingeladen. So u.a. 2010 mit „Dreileben“ und 2012 mit „Barbara“, für den er sogar den Silbernen Bären für die beste Regie bekam.

Während Christian Petzold in seinen letzten Filmen fast immer auf die Schauspielerin Nina Hoss setzte, so ist es dieses Mal Paula Beer, die in seinem neuen Film „Transit“ die weibliche Hauptrolle spielt. Leider tritt sie erst im zweiten Teil des Films auf. Schade, ich hätte gerne mehr von Paula Beer gesehen, die ich bereits in ihrem Film „Franz“ sehr bewundert habe.

6 Photos: Paula Beer und Franz Rogowski, „Transit“ © Schramm Film

Der Film „Transit“ ist eine freie Adaption des gleichnamigen Romans von Anna Seghers, die darin ihre Erlebnisse als Flüchtling vor den Nazis Anfang der 40er Jahre beschreibt. Bei Christian Petzold beginnt die Geschichte in Paris. Deutsche Flüchtlinge müssen vor den heranrückenden Deutschen weiter nach Süden flüchten, in die so genannte „Freie Zone“, die von den Franzosen selbst verwaltet wird. Allerdings wird von ihnen verlangt, auf ihrem Territorium Flüchtlinge und Juden zu verfolgen und an die Deutschen auszuliefern. So wird das Leben für die Verfolgten auch in Marseille, wohin sich die Hauptfigur des Films, Georg, flüchtet, immer gefährlicher. Georg, toll gespielt von Franz Rogowski, konnte durch einen Zufall die Identität des bekannten deutschen Schriftstellers Weidel einnehmen, der sich in Paris das Leben nahm. Dieser hatte schon alle Ausreisepapiere für eine weitere Flucht nach Amerika in Aussicht. Als dann Georg in Marseille die Witwe des Schriftstellers, Marie, kennenlernt, wird es kompliziert. Denn Marie (Paula Beer) weiß nicht, dass sich ihr Mann in Paris das Leben nahm. Und hier in Marseille lebt sie mit einem anderen Deutschen zusammen, der nur ausreisen will, wenn sie mitkommt. Aber Marie will auf ihren Mann warten…

Die Geschichte ist gut, die Schauspieler sind gut, doch so richtig begeistern konnte der Film mich nicht. Erst einmal fand ich befremdlich, dass die Geschichte zwar im 2. Weltkrieg spielen soll, die gezeigte Umgebung in Paris und in Marseille aber im jetzt spielt. Wahrscheinlich fehlte es schlichtweg an den finanziellen Mitteln, das gesamte Set jeweils vor 80 Jahren spielen zu lassen. Autos, Umgebung, Kleidung – zurückzuversetzen in eine andere Epoche ist nur mit großem Aufwand möglich. Aber vielleicht möchte Petzold ja auch damit zeigen, dass eine ähnliche Situation ach in unserer heutigen Zeit möglich ist. Trotzdem. Welche Gründe es auch gab nicht in der originalen Zeit spielen zu lassen, das Marseille von 2017 gibt für den Plot nicht dieselbe Faszination her, wie eine 1940er Umgebung.  Die Story ähnelt übrigens dem Film „Casablanca“ von Michael Curtiz aus dem Jahr 1942. As time goes by…

Mit „Eva“ kam am Nachmittag der zweite Wettbewerbsfilm des Tages. Natürlich ein Film über Liebe und Erotik, wie man es von den Franzosen nicht anders erwarten würde. Mit der zurzeit bekanntesten französischen Schauspielerin, Isabelle Huppert.

6 Photos: Isabelle Huppert bei der Pressekonferenz zu „Eva“ © Holger Jacobs

Unser Video der Pressekonferenz auf KULTUR24 TV:

Meine Kollegin Friederike Danne hat sich den Film „Eva“ angesehen. Hier ihre Kritik:

In diesem Streifen ist die einmalige Isabelle Huppert in allen ihren Facetten zu bewundern, diesmal in der Rolle der Edelprostituierten Eva. In deren Fängen landet der Autor Bertrand, verkörpert von dem attraktiv-zweifelnden Gaspard Ulliell. Bertrands momentaner Erfolg als Stückeschreiber ent-stammt einer bizarren Quelle und an sich selbst zweifelnd langweilt er sich im Grunde in seinem etablierten Leben kurz vor der bevorstehenden Hochzeit mit seiner blondem Verlobten (Julia Roy). Insofern bietet ihm die zufällige Begegnung mit Eva eine willkommene Abwechslung und es beginnt ein Versteckspiel zwischen Paris und einem Chalet in den französischen Alpen.

Dabei spielt Isabelle Huppert ihre Rolle wie gewohnt kalt, berechnend und intrigant und ist dem jun-gen Autor in jeder Hinsicht überlegen. Bertrand verstrickt sich immer weiter in ein Konstrukt aus emotionaler Hörigkeit und Lügengeschichten. Natürlich fliegt sein Doppelleben auf und das ganze endet in einer Katastrophe. Im Abspann sieht Bertrand Eva in einem Pariser Bistro, diese wird von einer Freundin gefragt, wer er sei, ihre Antwort: Niemand.

Für die Berlinale ist dies ein eher konventioneller Film, der aber von Anfang bis Ende spannend bleibt und gut unterhält. Text: Friederike Danne

6 Photos: Gaspard Ulliel und Isabelle Huppert in „Eva“ © EuroCorp Distribution

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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