Boris Godunow an der Deutschen Oper Berlin

Boris Godunow - Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Boris Godunow an der Deutschen Oper Berlin

 

Von Holger Jacobs

18.6.2017

Hintergrund

Wenn wir an den russischen Komponisten Modest Petrowitsch Mussorgski (*1839 – 1893) denken fällt uns in erster Linie sein Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ ein. Leider hinterließ er kaum mehr als ein Dutzend Werke der Nachwelt.

Mussorgski litt Zeit seines Lebens unter akutem Geldmangel und musste viele Berufe im Staatsdienst wahrnehmen um überhaupt überleben zu können. Viel Zeit zum Komponieren blieb da nicht. Der zur selben Zeit lebende Peter Tschaikowsky hatte deutlich mehr Erfolg.

Aus Mussorgski’s Vermächtnis kennen wir fünf Opern, die meisten unvollendet. Die Oper „Boris Godunow“ ist deshalb so ziemlich die einzige, die heute noch aufgeführt wird. Sie gehört auch nicht zu den „großen“ Opern und kann sich mit Werken von Verdi, Wagner und Mozart nicht messen. Dennoch gibt es ein paar schöne Melodien, wie Ihr hier in unserem kurzen Video der Krönungsszene im 1. Akt hören könnt:

Handlung

Mussorgski schrieb das Libretto selbst nach einem Theaterstück von Alexander Puschkin. Es geht auf die wahre Geschichte des Zaren Boris Godunow (*1552 – 1605) zurück, der einer der Nachfolger von Iwan dem Schrecklichen war. Um sein Ziel zu erreichen ließ Boris Godunow der Legende zufolge den Sohn seines Vorgängers, Dmitri Iwanowitsch (Zarewitsch), noch im Kindesalter ermorden. Seine Regentschaft war jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Hungersnöte und Bürgeraufstände bestimmten seine Zeit als Zar von Russland. Selbst die Bojaren (adlige Großgrundbesitzer in Osteuropa) stellten sich gegen ihn. Boris Godunow starb nach nur sieben Jahren Regentschaft unter mysteriösen Umständen. Sowohl ein Schlaganfall wie auch eine Ermordung durch Gift wird für möglich gehalten.

Kritik

Die Inszenierung des Engländers Richard Jones ist nicht ganz neu, stammt sie doch aus dem Royal Opera House London, wo sie am 13. März 2016 Premiere hatte und als Kooperation mit der Deutschen Oper in Berlin gedacht war.

Richard Jones wählte die so genannte „Urfassung“, die mit etwas über 2 Stunden Aufführungszeit auch kurz und knackig erscheint. Leider war die Inszenierung von Richard Jones aber nicht so knackig und kurzweilig wie man denken könnte. Gerade im zweiten Akt im Studierzimmer des Sohnes von Boris Godunow sowie am Anfang des dritten Aktes bei der Zusammenkunft der Bojaren wirkt die Regie steif und statisch. Entweder sitzen alle oder stehen alle. Obwohl diese Szenen einige inhaltlich aufregende Momente beinhalten (die Liebe zu seinem Sohn und Nachfolger, die Verschwörung der Bojaren), kommt keinerlei Spannung auf. Erst der Schluss mit dem Tod von Boris Godunow und der angedeuteten Ermordung seines Sohnes Fjodor kann emotional überzeugen.

Einer der besten Auftritte zeigte wieder einmal der Chor unter der Leitung von Raymond Hughes. Bei den Sängern ist meine Meinung gespalten. Herausragend fand ich Ante Jerkunica als Pimen, den alten Mönch. Ain Anger als Boris Godunow war in Ordnung, wenngleich er mit seinem Gesang nicht die Bühne überstrahlen konnte. Auch Dong-Hwan Lee konnte als Andrej Schtschelkalow nicht überzeugen, dagegen war der Auftritt der Bettelmönche Waarlam (Alexei Botnarciuc) und Missail (Jörg Schörner) spielerisch und gesanglich gelungen. Besonders gefiel mir der leider viel zu kurze Auftritt von Alexandra Hutton als Tochter Xenia. Von ihr würde ich gerne mehr hören (vielleicht mal in einer der kommenden Produktionen?).

Schöne Melodien, die Mütterchen Russland auferstehen lassen, ein interessantes Bühnenbild (Miriam Büther), tolle Kostüme (Nicky Gillibrand) und ein umwerfender Chor hinterlassen bei mir nach diesem Premierenabend positive Gefühle.

Nächste Vorstellungen: 23. und 27. Juni und 1., 4. und 7. Juli 2017

Deutsche Oper Berlin
Bismarckstraße 35
10627 Berlin

Die Bilderschau zeigt die gesamte Handlung der Oper in 25 Bildern:

25 Bilder: Boris Godunow (Ain Anger) wird gekrönt, „Boris Godunow“ von Mussorgski in der Deutschen Oper Berlin, © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist