Christos Mastaba in London

Christo "Mastaba" London Fotos: Wolfgang Völz

Christos Mastaba in London

 

Von Holger Jacobs

20.06.2018

Der Verpackungskünstler Christo baut in London eine Pyramide aus 7500 Ölfässern

Der mittlerweile 83-jährige bulgarische Künstler Christo, weltweit bekannt durch seine großartigen Aktionen, bei denen er Gebäude und sogar ganze Landschaften mit Stoffen einhüllt, hat wieder ein Projekt verwirklicht. Dieses Mal in London. 20 Meter hoch auf einer 600 Tonnen schweren künstlichen Insel.

Dabei fing Christo mal ganz klein an, indem er zunächst alltägliche Gegenstände wie Dosen, Flaschen, Stühle und Autos einpackte. Durch die Verpackung bekamen auch banale Gegenstände einen besonderen Wert – einen künstlerischen. Christo war Mitte der 50er-Jahre aus dem kommunistischen Bulgarien geflohen und ließ sich in Paris nieder. Seine Frau Jeanne-Claude, die am selben Tag wie er Geburtstag hatte, lernte er durch einen Auftrag als Portraitzeichner kennen. Sie wurde seine lebenslange Begleiterin – auch in der Kunst.
Schon eines ihrer ersten gemeinsamen Werke 1961, das Blockieren der schmalen rue de Visconti im 6. Arrondissement in Paris, geschah mit Ölfässern – damals 204 an der Zahl. Die Aktion endete, kaum dass sie fertiggestellt war, auf dem Polizeirevier.

Im Jahre 1964 kam der Umzug in die Vereinigten Staaten. Nach New York. Trotz ständigen Geldmangels realisierten sie ein Projekt nach dem anderen. Langsam kamen erste Erfolge. 1968 wurden Christo und Jeanne-Claude auf die Dokumenta IV eingeladen, ihre Arbeiten wurden von bekannten Galeristen wie Leo Castelli in New York oder Schmela in Düsseldorf vertreten.

Ein erster internationaler Durchbruch gelang, als Christo und Jeanne-Claude 1985 die berühmte Brücke Pont-Neuf in Paris verhüllten. Millionen von Menschen sahen diese Aktion. Bürgermeister Jacques Chirac (der spätere Präsident Frankreichs) hatte nach neun Jahren Verhandlungen sein „Okay“ gegeben.

Doch noch spektakulärer und bis heute wohl das Projekt mit der größten medialen Aufmerksamkeit wurde die Verpackung des Reichstags 1995 in Berlin. Die Verhandlungen dazu hatten 23 Jahre gedauert, schließlich musste sogar der Deutsche Bundestag darüber abstimmen (292 Stimmen dafür, 223 Stimmen dagegen). Auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl war dagegen gewesen. Aber dasProjekt wurde realisiert und begeisterte die Einwohner der Stadt und Tausende von Touristen. Ein erstes gesamtdeutsches  Highlight im erst vor wenigen Jahren zuvor wiedervereinigten Berlin.

Reichstag 1995 © Facebook/ Patrice Boudibela

Das bisher letzte Großprojekt waren die Floating Piers 2016, bei dem mehrere kleine Inseln und das Festland des Iseosees in Italien (Monte Isola) durch Stoffbahnen verbunden wurden. Dieses Projekt wurde besonders wegen seiner optischen Schönheit berühmt, strahlten doch die saffranfarbigen Stoffbahnen auf dem See mit dem türkisfarbenen Wassers um die Wette.

Floating Piers 2016 © Wolfgang Völz

Und nun die „Mastaba“. Christo und Jeanne-Claude (†2009), hatten diese Aktion bereits seit vielen Jahren geplant. Es sollte das erste Projekt auf britischem Boden werden. Und wieder mit Ölfässern. Öl und Arabien haben sich als zwei zusammenliegende Begriffe in unsere Köpfe eingegraben, seit in den 50er Jahren riesige Erdölvorkommen im Boden der arabischen Länder entdeckt wurden. So entstand die Idee eine Skulptur nur aus Ölfässern zu erschaffen. Bei der „Mastaba“ ging es also ausnahmsweise nicht ums Verhüllen oder Umschließen. Das arabische Wort Mastaba bedeutet Grabstelle, welche ein trapezförmiges Äußeres hat. Die Londoner Mastaba besteht aus 7506 Ölfässern, die ähnlich den Ägyptischen Pyramiden auf allen Seiten gleichmäßig aufsteigt, hier aber auf halber Höhe abgeschnitten ist. Bemalt in Rot, Blau und Lila wird ein interessanter Kontrast zum grün-schimmernden Wasser des Serpentine Lake hergestellt.

Die „Mastaba“ ist in London noch bis zum 23. September 2018 zu sehen, parallel dazu gibt es im Kunstmuseum Serpentine Gallery weitere Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude zu bestaunen.

„Mastaba“
Hyde Park, London
19. Juni – 23. Sept. 2018

„Christo and Jeanne-Claude: Barrels and the Mastaba 1958 – 2018“
Serpentine Gallery, Kensington Gardens, London W2 3XA, Großbritannien
19. Juni – 9. Sept. 2018. Freier Eintritt. Täglich von 10 – 18 Uhr.

7 Photos: Christo mit „Mastaba“ in seinem New Yorker Studio, Foto: Wolfgang Völz

english text

Christo’s Mastaba in London
By Holger Jacobs
06/20/2016
The now 83-year-old Bulgarian artist CHRISTO, known worldwide through his hugh and extraordinary artworks, in which he envelops buildings and even whole landscapes with fabrics, has again realized a project. This time in London. 20 meters high on a 600-ton artificial island.
Christo began began with small objects by packing cans, bottles, cars and chairs. The packaging gives banal things a certain value – an artistic one. Christo fled communist Bulgaria in the mid-fifties and settled in Paris. He met his wife Jeanne-Claude in the french capital, who had her birthday on the same day as him, through a job as a portrait artist. She became his lifelong companion – also in the arts. One of their first joint work in 1961 was blocking the narrow rue de Visconti in the 6th arrondissement in Paris, done with oil barrels – 204 in all. The action ended at the police station.
In 1964, they moved to the United States. To New York. Despite constant lack of money, they realized one project after another. Slowly the first success came. In 1968 Christo and Jeanne-Claude are invited to Documenta IV, and their artworks are represented by such well-known gallery owners like Leo Castelli in New York or Schmela in Dusseldorf.
A first international breakthrough succeed, when Christo and Jeanne-Claude veiled the famous Pont-Neuf bridge 1985 in Paris. Millions of people saw this performance. Mayor Jacques Chirac (who became later president of France) has given his „okay“ after nine years of discussions.
But even today the most spectacular project with big medial attention was packaging the Reichstag in Berlin in 1995. The negotiations lasted 23 years, finally even the German Bundestag had to vote on it (292 votes for, 223 votes against). And Chancellor Helmut Kohl was against it. But the project was realized and inspired the inhabitants of Berlin and thousands of tourists. A first all-German highlight in just a few years back to reunified Berlin.
The last large-scale project so far is the Floating Pier 2016, where fabrics connected small islands and the mainland of Lake Iseo in Italy (Monte Isola). This project was especially famous for its beauty, with the rays of saffron-colored fabric in contrast to the turquoise water.
And now „The Mastaba“. Christo and Jeanne-Claude († 2009), had planned this performance for many years. It is the first project on British soil. And again with oil barrels. Oil and Arabia are two related terms since the 1950s huge quantities of oil were found in the soil of the Arab countries. So came the idea to create a sculpture only from oil barrels. The Arabic word Mastaba means grave place, which has a trapezoidal appearance. The London Mastaba consists of 7506 oil barrels, similar to the Egyptian pyramids, but is cut off halfway up. Painted in red, blue purple and will again make an interesting contrast with shimmering green water of Serpentine Lake.
The „Mastaba“ can be seen in London through 23rd September 2018. In parallel, the Museum Serpentine Gallery will be able to show further works by Christo and Jeanne-Claude.
„Mastaba“ Hyde Park, London June 19 – September 23, 2018
„Christo and Jeanne-Claude: Barrels and the Mastaba 1958 – 2018“ Serpentine Gallery, Kensington Gardens, London W2 3XA, United Kingdom19 June – 9 September. 2018. Free admission. Daily from 10 – 18 o’clock.

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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