Claude Monet in der Albertina in Wien

Claude Monet - Seerosen © Fondation Beyeler

Claude Monet in der Albertina in Wien

 

Von Holger Jacobs

26.09.2018

english text below

„Claude Monet – Die Welt im Fluss“

So lautet der Titel der Claude Monet Ausstellung im Museum Albertina. Nach über 20 Jahren ist es die erste große Retrospektive des Künstlers in Wien.

Die Seine, deren Flussufer zum Weltkulturgut der UNESCO gehört und die von der Franche-Comte über die Hauptstadt Paris bis nach Le Havre in der Normandie fließt, war für Claude Monet (*1840 – 1926) ein Zuhause – sowohl hinsichtlich seiner verschiedenen Wohnorte als auch auf seinem Atelierboot, auf dem er ungeachtet der Wetterbedingungen die Natur und das Leben auf dem Flusslauf und an seinen Ufern mit dem Pinsel zu erhaschen suchte.

Anhand von 100 Gemälden reisen die Ausstellungsbesucher*innen auf den Spuren des bedeutendsten Impressionisten die Seine entlang und halten an seinen Lebensstationen inne:
– In Paris, wo Monet das moderne, pulsierende Leben mit flimmerndem Licht einfing.
– In Argenteuil, wo er Natur und Technik miteinander in Einklang brachte.
– In Vétheuil, wohin er sich angesichts seiner prekären finanziellen und familiären Situation in die Einsamkeit zurückzog, um sich allein der unberührten und ursprünglichen Natur zu widmen.
– Und schließlich in Giverny, wo er zu einem neuen ästhetischen Konzept fand, das den Impressionismus aus seiner Krise führte und der modernen Malerei den Weg bereitete.

Der Fluss steht zudem für die vielen Aspekte, die Monets Schaffen ausmachten: das Licht, das sich durch die Reflektion auf dem Wassers in Hunderte strahlende Lichtpunkte verwandelt; das Ineinanderfließen von Wasser, Dunst, Nebel, Schnee und Eis und die sich mit dem Wetter und dem Licht verändernden Farben.

Claude Monet ist bereits fünfzig Jahre alt, als sich endlich die ersten Erfolge einstellen. Dabei war er für seine Freunde immer schon der unangefochtene Vorreiter des „Impressionismus“, jener Bewegung, die ihre Abspaltung vom offiziellen Salon selbstbewusst inszenierte. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Anfang des 2o. Jahrhunderts wird Monet zu einer lebenden Legende und als Künstlergenie gefeiert.

Viele glauben, dass sich die bis heute ungebrochene Popularität Monets damit begründet, dass seine Malerei die letzte allgemein verständliche war.
Die Abstraktion, die sich seiner Epoche anschloss, konnte nie so viele Anhänger hinter sich versammeln, wie Monet und seiner Artgenossen des Impressionismus.
Dabei galten auch die Impressionisten zunächst als verpönt: Die zufällig wirkenden Bildausschnitte, der skizzenhafte Pinselstrich und das Fixieren eines flüchtigen Augenblicks widersprachen der Vorstellung der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts.

Claude Monet entnimmt die Motive seiner Kunst nicht aus der Vergangenheit, aus biblischen Geschehnissen oder aus weit entfernten Ländern, sondern findet sie in seiner unmittelbaren Umgebung. Im hier und jetzt.
Als Zeitgenosse hält er das lärmende Treiben auf den modernen Boulevards der Großdstädte fest (wie später z.B. auch Ernst Ludwig Kirchner), den bescheidenen Zauber der Pariser Vororte mit ihren Fabrikschloten, den Brücken und der sonntäglichen Freizeitstimmung an den Ufern der Seine.
Die wechselnden Lichtstimmungen malt der große Freilichtmaler unmittelbar vor Ort, nicht in der Abgeschiedenheit eines Ateliers.
Insgesamt 100 Gemälde zeichnen in dieser Retrospektive die Entwicklung Monets nach:
Von den Anfängen in Paris über den Aufenthalt in Argenteuil bis zu den Jahren bitterer Armut im abgeschiedenen Vétheuil, wo einige der schönster Winter- und Frühlingslandschaften entstehen.

Es folgen die Zeit des großen Erfolgs, die Serien der 1890er-Jahre: die Heuhaufen, die Kathedrale von Rouen und die Landschadt der Creuse in einer ganzen Serie, die Monet von ein und demselben Standort aus unter wechselnden Lichtbedingungen malt.
Die letzten dreißig Jahre seines Lebens verbringt Monet in der üppigen Natur seines Gartens in Giverny. Hier entstehen die berühmten Seerosenbilder mit dem Seerosenteich, der japanischen Brücke und der Rosenallee.

„Claude Monet – Die Welt im Fluss“
Museum Albertina Wien
Albertinaplatz 1
Vom 21. Sept. 2018 – 6. Jan. 2019
Öffnungszeiten: täglich 9 – 18 Uhr, Mi + Fr – 21 Uhr

Hier die unsere Serie mit den 11 schönsten Bildern der Ausstellung:

11 Photos: CLAUDE MONET „Pfad durch die Mohnblumen“, 1880 © MOMA New York

english text

Claude Monet at the Albertina in Vienna
By Holger Jacobs
09/26/2018
„Claude Monet – Die Welt im Fluss (A floating world)“
This is the title of the great Claude Monet exhibition at the Museum Albertina. After more than 20 years, it is the artist’s first major retrospective in Vienna.
The Seine, whose riverbank is a UNESCO World Heritage Site and flows from Franche-Comte via the capital city of Paris to Le Havre in Normandy, was a home for Claude Monet (* 1840 – 1926), both in terms of his different places of residence on his studio boat, on which he sought to catch the nature and the life on the river and on its shores with the brush, regardless of the weather conditions.
On the basis of 100 paintings, visitors to the exhibition travel in the footsteps of the most important impressionist along the Seine and stop at their stations of life: – In Paris, where Monet captured the modern, pulsating life with flickering light. – In Argenteuil, where he brought nature and technology together. – In Vétheuil, where, in the face of his precarious financial and family situation, he retired to solitude to devote himself to untouched and primitive nature. – And finally in Giverny, where he found a new aesthetic concept that led Impressionism out of its crisis and paved the way for modern painting.
The river also reflects the many aspects that make up Monet’s work: the light that is transformed into hundreds of radiant points of light through reflection on the water; the interweaving of water, haze, mist, snow and ice, and the colors changing with the weather and the light.

Claude Monet is already fifty years old when the first successes finally arrives. He was always the undisputed pioneer of „Impressionism“ for his friends, the movement that self-confidently staged their secession from the official salon. Until the outbreak of the First World War at the beginning of the 2o. Century Monet is celebrated to a living legend and artist genius.
Many believe that Monet’s continued popularity is due to the fact that his painting was the last commonly understood one. The abstraction that followed his epoch could never gather as many followers as Monet and his fellow Impressionists. But in the same time, the Impressionists were initially regarded as frowned upon: the seemingly random image excerpts, the sketchy brushstroke and the fixation of a fleeting moment contradicted the idea of 19th-century academic painting.

Claude Monet entnimmt die Motive seiner Kunst nicht aus der Vergangenheit, aus biblischen Geschehnissen oder aus weit entfernten Ländern, sondern findet sie in seiner unmittelbaren Umgebung. Im hier und jetzt.
Als Zeitgenosse hält er das lärmende Treiben auf den modernen Boulevards der Großdstädte fest (wie später z.B. auch Ernst Ludwig Kirchner), den bescheidenen Zauber der Pariser Vororte mit ihren Fabrikschloten, den Brücken und der sonntäglichen Freizeitstimmung an den Ufern der Seine.
Die wechselnden Lichtstimmungen malt der große Freilichtmaler unmittelbar vor Ort, nicht in der Abgeschiedenheit eines Ateliers.

 

Claude Monet does not take the motifs of his art from the past, from biblical events or from distant lands, but finds them in his immediate surroundings. In here and now. As a contemporary, he captures the hustle and bustle on the modern boulevards of the big cities (as, for example, Ernst Ludwig Kirchner later), the modest charm of the Parisian suburbs with their factory chimneys, the bridges and the Sunday leisure time on the banks of the Seine. The changing light moods of the large outdoor painter painted directly on site, not in the seclusion of a studio.
A total of 100 paintings trace the development of Monet in this retrospective: From the beginnings in Paris over the stay in Argenteuil to the years of bitter poverty in the secluded Vétheuil, where some of the most beautiful winter and spring landscapes arise. This is followed by the time of great success, the series of the 1890s: the haystacks, the Rouen Cathedral and the Creuse countryside in a series that Monet painted under the changing light conditions from one location. The last thirty years Monet spends his life in the lush nature of his garden in Giverny. Here were created the famous water lily pictures with the lily pond, the Japanese bridge and the Rose Alley.
„Claude Monet – The World in the River“ Museum Albertina Wien, Albertinaplatz 1, From 21 Sept. 2018 – 6 Jan. 2019, Opening hours: daily 9am – 6pm, Wed + Fri – 9pm

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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