Dantons Tod in der Schaubühne Berlin

Kantons Tod - Schaubühne Berlin Foto: Holger Jacobs

Dantons Tod in der Schaubühne Berlin

 

Von Holger Jacobs

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4.12.2016

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

Liebe Kulturfreunde,

Spritzig und energiegeladen rauscht der Danton in 2 Stunden an uns vorbei. Sexy, aber nicht ohne den nötigen Ernst zu verlieren, präsentiert sich die Neuproduktion von Dantons Tod an der Schaubühne Berlin mit Schülern der Ernst-Busch Schauspielschule.

Paul Maximilian Schulze als Moderator des Abends, "Dantons Tod", Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

Paul Maximilian Schulze als Moderator des Abends, „Dantons Tod“, Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

Geschichte und Handlung

Georg Büchner hat nur wenige Schriften und drei Bühnenstücke hinterlassen. Viel zu früh verstarb er 1837 im Alter von nur 24 Jahren an den Folgen einer Typhus-Erkrankung. Trotzdem gilt er als einer der bedeutensden Dramatikern des 19. Jahrhunderts. Aufgewachsen in der Zeit nach Napoleons Herrschaft über Europa war er beseelt vom Gedanken der Freiheit und Gerechtigkeit. So ist auch sein erstes Bühnenstück, „Dantons Tod“, zu verstehen, welches auf einer wahren Begebenheit während der Französischen Revolution beruht.

Nach der Erstürmung der Bastille 1789 durchlebte Frankreich eine Zeit des Aufbruchs, aber auch der Grausamkeit. Jeden Tag wurden auf dem Platz der Revolution (heute: „Place de la Concorde“) viele vermeintliche oder wirkliche Konterrevolutionäre durch die Guillotine hingerichtet. Im Nationalkonvent stritten sich verschiedene politischen Gruppierungen um die Macht im Staate. Einer der Wortführer waren Maximilien de Robespierre vom Club der Jakobiner, der anfangs einer der standhaftesten Demokraten war und Gleichheit für alle forderte. Ihm gegenüber stand Georges Danton, der aus ärmlichen Verhältnissen kommend sich zum Anwalt hochgearbeitet hatte und mit viel Geschick und Redekunst einer der Wortführer der Revolution im Nationalkonvent wurde. Zu Anfang kämpften beide noch gemeinsam, doch im Laufe des Jahres 1793 entzweiten sich beide immer mehr. Im März 1794 kommt es zum Eklat: Robespierre und seine Verbündeten, u.a. Louis-Antoine de St. Just, klagen Danton und dessen Verbündete Camille Desmoulins, Jean-Francois Delacroix und Pierre Philippeaux des Hochverrats an. Am 5. April 1794 werden sie guillotiniert. Doch auch Robespierre fällt dank seiner Schreckensherrschaft in Ungnade und nur wenige Monate später, am 28.7.1794, ereilt ihn auf dem Place de la Revolution das gleiche Schicksal wie sein Kontrahent zuvor. Über 1500 Menschen waren innerhalb eines Jahres durch die Guillotine hingerichtet worden, bis zu 70 an einem Tag.

Büchner lässt in seinem Stück die letzten Lebenstage des Georges Danton Revue passieren und konzentriert sich auf das Duell zwischen Robespierre und Danton. Der Erstgenannte, aufrechter Advokat, enthaltsam und unbestechlich, stand einem charismatischem Lebemann gegenüber, der die Massen zu begeistern wusste. Letztlich haben beide den Terror nicht überlebt. Die Revolution frisst bekanntlich ihre Kinder.

Lola Fuchs als Lucile Desmoulins, "Dantons Tod", Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

Lola Fuchs als Lucile Desmoulins, „Dantons Tod“, Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

Kritik:

Der Regisseur Peter Kleinert ist mir in bester Erinnerung geblieben durch seine fulminante Inszenierung des „Fabian“ von Erich Kästner im Jahre 2014. Auch damals schon, wie jetzt hier, setzte er ganz auf die Schüler einer Klasse der berühmten Ernst Busch Schauspielschule in Berlin. Und auch dieses Mal gelingt ihm mit Bravour die sprühende Lebendigkeit dieser jungen Leute in eine Bahn zu lenken, ihnen sowohl Freiraum wie Führung zu geben. Und auch dieses Mal setzt er wieder auf musikalische wie textliche Elemente. Sei es ge-coverte Songs von Lana Del Rey oder eigene Kompositionen von Lenny Mockridge, die Schauspieler dürfen sich mehrmals dem Sound hingeben und sich fühlen wie im Club Berghain. Dabei spielen sie selbst alle Instrumente der Band live.

Dennoch, und das ist die Stärke er Inszenierung, kommt der Originaltext und seine Geschichte nicht zu kurz. Auch wenn immer mal zeitgenössische Formulierungen einfließen und auch aktuelle politische Statements nicht fehlen, so ist man doch zu 80 % des Abends ganz bei Büchner.

Vielleicht gerade deshalb kommt dem Zuschauer die Sprache des berühmten Dramatikers so wunderbar, so wunderschön vor. Besonders das Zwiegespräch zwischen Danton (Jonas Dassler) und Robespierre (Esra Schreier, die auch als Pianistin mit einer herausragend gespielten Prélude von Liszt überzeugte) geraten hier zum Highlight. Auch die Schauspielerinnen Monika Freinberger (spielt die Ehefrau von Danton, Julie) und Lola Fuchs (spielt die Ehefrau von Desmoulin, Lucile) verdienen einer besonderen Erwähnung. Da ihre Rolle bei Büchner nicht viel hergab, überlegten sie sich eigene Interpretationen. So spielen sie zwei verwöhnte Damen (Luxus-Tussis) der höheren Gesellschaft, die hauptsächlich in sich selbst verliebt sind. Erst zum Schluss merken sie, dass sie genauso verloren sind wie ihre Ehemänner.

Es scheint sicher, dass diese Inszenierung ebenso erfolgreich wird, wie der „Fabian“ damals – jede Aufführung ausverkauft!

Schaubühne am Lehniner Platz
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin

nächste Vorstellungen: 5. und 30. Dezember 2016, sowie 18., 19., 20., 21., 22. und 23. Januar 2017

Monika Freinberger als Julie Danton. "Dantons Tod", Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

56 Bilder: Monika Freinberger als Julie Danton. „Dantons Tod“, Schaubühne Berlin, Foto: Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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