Das Kapital von Joseph Beuys

Joseph Beuys - Das Kapital - Hamburger Bahnhof 2016 © Jacobs/ Feldmann

Das Kapital von Joseph Beuys

 

Von Holger Jacobs

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23.8.2016

Liebe Kulturfreunde,

das Museum Hamburger Bahnhof in Berlin zeigt noch bis zum 6. November 2016 eine der Hauptarbeiten von Joseph Beuys, „Das Kapital“, zusammen mit 130 weiteren Arbeiten verschiedener Künstler, die diesem Thema zugeordnet werden. Eine monumentale Schau zu einem monumentalen Thema.

Meine Begegnungen mit dem deutschen Ausnahmekünstler Joseph Beuys waren vielfältig. Auch wenn ich ihn nie persönlich getroffen habe, so kam ich in meinem Leben doch mehrmals mit seinen Werken in Berührung.

Zum ersten Mal hörte ich seinen Namen 1972. Meine Eltern waren mit unserem früheren Bundespräsidenten Johannes Rau gut befreundet und wie immer trafen wir ihn zur Weihnachtszeit im Hotel Schloss Elmau in Oberbayern. Selbst als kleiner Junge bekam ich die lebhafte Diskussion mit, die darum ging, dass Rau, damals Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, einen gewissen Joseph Beuys, damals Prof. an der renommierten Kunsthochschule in Düsseldorf, aus seinem Amt entlassen hatte. Was normalerweise keinen weiter interessieren würde, war in Deutschland zum Politikum geworden.

Bundespräsident Johannes Rau und Holger Jacobs in Berlin-Dahlem 2004 © Holger Jacobs

Bundespräsident Johannes Rau und Holger Jacobs in Berlin-Dahlem 2004 © Holger Jacobs

Meine nächste Begegnung war sieben Jahre später. Ich war mit einem Studienkollegen von München nach Venedig gefahren, um die Biennale für Zeitgenössische Kunst zu besuchen. Im deutschen Pavillon erwartete uns eine riesige Installation aus 50 schwarzen Tafel, einem Klavier und weiteren unzähligen Gegenständen des Künstlers Joseph Beuys. Das Werk nannte sich „Das Kapital“.

Zwei Jahre später fuhr ich zur Dokumenta VII nach Kassel. Eine Arbeit überwältigte mich besonders: Aus einem VW Bus schwebten unzählige Schlitten, jedes mit einem Survival Set aus Filsdecke, Taschenlampe und Fettklumpen versehen. Faszinierend auf Grund seiner Idee, seiner Umsetzung und seiner Schönheit.

Joseph Beuys "Das Rudel", 1969, Quelle: Pinterest

Joseph Beuys „Das Rudel“, 1969, Quelle: Pinterest

Mehrere Jahre später heiratete meine Schwester einen bekannten Kunstsammler, der mehrere Arbeiten von Beuys besaß. So hatte ich die Gelegenheit, endlich einmal ein Original in den Händen zu halten. Er war es auch, der mir viel über Joseph Beuys erzählte und mir seine Arbeit erklärte. Er hatte ihn mehrmals in Düsseldorf bei dem Galeristen Alfred Schmela getroffen.

Und meine letzte Begegnung mit Joseph Beuys war 2001, als ich nach London fuhr, um mir die gerade neu eröffnete Tate Modern anzusehen. Nur einem Künstler war die Möglichkeit gegeben worden, einen ganzen Raum allein zu bespielen: Joseph Beuys. Gezeigt wurde seine riesige Installation „Blitzschlag auf Hirsch“.

Und jetzt Joseph Beuys im Hamburger Bahnhof.

Auslöser für die Ausstellung war der Erwerb der Arbeit „Das Kapital“ durch den Sammler Erich Marx, der bereits viele Werke von Beuys besitzt und einen Großteil davon an die Staatlichen Museen zu Berlin ausgeliehen hat. Die monumentale Installation war seit 1984 den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen untergebracht. Als das Museum in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde „Das Kapital“ auf den Kunstmarkt gebracht und Erich Marx schlug sofort zu. Kaum in Berlin angekommen gab er es gleich weiter an den Hamburger Bahnhof.

Die Kuratoren Dr. Eugen Blume und Catherine Nichols wollten die Installation mit Arbeiten anderer Künstler verschiedenster Epochen zusammenbringen. Von „Judas erhält 30 Silberlinge“ (für den Verrat an Jesus) aus dem 15. Jahrhundert bis zu Rihanna (sie hatte letzten Dienstag hier in Berlin ihr großes Konzert) von 2015 (Audiodatei), die in ihrem Song „Bitch better have my money“ darüber singt, wie ihr früherer Steuerberater sie um Millionen Dollar betrogen hat und wie sie sich alles zurückholen wird.

Manches konnte ich thematisch nicht nachvollziehen, wie das Bild von Casper David Friedrich („Das Riesengebirge“, 1835) oder die Fotografie von Larry Clark mit fixenden Jungs in einer amerikanischen Vorstadt („Tulsa“, 1968). Aber das sollte am besten jeder für sich selber beurteilen.

Der Besuch lohnt auf jeden Fall. Ich würde sogar sagen, er ist ein Muss! Das Kapital von Joseph Beuys soll später im noch zu bauenden Neuen Museum für zeitgenössische Kunst am Kulturforum seinen festen Platz bekommen. Das gibt Vorfreude auf das neue Haus und seine Kunst!

„Das Kapital“
2.7. – 6.11.2016
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Invalidenstrasse 50
10557 Berlin
Öffnungszeiten Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr, Mo geschlossen

Andy Warhol "Mao", 1973, Joseph Beuys "Das Kapital", Hamburger Bahnhof 2016 Foto: Holger Jacobs

Andy Warhol „Mao“, 1973, Joseph Beuys „Das Kapital“, Hamburger Bahnhof 2016 Foto: Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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