Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten

New York night © Oleg Chursin

Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten

 

Von Holger Jacobs

holger-jacobs-love1-100a

09.11.2016

Liebe Kulturfreunde,

manchmal muss sich auch der Liebhaber der schönen Künste mit der harten Realität der Politik auseinandersetzen.

In der europäischen Nacht vom 8. auf den 9. November 2016 wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neuer Präsident gewählt. Um 8.34 Uhr MEZ überschritt Präsidentschaftskandidat Donald Trump die notwendigen 270 Wahlmänner, nachdem der Staat Wisconsin als einer der letzten ausgezählt war. Ein Staat, der wie viele andere eigentlich traditionell demokratisch wählt. Auch New York (immer demokratisch) fiel an Trump. Aber in dieser Wahlschlacht wurde nicht eine Partei, auch nicht rechts oder links gewählt, sondern hauptsächlich den Worten eines Populisten gefolgt, der angeblich Amerika „great again“ macht, ohne dabei zu sagen, wie.

Und es war vor allem eine Wahl gegen Hillary Clinton. Auch wenn in den 8 Jahen der Obama-Präsidentschaft die Wirtschaftskrise von 2008 überwunden wurde und viele neue Jobs geschaffen, so bleiben Tausende, ja Millionen übrig, die bei der Finanzkrise 2007/ 2008 alles verloren haben und keine Chance wieder auf die Beine zu kommen. Viele haben nicht nur ihre Jobs, sondern auch ihre Häuser verloren und leben bis heute am Rande der Gesellschaft. Dafür macht der einfache Mann (Frau) das Establishment verantwortlich und Hillary Clinton ist für viele das Sinnbild dieses Establishments.

Den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär glaubt keiner mehr.

Nach dem Brexit im Juni 2016, als sich Großbritannien mehrheitlich in einer Volksabstimmung für den Ausstieg aus der Europäischen Union entschied, ist der Sieg von Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf nun das zweite große politische Erdbeben diesen Jahres. Keiner weiß heute so genau, was das für uns und vor allem für die die US-Amerikaner bedeuten wird. Doch eines ist klar geworden: Es ist ein Sieg des Populismus, wie wir ihn schon lange nicht mehr erlebt haben. Gefühl siegt über Vernunft. Was in der Welt der Kunst wünschenswert ist, sollte aber nicht in der Welt der Politik gelten. Dennoch ist es so.

Die zweite beunruhigende Nachricht ist, dass die Republikaner auch im Senat und im Repräsentantenhaus die Mehrheit bekommen haben (einige Sitze wurden dort neu vergeben). Das heißt, wo Obama bei vielen Gesetzesvorlagen scheiterte (z.B. Schließung von Guantanamo), kann sie Trump nun ohne Probleme durchsetzen. Gerade die neu eingeführte staatliche Krankenversicherung, die für 49 Millionen nicht versicherte US-Bürger eine Garantie für eine ärztliche Behandlung ist, steht auf der Kippe.

Bleibt nur die Hoffnung, dass alles nicht so schlimm wird – und die Hoffnung stirbt zuletzt…

US-Wahl 2016 © Grafik Google

US-Wahl 2016 © Grafik Google

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.