Der Potsdamer Platz wurde verkauft

Potsdamer Platz © Holger Jacobs

Der Potsdamer Platz wurde verkauft

von Holger Jacobs

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14.10.2015

Liebe Kulturfreunde,

 

man sollte es nicht glauben, aber so etwas gibt es wirklich: eine Investment-Firma aus Toronto hat den Potsdamer Platz in Berlin gekauft!

 

Das Portfolio besteht aus insgesamt 18 Gebäuden, darunter sieben Bürotürme und fünf Wohngebäude. Weiterhin das Einkaufszentrum Potsdamer Platz Arkaden, zwei Kinos, ein Theater, ein Hotel sowie rund 30 Restaurants und Cafés und mehr als 2000 unterirdische Parkplätze. Insgesamt rund 267.000 Quadratmeter sind für 1,4 Milliarden Euro von der kanadischen Investfirma Brookfield gekauft worden.

Potsdamer Platz, 1920, Blick von Norden nach Süden auf den ehemaligen Potsdamer Bahnhof im Hintergrund, © Alte Nationalgalerie

Potsdamer Platz, 1920, Blick von Norden nach Süden auf den ehemaligen Potsdamer Bahnhof im Hintergrund, © Alte Nationalgalerie

 

Der Potsdamer Platz, einst vor dem 2. Weltkrieg der meist befahrene Platz Europas mit der ersten Ampelanlage auf dem Kontinent, war im Krieg stark beschädigt worden. Als dann 1961 die DDR Ihre Mauer direkt über den Platz verlaufen ließ, wurden alle noch verbliebenen Ruinen links und rechts der Mauer abgerissen. Nur noch eine Brache blieb zurück, die keiner betreten durfte. Einziger Lichtblick in 40 Jahren: Die Philharmonie Berlin von Architekt Hans Scharoun, 1963 erbaut, und die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe 1968. Und dann kam lange nichts.

 

Potsdamer Platz 1989

Potsdamer Platz 1990, im Zentrum links das Lenné-Dreieck

 

Als es am 9. November 1989 zur Öffnung der Mauer und ein Jahr später zur Wiedervereinigung Deutschlands kam, war der Potsdamer Platz über Nacht wieder der Mittelpunkt der neuen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.

 

Ein internationaler städtebaulicher Wettbewerb wurde damals vom Senat ausgeschrieben, um einen Masterplan für das gesamte Areal des neuen Potsdamer Platzes zu erarbeiten. Es gewann der Entwurf des Architekturbüros Hilmer & Sattler. Der Wettbewerb schlug eine Traufhöhe (vom Gehweg zur Dachrinne gemessen) von 35 Metern vor – üblich in Berlin sind 22,0 m. Damit sollte eine Annäherung an die Optik des Platzes vor dem 2.Weltkrieg erreicht werden. Dagegen gab es großen Widerstand, speziell durch den Preisrichter Rem Koolhaas, der unter lautem  Protest die Jury verließ. Der Wettbewerbsbeitrag lies zudem fünf so genannte Akzente in Form von Hochhäusern zu. So wurde der Kollhoff-Tower mit 103 Metern von Hans Kollhoff erbaut, der PWC-Tower links daneben von Renzo Piano mit 75 Metern und der Deutsche Bahn DB-Tower mit 103 Metern von Helmut Jahn, sowie das Beisheim-Center mit dem Ritz-Carlton-Tower von Hilmer & Sattler und daneben das Dellbrück-Hochausvon Hans Kollhoff mit jeweils 75 Metern.

 

Schon gleich nach der Wende, 1991, hatte der Senat von Berlin entschieden fast das gesamte brachliegende Areal des Potsdamer Platzes an einen Privat-Investor zu verkaufen, in dem Fall an die Daimler-Benz AG. Dazu wurden viele negative Stimmen laut. In der öffentlichen Hand befindliche Flächen, zumal in solch einer Lage, sollten nicht in private Hände gehen. Aber es kam noch schlimmer: das 20.000 qm große Areal des Lenné-Dreiecks, der nördliche Teil des Potsdamer Platzes, wurde für einen symbolischen Euro an die Karstadt-Gruppe verkauft. Der Metro-Gründer Otto Beisheim wiederum hatte dann im Jahr 2000 das Areal für 145.000 Euro von der Karstadt-Gruppe abgekauft. Was für ein Gewinn!!! Die Unfähigkeit der zuständigen Behörden wird wohl nur noch von dem jetzigen BER Flughafen Skandal übertroffen, bei dem es nicht mehr um schlappe Milliönchen, sondern um harte Milliarden geht.

 

Noch eine kleine Notiz am Rande: Die Erben des ehemaligen Besitzers des Lenné-Dreiecks, die jüdische Familie Wertheim, hatte 2005 mit Hilfe der Jewish Claim Conference Ansprüche an ihren ehemaligen Besitz angemeldet. Man einigte sich 2007 auf eine Summe von 88 Millionen Euro.

 

Das Beisheim-Center (ehemals Lenné-Dreieck) umfasst 5 Gebäude-Ensembles und wurde von fünf unterschiedlichen Architekten entworfen. Zunächst direkt zum Potsdamer Platz gelegen das Hotel Ritz Carlton,  75 Meter hoch, wurde, wie schon oben erwähnt, vom Architektenbüro Hilmer & Sattler geplant. Rechts daneben das Dellbrück-Hochhaus, ebenfalls 75 Meter, von Hans Kollhoff. Das Parkside-Gebäude zum Tiergarten ist von David Chipperfield, das Bürogebäude Ebertstr. 2 von Moderson & Freiesleben und das Hotel Marriot von Bernd Albers.

Der Potsdamer Platz, Blick von Ost nach West, ganz links der PWC-Toawer, daneben der Kollhoff-Tower, in der Mitte der DB-Tower und rechts das Beisheim-Center mit dem Hotel Ritz Carlton, © Holger Jacobs

6 Bilder: Der Potsdamer Platz, Blick von Ost nach West, ganz links das erste Haus der Leipziger Strasse, dann als schmaler Streifen der PWC-Tower, daneben der Kollhoff-Tower aus braunem Backstein, in der Mitte der DB-Tower und rechts das Beisheim-Center mit dem Hotel Ritz Carlton, ganz rechts wieder das erste Haus der hier beginnenden Leipziger Strasse © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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