Die Kultur Tipps für Hamburg März 2016

Elbphilharmonie 2015 © Thies Raetzke

Die Kultur Tipps für Hamburg März 2016

 

Von Julia Engelbrecht-Schnür

Julia-Engelbrecht-Schnür-Portrait-2-120

03.03.2016

 

Die Flüchtlingsthematik hat auch das Hamburger Kulturleben fest im Griff, so scheint es zumindest beim Blick auf das Angebot. Ob auf Kampnagel, an unseren Theatern oder bei Benefizveranstaltungen, vielerorts spielt Flucht, Vertreibung und die Auseinandersetzung mit dem Islam eine Rolle.

Theater:

Wer keine Karte für die gefeierte Bühnenadaption von „Unterwerfung“ nach dem Roman von Michel Houellebecq am Schauspielhaus ergattert hat,

Edgar Selge "Unterwerfung" Schauspielhaus-Hamburg © Klaus-Levebvre

Edgar Selge „Unterwerfung“ Schauspielhaus-Hamburg © Klaus-Levebvre

 

kann im Thalia in der Gaußstraße der Frage nachgehen, wie viel Islam einer Gesellschaft zuträglich ist. Mit der Inszenierung „Schnee“ nach dem Roman von Orhan Pamuk bringt der gefragte 28jährige Regisseur Ersan Mondtag eine kurzweilige Performance auf die Bühne, die vor allem ästhetisch überzeugt. Das Bühnenbild, die Kostüme, der Aktionsradius der Schauspieler ist glänzend gewählt. Wer den vielschichtigen Roman des türkischen Schriftstellers allerdings nicht gelesen hat, bleibt etwas ratlos zurück. „Man sollte nicht mit dem Anspruch in diese Aufführung gehen, hier den Roman erzählt zu bekommen. Das ist bei 600 Seiten nicht möglich. Wir haben einen eigenen Abend aus dem Roman gebastelt, der unabhängig funktioniert, den man aber als Begleitabend zum Roman verstehen könnte“, erklärt Ersan Montag seine Arbeit im „Hamburger Abendblatt“.

 

Die uniformierten Darsteller (gleiche Haare, gleiche Kostüme) huschen wie austauschbare Objekte durch einen von bläulichem Licht erhellten Moscheeraum oder toben wie Derwische durcheinander, während sie ihren Text wie Fragmente oder Mosaike in den Bühnenraum schreien. Dieses surreale Treiben erinnert zuweilen an Filmsequenzen der iranischen Videokünstlerin Shirin Neshat. Man muß sich seine Rückschlüsse und Erkenntnisse selbst zusammenkramen, denkt zumindest noch lange über das Gesehene nach – anschließend bei einer Falafel-Pizza im benachbarten Restaurant „Mehl“.

Schnee, Thalia in der Gaußstrasse, 3. u. 19. März 20 Uhr. 6. Und 20. März

 

 

Wesentlich übersichtlicher wird das Bühnengeschehen sein in dem Stück „Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung“ von Ildikó von Kürthy. Was drei gegensätzlichen Freundinnen in Sachen Liebe und Partnerschaft erleben, ist ab dem 17. März fast täglich im Ernst Deutsch Theater zu sehen, und wir alle sind gespannt, ob sich von Kürthys schmissige Romane auch auf der Bühne bewähren.

"Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung" Ernst Deutsch Theater © Timmo Schreiber

„Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung“ Ernst Deutsch Theater © Timmo Schreiber

 

Kunst:

In den Deichtorhallen ist ab dem 3. März sehen, was Absolventen von Fotografie-Studiengängen der Hochschulen zwischen München und Flensburg thematisch bewegt. Von insgesamt 104 Einsendungen aus 26 Institutionen hat die Jury neun Gewinner gekürt. Den Wettbewerb „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie“ gibt es seit 2004, und immer wieder ist die Schau eine Bereicherung für den Besucher. Denn, was die Gemüter der Absolventen bewegt und wie sie es zum Ausdruck bringen, birgt viel Originalität und frischem Zeitgeist in sich. Nyu Hyun von der Kunsthochschule für Medien Köln zum Beispiel lichtete ein Jahr lang jeden Tag ihre Mahlzeiten ab. Morgens, mittags, abends. Eine dokumentarische Fleißarbeit mit sehr viel Sushi.

Deichtorhallen, "Junge deutsche Fotografie", © KYUNG-Nyu-Hyun "Nahrungsaufnahme"

Deichtorhallen, „Junge deutsche Fotografie“, © KYUNG-Nyu-Hyun „Nahrungsaufnahme“

 

Weniger prosaisch ist der Blick, mit dem Raymond Pettibon auf die Welt blick und dessen Arbeiten die Sammlung Falckenberg noch bis Anfang September in Hamburg-Harburg zeigt. „Homo Americanus“ heißt die Ausstellung, die aus 700 Zeichnungen, Plattenhüllen und Filmen dieses Punk-Künstlers, der in seinen zornigen Darstellungen und Texten nicht nur der US-Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Nichts für schwache Nerven.

Raymond Pettibon, untitled (I ran a), 1984. Schreibstift und Tusche auf Papier, 35,5 x 26 cm. Foto: Egbert Haneke. © Raymond Pettibon

Raymond Pettibon, untitled (I ran a), 1984. Schreibstift und Tusche auf Papier, 35,5 x 26 cm. Foto: Egbert Haneke. © Raymond Pettibon

 

Musik:

Wer sich auf die Ostertage einstimmen will, sollte sich Karten für die beiden Bach-Passions-Abende im Michel sichern. In der Hauptkirche St. Michaelis wird das Osterwochenende mit der Matthäus-Passion am 20. März und der Johannes-Passion am 25. März jeweils um 18 Uhr eingeläutet. Diese beiden Termine versprechen höchsten Musikgenuß mit großer Oster-Tradition.

 

Ein weiteres Musikereignis mit Traditionswert verspricht der Auftritt der Scorpions am 21. März in der Barclaycard-Arena zu werden. Die Hannoveraner Rockband (100 Mio verkaufte Tonträger) feiert ihr 50jähriges Bestehen mit einer Welttour und läßt vermutlich zum letzten Mal „Wind of Change“ live erklingen.

Scorpions 50Th Anniversary Tour @ Semmel Concerts

Scorpions 50Th Anniversary Tour @ Semmel Concerts

 

Nach Frankfurt, München und Stuttgart kommt der exzentrische Punk-Geiger Nigel Kennedy am 7. März in die Hamburger Laieszhalle, um Vivaldis Jahreszeiten zu geben. Man kann über die Erscheinung des Violinen-Virtuosen denken, was man will, sein musikalisches Können findet ein großes Publikum von Schüler bis zum Senior.

 

Laeiszhalle © Torsten Hemke

Laeiszhalle © Torsten Hemke

 

Mo 07.03.16/ 20.00 Uhr/ Laeiszhalle/ Großer Saal

Nigel Kennedy – Vivaldis “Die vier Jahrzeiten”

Nigel Kennedy © EMI Classics

Nigel Kennedy © EMI Classics

 

Di 22.03.16 / 19.30 Uhr / Laeiszhalle Hamburg / Großer Saal

Die Meisterpianisten

Grigory Sokolov, Klavier

Frédéric Chopin: Nocturne H-Dur op. 32/1

Frédéric Chopin: Nocturne As-Dur op. 32/2

Frédéric Chopin: Sonate b-Moll op. 35

sowie weitere Werke

€ 82.50 / 71.50 / 60.50 / 38.50 / 22

In Kooperation mit ProArte

Grigory Sokolov

Grigory Sokolov

 

Julia Engelbrecht-Schnür

Author: Julia Engelbrecht-Schnür

Journalistin

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