Die Meistersinger von Nürnberg

Die Meistersinger von Nürnberg, Staatsoper Berlin, Wolfgang Koch und Julia Kleiter © Holger Jacobs

Die Meistersinger von Nürnberg – Staatsoper Berlin 2015

Von Holger Jacobs

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4.9.2015

 

Liebe Kulturfreunde,

 

Intro:

Da ich das Glück hatte, die Neuinszenierung von Wagners einziger heiteren Oper schon 5 Tage vorher bei der Foto/ TV Probe zu erleben, konnte ich das Gesehene in Ruhe etwas setzen lassen. 4 ½ Stunden reine Spieldauer wollen verarbeitet und meine bei der Probe über 500 gemachten Fotos nachbehandelt werden. Zur eigentlichen Premiere am gestrigen Samstag und heutigem Sonntag (an zwei Tagen!) habe ich es dann nicht mehr geschafft, es waren allein 5 Premieren fast gleichzeitig an diesem Wochenende in Berlin, man kann sich leider nicht zerreißen. Also müsst Ihr mit meinen Probe-Eindrücken vorlieb nehmen. Aber die sind schon ganz schön umfangreich:

 

Handlung:

Richard Wagner hatte einen Text über den Schustermeister Hans Sachs gelesen, der im 16. Jahrhundert in Nürnberg lebte und neben seiner handwerklichen Tätigkeit ein großer Dichter und Sänger war. Auch die Zusammenkunft der Handwerksmeister zum regelmäßigen gemeinsamen Singen ist historisch. So fing Wagner 1845 an daraus eine Oper zu machen, ließ den Stoff jedoch kurz darauf wieder ruhen. Erst 20 Jahre später griff er ihn wieder auf und am 21. Juni 1968 kam es im Münchner Nationaltheater zur Uraufführung.

Im Nürnberg zur Reformationszeit möchte der reiche Goldschmied Pogner seine Tochter Eva verheiraten und kündigt an, dass ein Wettsingen unter den Meistersingern abgehalten werden soll und der Sieger seine Tochter zur Frau bekommt. Sogleich macht sich der Stadtschreiber Beckmesser große Hoffnung, weil er die vielen Regeln der Meistersinger auf das Beste beherrscht. Doch ein Neuankömmling in der Stadt, Walther von Stolzing, der Eva am Vortag auch schon persönlich kennengelernt hatte, bewirbt sich ebenfalls. Da dieser aber erst bei den Meistersingern aufgenommen werden muss, gibt es für ihn ein Vorsingen, welches er Dank dem eifersüchtigen Beckmesser zunächst verliert. Also begibt er sich in die Hand des Meistersingers Hans Sachs, der sein Talent schon entdeckt hat. Mit seiner Hilfe kann er den Wettbewerb gewinnen und das Herz von Eva obendrein. Am Schluß kommt das berühmte Lied von Hans Sachs als Hymne auf die deutsche Handwerkskunst: „was deutsch und echt, wüßt Keiner mehr, lebt’s nicht in deutscher Meister Ehr. Drum sag ich Euch: ehrt Eure deutschen Meister!….“

 

Inszenierung:

Im Katalog der Staatsoper zur Spielzeit 2015/ 16 schreibt Daniel Barenboim, unser Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, sehr persönlich über seine Wahl für genau dieses Stück. Er bezieht sich auf die 25. Jahrfeier zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 2015, dem Tag der Premiere, welcher einhergeht mit seiner ebenfalls fast 25 jährigen Tätigkeit am Berliner Opernhaus. Für ihn sind die „Meistersinger“ von Wagner ein deutschpatriotisches Stück im positiven Sinne. Es würde nämlich nicht das Deutschsein allein im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Deutschen Künste, sei es die Handwerks – oder auch die Musikkunst.

 

Dem Tag der Deutschen Einheit, dem Tag der Premiere, ist wohl auch die überdimensionierte Deutschlandfahne geschuldet, die in jedem Akt zu sehen ist. Für meinen Geschmack selbst mit dem Hinweis auf den besonderen Tag etwas  zu viel. Gefallen haben mir hingegen das Bühnenbild (das Berliner Schloss als Festwiese im 3. Akt) und die Kostüme. Die letzteren sind so chic, dass manche der Darsteller sie sicher auch gerne zu Hause in ihrem eigenen Kleiderschrank hätten. Die Sänger können für mich alle überzeugen, Wolfgang Koch als Hans Sachs, Julia Kleiter (zumal auch äußerlich sehr attraktiv) als Eva (siehe dazu mein Video) und Klaus Florian Vogt als Stolzing (sieht mit seinem langen blonden Haar ein bisschen wie „Siegfried“ aus, vielleicht hat er ja Ambitionen nach Bayreuth…). Besonderen Applaus gibt es immer für Publikums-Liebling Kwangchul Youn als Veit Pogner.

 

Die Premiere (aber auch nur sie) fand an zwei aufeinanderfolgenden Abenden statt. Eine gute Entscheidung, musste ich doch bei der Probe mit zusätzlichen 2 x 45 minütigen Pausen fast 8 Stunden in der Oper verbringen. Das ist selbst für einen großen Fan wie mich zu viel…

Meine abschließende Meinung: Ein gelungener Wurf, ohne überdimensionierte Deutschlandfahne wäre es mir aber lieber gewesen.

Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Regie: Andrea Moses (Studium an der Ernst-Busch-Schauspielschule)
Bühne: Jan Pappelmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki

Nächste Vorstellungen: 7., 11., 15., 18. Und 22. Oktober 2015

Walther von Stolzing (Klaus Florian Vogt) und Eva (Julia Kleider), "Die Meistersinger von Nürnberg", Staatsoper Berlin 2015 © Holger Jacobs

49 Bilder: Walther von Stolzing (Klaus Florian Vogt) und Eva (Julia Kleider), „Die Meistersinger von Nürnberg“, Staatsoper Berlin 2015 © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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