Die neuen Filme + Freitickets fürs Kino

Taxi Teheran credit: Weltkino Filmverleih

Die neuen Filme + Freitickets fürs Kino

Von Holger Jacobs

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23.7.2015

Liebe Kulturfreunde,

hier meine Empfehlungen für die neuen Filme, die heute in den deutschsprachigen Kinos anlaufen. Mit dabei, der bisher beste Film des Jahres: „Taxi Teheran“ der großartige Berlinale-Gewinner 2015. Den müsst Ihr Euch unbedingt ansehen. Sowohl in technischer, wie auch in dramaturgischer Hinsicht, eine völlig neue Art des Filmemachens. Faszinierend! Dann gibt es natürlich wieder einen kleinen süßen Film aus Frankreich, „Lou“ und dann noch 2 Filme, die ich nicht empfehle, weil ich da nicht reingehen würde, die aber eine große Fangemeinde haben: „Magic Mike XXL“ und ein weitere Marvel Comic Verfilmung namens „Ant-Man“, zu deutsch, Ameisen-Mann. Wie gesagt, nur für Fans. Mit u.a. Michael Douglas aber top besetzt.

Und deshalb gilt meine Empfehlung für diese Woche nur einem Film:

TAXI TEHERAN“ – halb Doku/ halb Fiktion – Iran – 2014

Regie: Jafar Panahi

Cast: Jafar Panahi, Hanna Saeidi, Nasrin Sotude

Goldener Bär der Berlinale 2015

Die Nichte von Jafa Panahi, Hanna Saeidi, nimmt den Goldenen Bären entgegen, credit: Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Nichte von Jafar Panahi, Hanna Saeidi, nimmt den Goldenen Bären entgegen, credit: Internationale Filmfestspiele Berlin

Auf diesen Film muss ich in besonderer Weise eingehen. Denn dieser Film hat mehrere Ebenen, über die man berichten sollte:

Ein Mann (der Regisseur selbst, Jafar Panahi) sitzt am Steuer seines Taxis und fährt durch die Stadt Teheran. Auf seiner Fahrt kommen verschiedene Fahrgäste in sein Auto (in Teheran ist es anscheinend üblich, dass Taxis während der Fahrt auch mehrere Fahrgäste mit einsteigen und an verschiedenen Stellen wieder hinaus lassen). Jeder von Ihnen hat eine kleine Geschichte. Einmal sogar wird ein Unfallopfer eines Verkehrsunfalls hineingetragen und ins Krankenhaus gebracht. Danach fährt er einen Video-Verleiher, der westliche, verbotene amerikanische Filme heimlich anbietet, zu seinen Kunden. Dann holt er seine Nichte Hanna Saeidi (auch im wahren Leben seine Nichte, nahm in Berlin den Goldenen Bären für ihn in Empfang) von der Schule ab, die ihm schwere Vorwürfe macht, er käme zu spät. Hanna soll für den Unterricht einen kleinen eigenen Film drehen und erzählt, welche Auflagen ihr von der Lehrerin gemacht wurden, damit er überhaupt vor der Klasse gezeigt werden dürfte (ähnlich den Auflagen, die Panahi selbst von der Filmakademie für seine Filme bekommen hat). Einer dieser Auflagen ist z.B. keine Schwarzmalerei zu betreiben, womit die Nichte zunächst gar nichts anzufangen weiß. Ihr Onkel erklärt ihr, man dürfe nichts Schlechtes, nichts Negatives zeigen. Panahi erzählt damit, wie die Indoktrinierung einer Diktatur schon in der Schule beginnt. Wie zur Zeit des 3. Reiches, in der ehemaligen Sowjetunion, in China oder Nordkorea u.s.w.. Während der Fahrt steigt die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude zu (spielt sich selbst) und erzählt, wie auch sie, ähnlich dem Regisseur Panahi selbst, ein Berufsverbot droht. Dabei macht sie, auch wiederum sehr ähnlich dem Regisseur, erstaunlicher Weise überhaupt keinen beunruhigten oder besorgten Eindruck. Sondern strahlt sehr viel Wärme und Sympathie aus – eine tolle Frau!

Jafar Pannahi in seinem Taxi durch Teheran, credit: Weltkino Filmverleih

Jafar Pannahi in seinem Taxi durch Teheran, credit: Weltkino Filmverleih

Das ganze Geschehen wird von einer kleinen Kamera gedreht, die vorne am Armaturenbrett befestigt ist und die der Regisseur selbst mit der Hand mal zu sich selbst und mal zu den anderen Fahrgästen dreht. Die Kamera könnte so eine Art Go Pro Actionkamera sein, die ja auch schon in hochauflösendem HD filmen kann. Es gibt mittlerweile nicht wenige Autofahrer, die solche Kameras bei sich im Auto installieren, um bei einem Unfall eventuell ihre Unschuld beweisen zu können. Dadurch bekommt der Film auch diesen Youtube-Stil, der bei einem Kinofilm natürlich noch sehr ungewohnt ist. Zusätzlich hat man den Eindruck, dass, ähnlich dem anderen Berlinale-Gewinner, „Victoria“, kein Schnitt gemacht wurde, sondern während der Fahrt durchweg gedreht wurde.

Die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude, credit: Weltkino Filmverleih

Die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude, credit: Weltkino Filmverleih

Am Schluss bemerkt die Nichte eine Geldbörse, die wohl von früheren Fahrgästen vergessen wurde. Schnell stellt sich heraus, dass es die zwei Frauen sind, die zu einem bekannten Brunnen in Teheran wollten. Also fahren Panahi und seine Nichte auch dorthin. Als sie beide aussteigen, um die Frauen zu suchen, wird währenddessen ihr Taxi von zwei Kleinkriminellen aufgebrochen und die Kamera geklaut. Damit endet der Film.

Böse Buben nähern sich dem Taxi, credit: Weltkino Filmverleih

Böse Buben nähern sich dem Taxi, credit: Weltkino Filmverleih

Jafar Panahi, 1960 geboren, studierte in den 80er Jahren in Teheran Film-und Fernsehregie. Gleich sein erster Spielfilm „Der weiße Ballon“, gewann bei den Filmfestspielen in Cannes 1995 die Camera d’ Or für den besten Erstlingsfilm. Der 2. Spielfilm „Der Spiegel“ gewann den großen Preis bei den Filmfestspielen in Locarno 1997. Und im Jahr 2000 gewann er dann sogar den Goldenen Löwen von Venedig für „Der Kreis“. Dieser wurde aber im Iran verboten und seine Konfrontation mit dem Regime nahm seinen Anfang. Im Februar 2010 sollte Panahi auf der Berlinale in Berlin einen Vortrag halten, er wurde jedoch an der Ausreise aus dem Iran gehindert. Am 1. März 2010 wurde er verhaftet und im Dezember zu 6 Jahren Haft verurteilt mit gleichzeitigem 20-jährigem Berufsverbot (wir erinnern uns an das Berufsverbot für die sogenannten „entarteten Künstler“ im 3. Reich, literarisch verarbeitet in dem Roman von Siegfried Lenz „Deutschstunde“, zurzeit als Bühnenstück zu sehen im Berliner Ensemble). Begründung: „Propaganda gegen das Regime“. Auch das kennen wir, es würde heute sowohl in Russland unter Putin, wie auch in China, nicht anders lauten.

Trotzdem hat Panahi dann noch 2 weitere Filme heimlich gedreht, „This is not a Film“ 2011 (gezeigt bei den Filmfestspielen in Cannes 2011) und „Closed Curtain“ 2013 (lief auf der Berlinale im selben Jahr).

Und jetzt eben „Taxi Teheran“. Das interessante dabei ist wie Jafar Panahi, wie übrigens auch Ai Wei Wei, der bekannte Regimegegner aus China, die künstlerische Arbeit den Umständen anpasst und daraus sogar noch eine Steigerung seiner Kreativität erfährt. Not macht erfinderisch, sagt ein altes alte Sprichwort.

Sehenswert!

Aus gegebenem Anlass möchte kultur24.berlin eine Gewinnaktion starten, bei dem 4 Eintrittskarten für den wunderbaren Film „Taxi Teheran“ gewonnen werden können.

Ihr müsst dafür nur 2 Fragen beantworten:

1. Frage: Am 25. Juni 2015 kam ein Film in die Kinos, bei dem ein marokkanischer Windsurfer über den Atlantik segelt. Wie heißt der Schauspieler?

2. Frage: Am 11. Juni 2015 kam der Film „Love & Mercy“ in die Kinos. Für wen habe ich ihn empfohlen?

Die ersten vier, die die Fragen richtig beantworten, gewinnen jeweils ein Ticket.

Antwort an holger@kultur24.berlin

Das Gewinnspiel endet am 1. August 2015

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mitmachen lohnt sich !

Viel Glück

Gewinnspiel!

Gewinnspiel für 4 Frei-Tickets für den Film "Taxi Teheran", credit: Weltkino Filmverleih

Gewinnspiel für 4 Frei-Tickets für den Film „Taxi Teheran“, credit: Weltkino Filmverleih

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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