Die neuen Filme im Kino 03.01.2019

Colette - Keira Knightley © DCM Film

Die neuen Filme im Kino 03.01.2019

 

Von Holger Jacobs

03.03.2019

„COLETTE“ – Biopic, Drama – USA, GB – 2018

Regie: Wash Westmorland
Cast: Keira Knightley, Dominic West, Denise Gough, Eleanor Tomlinson
Filmverleih: DCM

Die Geschichte der berühmten französischen Autorin Colette (*1873 – †1954) ist so umfangreich, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Aufgewachsen in einem kleinen Ort der Bourgogne kommt Colette (eigentlich Sidonie-Gabrielle Colette) als junge Frau nach Paris und heiratet den 14 Jahre älteren Schriftsteller Henry Gauthier-Villars, genannt „Willy“. Dieser lebt das Leben eines Bohemien im Paris des „fin de siècle“. Als er aber unter einer Schreiblockade leidet regt er seine Frau an für ihn zu schreiben. Deren Schreibtalent hatte er schon früh erkannt. Gleich ihr erster Roman unter dem Titel „Claudine“ wird ein großer Erfolg, drei weitere folgen und Colette und Willy werden ein berühmtes Paar der Pariser Gesellschaft. Doch die Bücher erscheinen unter seinem Namen. Als Colette zukünftig unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen möchte, kommt es zur Scheidung der Eheleute.

„Claudine à l‘ école“ von Willy (eigentlich Colette) erschienen im Jahre 1900

Nun muss Colette sich selber um ihren Lebensunterhalt kümmern. Da ihr Mann immer noch die Rechte an ihrer „Claudine“ Reihe besitzt, wird sie Schauspielerin und Varieté-Künstlerin in den Revue Theatern am Montmartre. Eine ihrer Kolleginnen, mit denen sie auf der Bühne steht, Missy de Mourny, wird ihre neue Liebhaberin. Als sich die beiden während einer Vorstellung leidenschaftlichen küssen kommt es zum Skandal und die Aufführung wird verboten.

Collette seins nus, Fotograf unbekannt

Colettes nächster Roman, „La Vagabonde“, der jetzt unter ihrem eigenen Namen 1909 erscheint, wird wieder ein großer Erfolg und wird sogar zum Prix Goncourt nominiert. Dem wichtigsten Literaturpreis in Frankreich. Es ist die (autobiografische) Geschichte einer Schauspielerin beim Varieté. Jetzt bekommt sie sogar eine eigene Rubrik in der Zeitung „Le Matin“. 1912 heiratet sie deren Chefredakteur Henry de Jourvenel.

Im Jahre 1920 verfasst Colette den Roman „Chéri“ über eine ältere Frau, die ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann beginnt. Auch diese Geschichte beruht auf eigenen Erfahrungen, denn Colette hatte ein Verhältnis mit ihrem Stiefsohn begonnen. Der Roman ist 2009 von Stephan Frears mit Michelle Pfeiffer verfilmt worden.

Colette als Mann, Fotograf unbekannt

Ihren größten Erfolg jedoch feierte Colette mit dem 1944 erschienen Buch „Gigi“, welches von einem jungen hübschen Mädchen handelt, welches zur Kurtisane ausgebildet wird, die geliebte eines älteren Mannes wird und ihn schließlich sogar heiratet. Eine Pygmalion-Geschichte, aber aus der Sicht der jungen Frau. Dieser Roman wurde 1951 am Broadway als Musical herausgebracht, in der Hauptrolle mit der damals noch völlig unbekannten Audrey Hepburn. Colette hatte sie selber unter Hunderten von Bewerberinnen ausgesucht. 1958 gab es dann eine Verfilmung von Regisseur Vincente Minelli mit der Schauspielerin Leslie Caron in der Hauptrolle.

Alle Romane von Colette hatten einen starken Bezug zur Selbstbestimmung der Frau; in der Liebe, in der Sexualität wie in der Gesellschaft. Ihre häufig sehr freizügigen Darstellungen von erotischer Leidenschaft waren, zumal von einer Frau geschrieben, für damalige Zeiten außergewöhnlich. Die Rolle der Frau und ihr Körper standen im Fokus der Erzählungen von Colette. Womit sie aus heutiger Sicht zu einer der ersten Feministinnen des vergangenen Jahrhunderts wurde.

Colette seins nus, ca. 1906, Fotograf unbekannt

Keira Knightley (*1985) als Darstellerin der Colette ist sicher eine gute Wahl, hat sie doch des Öfteren schon in Filmen wie „Abbitte“(2007) und „Anna Karenina“ (2012) gezeigt, wie Frauen auch in früheren patriarchalischen Zeiten Kraft und Stärke zeigen können. Die flimmernde Erotik aber, die von Colette wohl ausging, kann sie nicht vermitteln. Was vielleicht auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass der Regisseur Wash Westmoreland zunächst schwule Pornofilme drehte, bevor er in das seriöse Filmgeschäft wechselte. Weibliche Erotik scheint ihm deshalb eher fremd zu sein.

Fazit: ein sehenswerter Film, auch wenn die echte Colette wohl noch viel faszinierender gewesen sein muss, als ihre Filmfigur.

Unsere Bilderserie mit 18 Fotos der „Colette“ Produktion:

18 Photos: Keira Knightley als Colette in „Colette“ von Wash Westmorland
 © DCM Film

Außerdem bereits angelaufen:

„SHOPLIFTERS – FAMILIENBANDE“ von Hirokazu Kore-eda. Dieser mit der Goldenen Palme beim letztjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnete Film zeigt eine zusammengewürfelte Lebensgemeinschaft von mehren Personen in bitterer Armut am Rande von Tokio. Trotz ihrer verzweifelten Lage sind diese Menschen zu mehr Fröhlichkeit und Zuneigung fähig, als die meisten reichen Mitbürger in den Hochhaustürmen dieser Megametropole. Lachen und Weinen liegen immer nahe beieinander. Ein großartiger Film.

„Shoplifters“ von Hirokazu Kore-eda © Wild Bunch

„DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS“ von Björn Runge mit Glenn Close als Frau des Wissenschaftlers Joe Castlemann (Jonathan Price), der erfährt, dass er den Literaturnobelpreis erhalten hat. Doch wieviel hat eigentlich seine Ehefrau Joan dazu beigetragen? Ein Skandal bahnt sich an. Golden Globe 2019 für Glenn Close.

Die Frau des Nobelpreisträgers © SquareOne Entertainment

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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