Die neuen Filme im Kino 10.8.2017

Der Stern von Indien © Tobis Film GmbH

Die neuen Filme im Kino 10.8.2017

 

Von Holger Jacobs

10.8.2017

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„DER STERN VON INDIEN “ (Viceroy’s House) – Abenteuer, Historie – GB, Indien – 2017

Regie: Gurinder Chadha
Cast: Hugh Bonneville, Gillian Anderson, Manish Dayal, Huma Quershi, Lily Travers
Filmverleih: Tobis

Rechtzeitig zum 70. Jubiläum der Unabhängigkeit Indiens, am 15. August 2017, kommt dieser spannende und gut gemachte Spielfilm mit historischen Hintergrund in die Kinos.

In den Lehrplänen unserer (westlichen) Schulen steht leider nur wenig über die Länder Asiens und Indiens, so dass es oftmals besonders engagierter Filme bedarf, um unser Wissen zu verbessern. Hierbei erinnern wir uns noch gut an den tollen Film „Ghandi“ aus dem Jahre 1982 mit Ben Kingsley in der Hauptrolle, gedreht von Richard Attenborough. Der Film gewann 11 Oscars und 14 BAFTAS (British Film Award). Und er brachte Millionen Zuschauern in der ganzen Welt die Geschichte Indiens und vor allem deren gewaltloser Weg in die Unabhängigkeit näher.

Der Film „Der Stern von Indien“ fängt da an, wo „Gandhi“ aufhört. Oder besser gesagt, er konzentriert sich auf die wenigen Monate vor der Unabhängigkeit Indiens. Groß-Britannien hatte beschlossen für den Übergang einen neuen Vizekönig (engl. Viceroy) nach Indien zu schicken. Die Wahl fiel auf Lord Mountbatten (aus dem deutschen Adelsgeschlecht der Battenburg), ein enges Familienmitglied des britischen Königshauses (Onkel von Prinz Philip) und hochrangiger Offizier der Britischen Marine.

Earl Mountbatten of Burma (Hugh Bonneville) kommt mit seiner Frau Edwina (Akte-X Schauspielerin Gillian Anderson) und Tochter Pamela (Model und actress Lily Travers) im Frühjahr 1947 nach Indien. Die Entscheidung, Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen, war bereits in London gefallen. Es ging also nur noch um die Abwicklung. Die englische Krone wollte einen würdevollen Abgang des Empire aus dem Subkontinent.

Indien 2014

Zur Geschichte:

Schon 2500 v.Chr. gab es in der Region um den Fluss Indus einer der frühen Hochkulturen dieser Welt. Bis kurz vor Christi Geburt entwickelten sich hier die beiden großen Religionen Hinduismus und Buddhismus. Der Fluss Indus wird später der Namensgeber des gesamten Kontinents (auch Ind-onesien stammt daher) sein.

Im 8. Jahrhundert n.Chr. kamen zum ersten Mal Stämme aus Arabien und eroberten Teile dieser Region. Sie brachten den Islam in das Land. Durch Vasco da Gama, der 1498 als erster den Seeweg nach Indien fand, kam Indien zunächst unter portugiesischen Einfluss. Bis 1756 die Briten kamen und in Indien zu einer ihrer Kolonie machte. Zunächst wurde die Macht noch mit einheimischen Fürstenhäusern geteilt, doch als es 1857 zu einem großen Aufstand kam, der erwartungsgemäß blutig niedergeschlagen wurde, übernahm das Britische Königreich die vollständige Kontrolle über das Land. Und die britischen Monarchen durften ihrem Titel noch die Bezeichnung „Emporer of India“ hinzufügen.

Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begann der äußerlich eher unscheinbar wirkende indische Rechtsanwalt Mahatma Gandhi durch Aktionen des zivilen Ungehorsams und der Verweigerung der Zusammenarbeit mit der britischen Besatzungsmacht die Unabhängigkeit Indiens voranzutreiben. Diese immer größer werdende Bewegung von Millionen von Indern konnte auch durch Gewalt der Briten gegen die Zivilbevölkerung und durch Massenverhaftungen nicht gestoppt werden. Am 3. Juni 1947 verkündete der britische Premierminister Clement Attlee den Rückzug der Briten aus Indien.

Lily Travis (spielt Tochter Pamela Mountbatten)

Parallel zu diesen Ereignissen entwickelte die Muslimliga unter der Führung von Muhammad Ali Jinnah die Idee eines eigenen muslimischen Staates. Er sollte die Provinzen betreffen, die überwiegend muslimischen Glaubens waren. Ca 20 % der gesamten indischen Bevölkerung sind Muslime.

Der Film „Der Stern von Indien“ (der Titel bezieht sich auf den britischen Ritterorden „Order of Star of India“) erzählt die Geschichte dieser letzten Tage vor der Unabhängigkeit aus der Sicht des Vizekönigs und seiner Familie. Daneben wird die Liebesgeschichte zweier Angestellten unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gezeigt, deren Liebe unter diesen Umständen unmöglich erscheint. Die Spannungen zwischen Hindus, Sikhs und Muslimen nehmen täglich zu und blutige Massaker sind an der Tagesordnung. Der Vizekönig, der eigentlich die Einheit Indiens zusammen mit Gandhi bewahren möchte, muss die Aussichtlosigkeit seiner Bemühungen erkennen.

Daraufhin wird die Teilung des Landes in Indien und Pakistan beschlossen. Da es in fast allen Regionen des Landes gemischte Religionszugehörigkeiten gibt, beginnt die größte Flüchtlingsbewegung aller Zeiten. Ca. 14 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Über 1 Million werden dabei ermordet.

Über diese dramatischen Tage erzählt der Film von Regisseurin Gurinder Chadha, die selbst von indischen Eltern abstammt, die diese Zeit miterlebt haben.

Auch wenn der Film manchmal etwas kitschig wird, besonders in der Schlussszene, so ist er doch überzeugend gemacht und vermittelt besonders mit dem Leben im Palast des Vizekönigs mit seinen 500 Angestellten, in welchem Luxus die Kolonialherren früherer Zeiten lebten. In dem sie die einheimische Bevölkerung unterdrückten und ausbeuteten – über Jahrhunderte hinweg…

Ein großartiger Film für die ganze Familie.

10 Bilder: „Der Stern von Indien“ © Tobis Film GmbH

 

english translation

The new films in the cinema 10.8.2017
By Holger Jacobs
08/10/2017
„THE STAR OF INDIA“ (Viceroy’s House) – Adventure, History – GB, India – 2017
Director: Gurinder Chadha
Cast: Hugh Bonneville, Gillian Anderson, Manish Dayal, Huma Quershi, Lily Travers
Movie rental: Tobis
Just in time for the 70th anniversary of the independence of India, on 15 August 2017, this exciting and well-made feature film with historical background comes into theaters.
Unfortunately, there is little in the curricula of our (Western) schools across Asia and India, so it is often necessary to have dedicated films to improve our knowledge. Here we remember the great film „Ghandi“ from 1982 with Ben Kingsley in the lead role, filmed by Richard Attenborough. The film won 11 Oscars and 14 BAFTAS (British Film Award). And he brought millions of viewers around the world closer to the history of India and, above all, their nonviolent path to independence.
The film „The Star of India“ begins where „Gandhi“ ceases. Or rather, he focuses on the few days before India’s independence. It begins a few months before independence. Great Britain had decided to send a new Viceroy to India for the transition. The choice is made by Lord Mountbatten (from the German nobility of the Battenburg), a narrow family member of the British royal house (Uncle of Prince Philip) and high ranking officer of the British Navy.
In the spring of 1947, Earl Mountbatten of Burma (Hugh Bonneville) and his wife Edwina (act-X actress Gillian Anderson) and daughter Pamela (model and actress Lily Travers) come to India. The decision to release India into independence had already fallen in London. So it was all about the transaction. The English Crown wanted a dignified departure from the Empire from the subcontinent.
About history:
Already 2500 BC. There was one of the early high cultures in the region around the river Indus. Until shortly before the birth of Christ the two great religions developed Hinduism and Buddhism. The river Indus will later be the name of the entire continent (also Ind-onesien is therefore).
In the 8th century AD. Came for the first time tribes from Arabia and conquered parts of this region. They brought Islam into the country. By Vasco da Gama, who was the first to travel to India in 1498, India came under Portuguese influence. Until 1756 the British came and made in India to one of their colony. At first the power was still divided with native princes‘ houses, but in 1857, when a great uprising, which was expected to be bloody crushed, the British Kingdom took complete control of the country. And the British monarchs were allowed to add the title „Emporer of India“ to their title.
From the 1930s onwards, the outspoken Indian lawyer Mahatma Gandhi began to promote the independence of India by means of civil disobedience and refusal to cooperate with British occupation forces. This movement of more than a million Indians could not be stopped by British violence against the civilian population and mass arrests. On 3 June 1947 British Prime Minister Clement Attlee announced the withdrawal of the British from India.
Parallel to these events, the Muslim League under the leadership of Muhammad Ali Jinnah developed the idea of ​​a separate Muslim state. It should concern the provinces, which were predominantly Muslim. About 20% of the total Indian population are Muslims.
The film „The Star of India“ tells the story of these last days before independence from the eyes of the Viceroy and his family. The story also tells of a love story among the employees in whom the Hindu Jeet Kumar (Manish Dayal) falls in love with the Islamic faith Aalia Noor (Huma Qureshi), whose love seems impossible under these circumstances. The tensions between Hindus, Sikhs and Muslims are increasing daily and bloody massacres are the order of the day. The Viceroy, who wants to preserve the unity of India with Gandhi, must be aware of the hopelessness of his efforts.
The division of the country into India and Pakistan is then decided. As there are mixed religious affinities in almost all regions of the country, the greatest refugee movement of all times begins. Approximately 14 million people had to leave their homeland. Over one million are murdered.
About these dramatic days, the film tells of Gurinder Chadha, who even descends from Indian parents who have witnessed this time.
Even if the film is sometimes a bit cheesy, especially in the closing scene, it is nevertheless good and convincing made. For the whole family.

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist