Die neuen Filme im Kino 17.8.2017

The Promise © Capelight Pictures

Die neuen Filme im Kino 17.8.2017

 

Von Holger Jacobs

21.8.2017

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„THE PROMISE – Die Erinnerung bleibt“ – Drama – USA, Spanien – 2017

Regie: Terry George
Cast: Christian Bale (*1974), Oscar Isaac (*1979), Charlotte Le Bon (*1986)
Filmverleih: Capelight Pictures

Eine Woche nach dem grandiosen Film „Der Stern von Indien“, kommt wieder ein wichtiger Film mit geschichtlichem Hintergrund in die Kinos. Ging es beim letzten Mal um die Neugründung 1947 des Staates Indien mit der schmerzvollen Abspaltung Pakistans, so geht es dieses Mal um den Völkermord an den Armeniern 1915 durch das Osmanische Reich (der Vorläufer der heutigen Türkei).

Hintergrund

Dem kleinen Volk der Armenier ging es seit der Antike ähnlich wie den Polen in Europa: Inmitten großer Herrschaftsbereiche wurde es mal von den einen, mal den anderen besiegt und vereinnahmt. Mal waren es die Perser, mal die Osmanen, mal die Russen. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts lebten ca. 2 Millionen Armenier (christlichen Glaubens) überall verteilt auf dem Gebiet der Türkei, vermehrt in Süd- und Ostanatolien. In der Hauptstadt Konstantinopel lebten viele Reiche und Intellektuelle armenischer Herkunft, mehr oder weniger gut integriert.

Seit dem langsamen Niedergang des Osmanischen Reiches, welches sich schon im 19. Jahrhundert abzeichnete, vermehrten sich die Spannungen unter den ethnischen Gruppen. In den 1890er Jahren kam es zu den ersten Massakern an der Armenischen Bevölkerung. Im August 1914 trat die Türkei an der Seite der Mittelmächte (Deutschland-Österreich-Ungarn) in den 1. Weltkrieg ein. Einer der Gegner war Russland. Ende 1914 kam es in einer großen Schlacht am Kaukasus zu einer verheerenden Niederlage der Türken. Die Schuld wurde u.a. bei den Armeniern gesucht, die für die Russen im Kaukasus angeblich spioniert hätten. Dabei gab es selbst in der türkischen Armee viele Soldaten armenischen Ursprungs.

Deportation von Armeniern bei Harput/ Türkei, 1915 © Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes

Anfang April 1915 beschlossen die diktatorisch regierende türkische Einheitspartei unter ihren Führern Enver Bey, Talat Pascha und Cemal Pascha die systematische Vernichtung der Armenier auf türkischem Boden. Offiziell verkündet durch das Deportationsgesetz vom 27. Mai 1915. Bereits am 24. April 1915 begann die Aktion mit einer ersten Verhaftungswelle unter Intellektuellen in Konstantinopel.

Von den ca. 2 Millionen Armeniern lebten 1922 nur noch ca. 100.000 auf dem Gebiet der Türkei. Heute sind es kaum mehr als 25.000. Ca. 1 bis 1,5 Millionen wurden bei den Vertreibungen auf den Todesmärschen erschlagen, erschossen und oder in Flüssen ertränkt. Der deutsche Konsul schrieb damals aus Aleppo: „Seit Wochen treiben die Toten den Euphrat hinunter“. Ca 600.000 sind in andere Länder gezogen, viele nach Amerika, so auch der Produzent dieses Films, Kirk Kerkorian. Nach dem 1. Weltkrieg musste die Türkei einen östlichen Teil an die Armenier abtreten, nach dem 2. Weltkrieg kam Armenien unter die Herrschaft der Sowjetunion. Ab 1991 wurde es endlich unabhängig. Heute leben dort ca. 3,5 Millionen Menschen.

Deportation von Armeniern in Tierwagons, 1915

Der Film

Genau über diese Tage im April 1915 erzählt der Film „The Promise“. Der armenisch-stämmige US-Amerikaner Kirk Kerkorian hatte den Film mit seinem privaten Vermögen produziert, um der Welt das Grauen dieses Genozids ins Bewusstsein zu bringen. Denn während Deutschland seit 70 Jahren an einer Aufarbeitung des Völkermords an den Juden im 2. Weltkrieg arbeitet, hat die Türkei bis heute nicht ihre Schuld an den Massakern anerkannt. Sie leugnet kategorisch jede Beteiligung. Es hätte nur Deportationen „aus Sicherheit gegenüber der Bevölkerung“ gegeben.

Für die Realisierung es Films engagierte Kirk Kerkorian ein Top-Team: Als Regisseur den Iren Terry George, der bereits mit seinem Film „Hotel Ruanda“ über den Genozid in dem gleichnamigen afrikanischen Land weltberühmt wurde. Christian Bale („Batman-The Dark Knight Rises“) spielt den amerikanischen Reporter Mayers, der für die internationale Presse das Geschehen dokumentieren soll und dabei fast umgebracht wird. Und das unvermeintliche Liebespaar wird gespielt von Oscar Isaac („Star Wars“, „X-Men“) als armenischer Student in Konstantinopel und Charlotte Le Bon (Model und Schauspielerin, u.a. im Film „Yves Saint-Lauent“ und „Bastille Day“), als seine armenische Geliebte (die allerdings auch ein Verhältnis mit Mayers hat…). Gemeinsam fliehen sie bis an die Küste des Mittelmeers.

Wunderschöne Bilder aus der Blütezeit Konstantinopels kurz vor dem 1. Weltkrieg, very smart and good looking guys and girls und dramatische Szenen auf einem Flüchtlingszug lassen sehr an den Film von David Lean, „Dr. Schiwago„, erinnern. Alles sehr gefühlvoll, bis zur letzten Minute spannend und mit der Gewissheit, dass es in Wirklichkeit wohl noch viel schlimmer gewesen sein muss, lassen dieses Oeuvre zu einem wirklich wichtigen Film werden. Auch wenn es manchmal etwas kitschig zugeht, so behält der Regisseur aber das Wesentliche immer im Auge – und zeigt uns ein Kapitel der Geschichte, welches nicht vergessen werden darf.

Für die ganze Familie ab 12 Jahren.

13 Bilder: Ana (Charlotte Le Bon) und Fotograf Chris (Christian Bale) kommen nach Konstantinopel „The Promise“ © Capelight Pictures

 

 english translation

The new films in the cinema 21.8.2017
By Holger Jacobs
08/21/2017
„THE PROMISE“ – Drama – USA, Spain – 2017
Director: Terry George
Cast: Christian Bale (* 1974), Oscar Isaac (* 1979), Charlotte Le Bon (* 1986)
Film Rental: Capelight Pictures
Barely a week later, after the grandiose film „The Star of India“, an important film with a historical background comes back to the cinema.
The last time was the reestablishment of the state of India in 1947 with the painful secession of Pakistan. This time it was about the genocide of the Armenians by the Ottoman Empire (the predecessor of today’s Turkey).
background
The Armenians‘ little people had been like the Poles in Europe since antiquity: In the midst of great domination areas, it was defeated by some, sometimes by the others. It was the Persians, the Ottomans, the Russians. At the end of the 19th, early 20th century, about 2 million Armenians (Christian faith) were scattered throughout the territory of Turkey, growing in southern and eastern Anatolia. In the capital Constantinople lived many empires and intellectuals of Armenian origin, integrated more or less well.
Since the slow decline of the Ottoman Empire, which was already apparent in the nineteenth century, tensions among the ethnic groups increased. In the 1890s, the first massacres of the Armenian population took place. In August 1914, Turkey entered the First World War on the side of the Central Powers (Germany-Austria-Hungary). One of the opponents was Russia. At the end of 1914, the Turkish Caucasus suffered a devastating defeat of the Turks. The fault was, among other things, Among the Armenians, who had reportedly spied on the Russians in the Caucasus. Even in the Turkish army there were many soldiers of Armenian origin.

In early April 1915, the dictatorial reigning Turkish Unity Party among its leaders Enver Bey, Talat Pascha and Cemal Pascha decided the systematic extermination of the Armenians on Turkish soil. Officially proclaimed by the Deportation Act of May 27, 1915. On April 24, 1915, the action began with an initial wave of arrests among intellectuals in Constantinople.
Of the approximately 2 million Armenians lived in 1922 only about 100,000 in the area of ​​Turkey. Today, there are hardly more than 25,000. Approximately 1 to 1.5 million were killed, shot and or drowned in rivers during the expulsions of death marches. The German consul then wrote from Aleppo: „The dead have been drifting down the Euphrates for weeks.“
The film
Exactly these days in April 1915 tells the film „The Promise“. The Armenian-born American Kirk Kerkorian had produced the film with his private fortune to bring the horror of these days to the world. While Germany has been working on a revision of the genocide against Jews in the Second World War for 70 years, Turkey has not yet acknowledged its blame for the massacres. It categorically denies any participation. There would have been only deportations „for security against the population“.
For the realization of it film Kirk Kerkorian hired a top team: As a director, the Iren Terry George, who was already famous for his film „Hotel Rwanda“ about the genocide in the African country of the same name. Christian Bale („Batman-The Dark Knight Rises“) plays the American reporter Mayers, who wants to document the happenings for the press and is nearly killed. And the unvermeintliche couple is played by Oscar Isaac ( „Star Wars,“ „X-Men“) as the Armenian student in Constantine Opel and Charlotte Le Bon (model and actress, among others in the film „Yves Saint-Lauent“ and „Bastille Day“) , As his Armenian lover (who, however, also has a relationship with Mayers …)
Beautiful images from the heyday of Constantinople just before the First World War, very smart and good looking guys and girls and dramatic scenes on a refugee train leave much to Dr. Zhivago. Everything is very emotional, exciting until the last minute, and with the certainty that it really has to be much worse, make this oeuvre a really important film. Even though it is sometimes a bit cheesy, the director always keeps an eye on the essentials – and shows us a chapter of the story which must not be forgotten.
For the whole family from 12 years.

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist