Die neuen Filme im Kino 22.11.2018

Cold War © Neue Visionen

Die neuen Filme im Kino 22.11.2018

 

Von Holger Jacobs

22.11.2018

„COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE“ („Zimna Wojna“)- Drama – PO, GB, FR – 2018
Regie: Pawel Pawlikowski
Cast: Joanna Kulig, Tomasz Kot
Filmverleih: Neue Visionen

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in den osteuropäischen Ländern kennen wir in Deutschland nur wenig. Waren die Menschen hier in der Bundesrepublik doch in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Außerdem kündigte sich der Eiserne Vorhang bereits an, den die Sowjetunion schon früh über ihre im Krieg eroberten Länder ausgebreitet hatte.

Umso interessanter ist es, einen Film zu sehen, der diese Zeit wiederspiegelt, in diesem Fall das Land Polen im Jahre 1948:

Um die Kriwegswirren vergessen zu machen, aber auch um den Nationalstolz der Polen zu stärken, reist der Komponist Wiktor (Tomasz Kot) mit seiner Kollegin Irena (Agata Kulesza) durchs Land und sucht junge, unverbrauchte Gesangstalente, um mit ihnen ein Ensemble für Volksmusik zu gründen. Auch in Deutschland gab es ja in den 5oer Jahren mit den Heimatfilmen und deutschen Schlagern der Versuch mit kitschiger Romantik den schwierigen Alltag vergessen zu machen.

Bei einer dieser Castings lernt Wiktor (Tomasz Kot) die junge Zula (Joanna Kulig) kennen und beide verlieben sich ineinander. Doch Zula ist aus der Zeit ihrer Kindheit traumatisiert, als ihr Vater sie missbrauchte und sie ihn daraufhin mit einem Messer angriff – was ihr eine Bewährungsstrafe einbrachte.
Und Wiktor kann den massiven Einfluss der kommunistischen Partei auf seine Arbeit als Musiker immer weniger vertragen. Er beschließt bei einem Konzert im westeuropäischen Ausland sich von seiner Truppe abzusetzen und seinem Land den Rücken zu kehren. Auch Zula will Anfangs mitkommen, doch zu dem vereinbarten Treffpunkt erscheint sie nicht. Die Trennung von ihrer Heimat kann sie nicht so einfach vollziehen.

Jahre später, Zula ist nun doch in den Westen geflohen, treffen sich beide in Paris in einer Jazz-Bar wieder. Wiktor kann dort endlich die Musik spielen, die in fasziniert. Und dieses Nachkriegsfrankreich, mit seinen Intellektuellen, die gerade durch Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre den Existenzialismus entdecken und sich dem Schöngeistigen hingeben, ist ein absoluter Culture Clash zu dem Leben im sowjetischen Polen. Nur die Liebe zwischen Zula und Wiktor will nicht mehr so recht funktionieren. Irgendetwas schein zu fehlen oder ist verloren gegangen. Aber was?

Regisseur Pawel Pawlikowski ist mit „Cold War“ wieder einmal ein kleines Meisterwerk gelungen, nachdem er bereits 2014 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film mit „Ida“ gewonnen hatte. Beide Filme, sowohl „Ida“ als auch jetzt „Cold War“, sind in leisen schwarz-weiß Bildern gefilmt – und zusätzlich im fast quadratischem alten Fernsehformat 1: 1,37. Dadurch fühlt sich der Zuschauer umso mehr in diese Zeit zurückversetzt, in der die Welt in Ost und West getrennt war – unüberbrückbar, sowohl militärisch als auch geistig.
Der Film erinnert an ein ähnliches Meisterwerk aus der Zeit des Kalten Krieges, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Philip Kaufmann von 1988, mit einer Liebesgeschichte (Daniel-Day Lewis und Juliette Binoche) vor dem Hintergrund des Prager Frühlings von 1968.

Fazit: Sehr empfehlenswert, für Erwachsene.

10 Fotos des Films „Cold War“:

10 Fotos: „Cold War“ Tomasz Kot und Joanna Kulig © Neue Visionen

Außerdem laufen an:

„Die Verschwörung“ von Fede Alvarez mit Claire Foy als Lisbeth Salander. Eine Fortsetzung der Millenium Romanreihe von Stieg Larsson, geschrieben allerdings nach dem Tod von Larsson durch den Jourmalisten David Lagercrantz. Interessant, aber nicht so gut wie das Original.

„Die Verschwörung“ © Sony Pictures

„Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ von Philip Gröning mit Julia Zange. Die Geschichte einer Hass-Liebe zwischen einem Zwillingspaar. Ein 3-stündiges Drama für Cineasten.

„Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ © W-Film

„Wo bist Du Joao Gilberto“ von Georges Gachot. Joao Gilberto gehört zu den bekanntesten brasilianischen Komponisten der Neuzeit und ist ein Wegbereiter des Bossa Nova. Sein Lied „Girl von Ipanema“ kennt fast jeder, auch hier in Europa. Der französische Regisseur Georges Gachot machte sich mit Hilfe des gleichnamigen Buches des deutschen Autoren Marc Fischer auf die Suche nach diesem einzigartigen Musiker, der seit Jahren als verschollen gilt. Für Liebhaber der lateinamerikanischen Musik ein MUSS!

„Wo bist Du, Joao Gilberto“ © Farbfilm

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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