Die neuen Filme im Kino 26.09.2019

Der Distelfink - Nicole Kidman © Warner Bros.

Die neuen Filme im Kino 26.09.2019

 

Von Holger Jacobs

26.09.2019

„GELOBT SEI GOTT“ („Grace à Dieu“)- Drama – Frankreich – 2019
Regie: Francois Ozon
Cast: Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud
Filmverleih: Pandorra

Der französische Regisseur Francois Ozon (*1967) ist zweifelsohne einer der erfolgreichsten und, um es gleich auf den Punkt zu bringen, besten Filmemacher seiner Generation. Über die Grenzen seines Landes hinweg sind besonders „8 Frauen“ und „Swimmingpool“ (nicht zu verwechseln mit dem berühmten Film von 1969 mit Romy Schneider und Alain Delon) einem internationalen Publikum bekannt geworden. Ozon vereint die besondere Leichtigkeit der französischen Filme mit einer genauen Charakterstudio seiner Protagonisten, was einerseits zu großer sexueller Freizügigkeit, als auch zu größter Spannung führen kann. Die beiden oben genannten Filme, besonders „Swimmingpool“, kann ich nur empfehlen. Charlotte Rampling ist dabei atemberaubend gut.

In dem neusten Oeuvre von Francois Ozon ist alles ganz anders. Keine Leichtigkeit mehr, sondern ein mit großer Ernsthaftigkeit vorgetragenes Drama, welches sich in Frankreich wirklich abgespielt hat und sich in noch ausstehenden Gerichtsverfahren bis zum heutigen Tage abspielt.

Story:
Der katholische Priester Bernard Preynat hat seit den 70er Jahren viele Minderjährige missbraucht (das Gerichtsverfahren dazu ist in Frankreich noch nicht eröffnet). Eines der Opfer, Alexandre Guérin (Melvil Poupaud), hat über seine schrecklichen Erlebnisse aus Scham und aus Angst vor sozialer Abgrenzung nie gesprochen, geschweige denn den Priester angezeigt.
Als Guérin durch Zufall  nach 30 Jahren erfährt, dass sein Peiniger in der katholischen Kirche immer noch praktiziert und dabei auch weiterhin mit Kindern zu tun hat, ist bei ihm eine rote Linie überschritten und er wendet sich an den zuständigen Erzbischof von Lyon, Philippe Barbarin (dieser wurde mittlerweile zu 6 Monaten auf Bewährung wegen des Nicht-Anzeigens einer Straftat verurteilt).
Dieser meint, er hätte wohl von einigen unsittlichen Annährungsversuchen gehört, doch dies sei doch – „Gelobt sei Gott!“ – über 30 Jahre her und deshalb strafrechtlich verjährt.
Alexandre Guérin macht sich daraufhin auf die Suche nach anderen Opfern und findet Francois (Denis Ménochet) und Emmanuel (Swann Arlaud). Gemeinsam stellen sie fest, dass es mindestens 80 Opfer, wenn nicht mehr, gegeben haben muss. Trotz Verjährung nehmen sich die drei einen Anwalt und reichen Klage ein.
Der Film „Gelobt sei Gott“ gewann auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären, den großen Preis der Jury 2019.

Fazit: Spannend und ergreifend zugleich. Für Erwachsene und Kinder ab 16 Jahre.

9 Photos: „Gelobt sei Gott!“, © Pandora Film

„DER DISTELFINK“ („The Goldfinch“)- Drama – USA – 2019
Regie: John Crowley
Cast: Nicole Kidman, Ansel Elgort, Oakes Fegley, Jeffrey Wright, Sarah Paulson, Willa FitzgeraldDer-Distelfink
Filmverleih: Warner Bros.

Dieser nach dem Bestsellerroman von Donna Tartt gedrehte Film versucht die spannungsreiche und tiefgründige Geschichte der Romanfigur Theo Decker so gut es geht auf die Leinwand zu bringen. Manchmal gelingt es dem Regisseur John Crawley auch, manchmal nicht. Die Geschichte ist doch letztlich so komplex, dass einfach nicht alle Aspekte dieses mit dem Pulitzer Preis prämierten Roman selbst in 150 Minuten gezeigt werden können. Dennoch finde ich den Film sehenswert, da die Geschichte absolut faszinierend ist.

Story:
Als Kind ging Theo Decker
einst mit seiner Mutter zu einer Ausstellung in das Metropolitan Museum of Art in New York. Ein plötzlicher Bombenanschlag tötet dabei Dutzende Menschen, so auch seine Mutter. In diesem Chaos übergibt ein sterbender Mann dem Jungen heimlich ein berühmtes Gemälde aus der Sammlung des Museums, welches später als verschollen gilt.
Dieses (auch in der Realität existierende) Gemälde „Der Distelfink“ des holländischen Malers Carel Fabritius hat einen hohen Wert, wird es doch in seiner Qualität mit den Werken des zeitgleich lebenden Malers Rembrandt verglichen.
Das Bild begleitet nun fortan das Leben des Theo Decker, von seiner Kindheit über sein Leben als jungen Mann bis zu seinem Erwachsenendasein.

Fazit: Trotz einiger Längen eine überaus spannende Geschichte über Kunst, das Leben und das Schicksal des Einzelnen. Für die ganze Familie.

16 Photos: Nicole Kidman, Oakes Fegley, „Der Distelfink“ © Warner Bros.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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