Die neuen Filme im Kino – Die Verlegerin

Die Verlegerin - Meryl Streep © Universal Pictures

Die neuen Filme im Kino – Die Verlegerin

 

Von Holger Jacobs

22.02.2018

Anzeige

„DIE VERLEGERIN – The Post“ – Drama – USA – 2017

Regie: Steven Spielberg
Cast: Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bruce Greenwood, Matthew Rhys
Filmverleih: Universal Pictures

Wenn die Namen Washington und The Washington Post fallen ist der erste Gedanke der Watergate Skandal vor 46 Jahren. Im Vorfeld zum Präsidentschaftswahlkampf 1972 in den USA hatte der amtierende Präsident Richard Nixon die gegnerische Partei heimlich abhören lassen. Diese rechtswidrige Aktion wurde von der Washington Post aufgedeckt, was zum Rücktritt Nixons vom Amt des Präsidenten am 8. August 1974 führte. Bis heute der größte Polit-Skandal in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Meisterlich verfilmt 1976 von Alan Pakula in „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffman und Robert Redford als die investigativen Reporter der Washington Post.

Dass ein Jahr zuvor, 1971, ein ganz anderer, aber ebenso brisanter Skandal von der Washington Post aufgedeckt wurde, ist durch die kurz darauf sich entwickelnde Nixon Affäre etwas in Vergessenheit geraten.

Der Skandal

Der unter Nixon amtierende Verteidigungsminister MacNamara (im Film gespielt von Bruce Greenwood) läßt 1970/ 71 von dem jungen Geheimdienstmitarbeiter Daniel Ellsberg (gspielt von Matthew Rhys) eine Studie über den Vietnamkrieg anfertigen. Sie kommt zu dem Schluss, dass der von den USA geführte Krieg nicht gewonnen werden kann. McNamara nimmt es zur Kenntnis, ohne eine Art von Konsequenz daraus zu ziehen. Als Ellsberg seine Akten in irgendeinem Schrank ablegen soll, sieht er, dass bereits seit zwei Jahrzehnten, seit dem Beginn des Krieges überhaupt, ähnliche Studien angefertigt wurden, immer mit demselben negativen Ergebnis. Das heißt nichts Anderes, als dass vier US-Präsidenten nacheinander die gesamte Nation belogen haben und wider besseren Wissens Tausende US-Soldaten in Indochina in den Tod schickten. Ellsberg macht sich also daran, alle 4000 Seiten dieser Studien zu kopieren mit der Idee, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie wurden später bekannt unter dem Namen „Pentagon Papers“.

Der Film

Als Regisseur Steven Spielberg im Frühjahr 2017 das Drehbuch zu „The Post“ zum Lesen bekam, brach er sofort seine Vorbereitungen zu seinem damaligen Projekt, dem Science-Fiction Film „Ready Player One“ (soll im Frühjahr 2018 in die Kinos kommen), ab und machte sich an die Realisierung zu „The Post“. Spielberg war bewusst geworden, dass mit der Amtseinführung von Donald Trump, dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, eine ähnlich Situation besteht wie vor 40 Jahren. Nämlich das Misstrauen eines Präsidenten einer freien Presse gegenüber, die aber nichts Anderes tut, als das, wozu sie da ist: die Allgemeinheit zu informieren, egal ob es der Obrigkeit passt oder nicht. Das das auch heute nicht selbstverständlich ist, sehen wir in Länder wie China und wie jüngst in der Türkei.

Dabei setzt Spielberg auf gleich zwei wichtige Themen in seinem Film: Erstens auf den Skandal selbst und zweitens auf die Person, die letztlich die Veröffentlichungen zu verantworten hatte: Die damalige Herausgeberin der „Post“, Katherine Graham (wie immer grandios gespielt von Meryl Streep). Sie hatte erst kurz zuvor diesen Posten von ihrem verstorbenen Mann geerbt und hatte sich bis zu diesem Moment eigentlich nur um Haushalt und Kinder gekümmert, so, wie es damals fast überall in Westeuropa und den USA üblich war. Kaum im Amt musste sie eine Entscheidung treffen, die den gesamten Verlag hätte in den Ruin treiben können. Denn hätte der Supreme Court die Veröffentlichung per Eilentscheidung verhindert, wäre es ein herber Schlag gegen die „Post“ mit nicht kalkulierbaren Folgen gewesen. Ihr ehrgeiziger Chefredakteur Bradlee (Tom Hanks, hier mal wieder in einer seiner Glanzrollen) wollte natürlich unbedingt die Story; alle ihre Geldgeber und Freunde aber sagten nein. Die Lage spitzte sich ausgerechnet auf Katharines Geburtstagsfeier zu, als bis Mitternacht die Entscheidung fallen musste, ob veröffentlicht wird oder nicht. Denn bis dahin müssen die Druckmaschinen eingerichtet sein, damit am nächsten Morgen die Zeitung erscheinen kann – es steht auf Messers Schneide. Diese Nacht inszeniert Steven Spielberg wie einen Thriller und die Spannung bleibt bis zum letzten Moment.
Mehr Informationen über den Film hier.

Der Film „Die Verlegerin“ ist bei den Oscars als Bester Film und Meryl Streep als beste Schauspielerin nominiert.

Sehenswert.

Für die ganze Familie und besonders für Polit-Junkies!

11 Photos: Meryl Streep, „Die Verlegerin“ © Universal Pictures

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.