Dornröschen – Deutsche Oper Berlin

Dornröschen – Deutsche Oper Berlin

 

Ballett von Peter Tschaikowsky. Premiere war am 13.2.2015.

Wertung: 🙂 🙂 🙂   (drei von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs (Text und Fotos)

19.2.2015. Irgendwie kennt die Geschichte jeder. Oder hat zu mindestens einmal den Namen „Dornröschen“ gehört. Ja genau, die mit der Spindel und dem 100-jährigen Schlaf. Die Geschichte geht auf das Märchen „La belle au bois dormant“ von Charles Perrault aus dem 1696 zurück. Später im 19. Jahrhundert wurde es von den Brüdern Grimm nochmals aufgegriffen und niedergeschrieben und 1890 als Ballett mit der Musik von Peter Tschaukowsky in der Choreographie von Marius Petipa am Mariinsky Theater in Sankt Petersburg uraufgeführt. Es ist heute eines der populärsten Balletts im Repertoire jeder großen Ballett-Kompanie.

Handlung:

Das Stück beginnt mit der Taufe von Aurora (Iana Sarafano), dem Kind eines Königspaares, welches lange auf Nachwuchs warten musste. Deshalb soll groß gefeiert werden und der ganze Hofstaat ist versammelt zusammen mit 6 Feen. Doch als die Feier im vollem Gange ist erscheint plötzlich Carabosse, eine Fee, die man nicht eingeladen hatte. Aus Wut darüber, übergangen worden zu sein, verflucht sie das Kind und sagt voraus, dass es sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und sich daran tödlich verletzten wird. Die gute Fliederfee kann den Fluch zwar nicht aufheben, aber abmildern und erreicht, dass es bei dem Stich nur in einen 100-jährigen Schlaf fällt.

Im nächsten Akt sieht man die Feierlichkeiten zum 16-jährigen Geburtstag von Aurora und das Schicksal nimmt seinen Lauf, so wie es vorausgesagt war. Am Ende des Aktes fallen alle in einen tiefen Schlaf und das gesamte Schloß wird mit einem undurchdringlichen Dornengebüsch überzogen.

Im nächsten Akt sind die 100 Jahre vergangen und eine fröhliche Jagdgesellschaft feiert ganz in der Nähe des verzauberten Schlosses. Unter ihnen befindet sich auch der junge Prinz Desiré. Die gute Fliederfee lässt ihn von der schönen Aurora träumen und er verliebt sich in ihr Antlitz. Daraufhin führt ihn die Fee zu der schlafenden Prinzessin und Prinz Desiré erweckt sie mit einem Kuss. Das Dornengebüsch wandelt sich in einen Rosengarten.

Der letzte Akt zeigt die Hochzeit der beiden und die Hofgesellschaft findet zu der alten Fröhlichkeit zurück. Die Besonderheit der Zeremonie ist ein Kostümball, bei der alle Paare verkleidet kommen und Figuren aus Märchen und Mythologie darstellen dürfen.

Kritik:

Seit August letzten Jahres hat das Staatsballett Berlin einen neuen Leiter, Nacho Duatos. Mit „Dornröschen“ gibt er in Berlin seinen Einstand als Choreograph. Zwar soll er besonders für seine modernen Choreographien berühmt sein, davon merkt man hier allerdings wenig. Im Gegenteil: mit Tutu und schwelgerischen Kostümen kann es kaum klassischer zugehen. Auch tänzerisch wird das ganze Repertoire des klassischen Balletts gezeigt, dies allerdings auf höchstem Niveau. Hut ab vor den erstaunlichen und auch physikalisch bewundernswerten Drehungen, Wendungen, Arabesken und Pliés besonders der beiden Hauptprotagonisten, Iana Sarafano als Aurora und Leonid Salenko als Prinz Desiré. Aber ich hätte mir gewünscht, dass man dieses Ballett mal anders zeigt, als man es gewohnt ist. Dies gilt auch für die Ausstattung: Geradezu beeindruckend schöne Kostüme (Angelina Atlagic) und eine märchenhafte Bühne. Aber will ich das auch noch im 21. Jahrhundert sehen, wenn es bei seiner Uraufführung vor 100 Jahren schon fast genauso aussah? Während die Regisseure im Theaterbereich ständig nach neuen Formen und neuen Interpretationen auch uralter Stoffe der Weltliteratur suchen (siehe zurzeit Richard III. in der Schaubühne Berlin http://kultur24-berlin.de/premiere-von-richard-iii-in-der-schaubuhne-berlin/so scheint es, dass man im Bereich Ballett vor hundert Jahren stehen geblieben ist. Wo bleiben der Einfluß von Mary Wigman, Merce Cunningham, William Forsyth, Pina Bausch bis Sasha Waltz? Es scheint, dass ihre Arbeit nur als separates Genre gesehen  und dann als „Tanztheater“ oder „Ausdruckstanz“ klassifiziert wird. Warum? Ein Peter Zadek, Claus Peymann oder Michael Thalheimer inszenierten und inszenieren nicht auch nur Botho Strauss, Peter Handke oder Heiner Müller. Sondern auch Shakespeare, Goethe und Schiller. Also warum macht eine Sasha Waltz nicht mal eine „Giselle“ (http://kultur24-berlin.de/giselle-das-beruhmte-ballett-wieder-in-der-staatsoper-berlin/)oder „Dornröschen“? Das würde mich wirklich einmal interessieren! Und es würde sicher auch mehr jüngeres Publikum anziehen.

Der König und die Königin feiern die Taufe ihres ersten Kindes

78 Bilder, hier: Der König und die Königin feiern die Taufe ihres ersten Kindes

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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