Duo-Recital Daniel Barenboim und Martha Argerich

Daniel Barenboim - Martha Argerich © Holger Jacobs

Duo-Recital Daniel Barenboim und Martha Argerich

 

Von Holger Jacobs

16.4.2017

Liebe Kulturfreunde,

manchmal sind Ereignisse so schön, dass man einfach nur dem lieben Gott danken möchte, dass er einem die Möglichkeit gibt so etwas miterleben zu dürfen.

Klingt ziemlich theatralisch. Doch diese Gedanken kamen mir, als ich gestern Nachmittag in der Philharmonie in Berlin dem Konzert von Daniel Barenboim und Martha Argerich lauschte. Es überkam mich ein unglaubliches Glücksgefühl genau an diesem Ort dabei zu sein.

Die beiden Ausnahme-Pianisten Daniel Barenboim und Martha Argerich kennen sich schon lange und spielen häufig miteinander, entweder vierhändig an einem oder zweihändig an zwei Klavieren. Zuletzt an Martha Argerichs 75. Geburtstag am 6.6.2016, ebenfalls in der Berliner Philharmonie.

Beide muss man eigentlich nicht mehr vorstellen, doch zu Martha Argerich (*1941) noch ein paar Worte. Sie wurde wie Barenboim (*1942) in der argentinischen Metropole Buenos Aires geboren und entstammt mütterlicherseits aus einer russisch-jüdischen Familie. Schon im Alter von sieben Jahren spielte sie öffentlich das 1. Klavierkonzert von Beethoven. 1955 zog die Familie nach Wien. Im Alter von 20 Jahren unterbrach sie kurzfristig wegen Heirat und Kind ihre Karriere, um nur drei Jahre später fulminant zurückzukehren: Sie gewann 1964 den berühmten Chopin-Wettbewerb in Warschau.

Martha Ärgerlich gewinnt 1964 den 1. Preis beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau

Seit gut 10 Jahren gibt Martha Argerich kaum noch Solo-Klavierabende sondern spielt Kammermusik oder Duo-Recitals mit Partnern wie Gidon Kremer, Mischa Maisky, Lilya Zilberstein oder eben Daniel Barenboim.

Dieses Mal wurde ihr Klavier-Duo zu den Festtagen zu Ostern 2017 angesetzt. Egal ob Festtage oder nicht: Die Berliner lieben ihren Barenboim. Immer wenn er in der Philharmonie auftritt (ich hatte schon öfters die Gelegenheit dabei zu sein) ist das Haus ausverkauft, immer gibt es frenetischen Beifall, immer gibt es Standing Ovations und immer die gibt es mehrere Zugaben.

Standing Ovations auch dieses Mal. Einen kleinen Eindruck davon könnt Ihr in Video auf kultur24TV sehen:

 

Barenboim und Argerich kennen sich schon so lange, dass sie auch blind zusammen spielen könnten. Dennoch hatten beide ein wenig Probleme beim ersten Stück des Abends. Die Sonate in F-Dur von Mozart für Klavier mit vier Händen wollte nicht so recht gelingen. Die Anschläge kamen nicht gleichzeitig. Doch eine Einwärmphase gehört bei jedem Konzert dazu.

Gleich der Brahms danach wurde schon zum ersten Highlight des Nachmittags. Die Variationen zu Joseph Haydn haben ein wunderschönes Grundthema, welches man auch leicht nachpfeifen könnte. Jeder meint, er hätte es schon einmal gehört. Ein kleines Raunen ging entsprechend durch die Zuschauerreihen.

Das „Concerto Pathétique“ und erst Recht die „Réminiscences de Don Juan“ von Franz Liszt brachten dann aber den wirklichen Höhepunkt. Virtuos und musikalisch auf höchstem Niveau agierten beide Pianisten an ihren Instrumenten. Die Werke sind für sich allein schon ganz wunderbare Kompositionen des ungarischen Klavier-Genies, aber in der Interpretation von Barenboim/ Argerich bekamen sie erst den Glanz, der diese Musik zum Leuchten brachte. Ergebnis: Bravo-Rufe ohne Ende.

Ich hätte die Osternacht kaum besser beginnen können.

Das Programm (ca. 2 Std. 10 Min.):

WOLFGANG AMADEUS MOZART
Sonate F-Dur KV 497 für Klavier zu vier Händen

JOHANNES BRAHMS
»Haydn-Variationen« op. 56b für zwei Klaviere

FRANZ LISZT
»Concerto pathétique« und »Réminiscences de Don Juan«

Daniel Barenboim und Martha Argerich beim Duo-Recital zu den Festtagen Berlin a, 15.4.2017 © Holger Jacobs

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist