Elbphilharmonie Hamburg – Eröffnung

Elbphilharmonie Konzertsaal Foto: Holger Jacobs

Elbphilharmonie Hamburg – Eröffnung

 

Von Holger Jacobs

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07.10.2016

Intro

Das neue Wahrzeichen Hamburgs ist am 4. November 2016 eröffnet worden und die spektakuläre Architektur lässt die Probleme um die verzehnfachten Baukosten und die verdreifachte Baudauer schnell vergessen.

DIE PLAZA, welche im Übergang von Kaispeicher und Philharmonie liegt und sowohl einen Innenbereich wie auch einen Außenbereich mit Rundumgang um das ganze Gebäude hat, bietet in 37 Metern Höhe einen atemberaubenden Blick (siehe Bilderserie) über den Hafen und die angrenzende Stadt. Ein Cafe bietet Erfrischungen. Sie ist täglich von 9 – 24 Uhr geöffnet (letzter Einlass 23.30 Uhr) und wird über eine 82 Meter lange konkave Rolltreppe erreicht.

Plaza Rundgang mit Blick auf den Hamburger Hafen, Foto: Holger Jacobs

Plaza Rundgang mit Blick auf den Hamburger Hafen, Foto: Holger Jacobs

Es ist sicher der schönste Bau, den die öffentliche Hand in Deutschland seit Jahrzehnten realisiert hat. Und der faszinierende Anblick macht alle früheren Querelen vergessen.

Wie ist die Elbphilharmonie entstanden, wer hatte die Idee?

Historie

Das gesamte Areal, welches heute „HAFENCITY“ genannt wird, diente seit dem 19. Jahrhundert als Entladung der ankommenden Frachtschiffe. Schon damals ragte an der Stelle der heutigen Elbphilharmonie ein imposantes Gebäude in die Höhe: Der KAISERSPEICHER (erbaut 1875 von Werner Dalmann) mit großer Turmuhr und Zeitball, welcher schon damals das Wahrzeichen des Hamburger Hafens war.

Der alte Kaiserspeicher an selber Stelle von 1875, Foto: anonym

Der alte Kaiserspeicher an selber Stelle von 1875, Foto: anonym

Der Kaiserspeicher wurde im Krieg zerstört. Anfang der 60er Jahre plante man einen schlichteren Zweckbau als Ersatz. Architekt Werner Kallmorgen baute den später von Hafenarbeitern als “Gefängnis“ bezeichneten Backsteinbau für die Unterbringung der Waren, die verzollt werden sollten. Doch schon zu diesem Zeitpunkt gab es eine gewaltige Veränderung des Warenverkehrs:

Nicht mehr als Stückgut, sondern in Containern, sollten die Waren um die Welt geschickt werden. Als 1966 der KAISPEICHER A fertig wurde, war er schon nicht mehr zeitgemäß. Denn Container brauchen riesige Abstellflächen und keine Speicher. Was dazu führte, dass das gesamte Areal Anfang der 70er Jahre aufgegeben wurde zugunsten des neu entstandenen Containerhafens Hamburg etwas mehr Elbe aufwärts auf der gegenüberliegenden Seite.

Der Kaispeiche A von Werner Wegener aus dem Jahre 1963, Foto: K.L.A.U.S.

Der Kaispeiche A von Werner Wegener aus dem Jahre 1963, Foto: K.L.A.U.S.

Anfang der 2000-er Jahre wurde von der Hamburger Bürgerschaft die Idee entwickelt das gesamte Gelände des ehemaligen Stückguthafens (immerhin 157 Hektar groß) zu einem neuen bewohnten Stadtteil werden zu lassen, ähnlich wie schon zuvor die Docklands in London. Der neue Stadtteil HafenCity war geboren.

2001 kam der Architekt Alexander Gérard auf die Idee, aus dem nicht mehr genutzten Kaispeicher A ein Kulturzentrum mit Konzertsaal entstehen zu lassen. Er fragte seinen befreundeten Kollegen aus der Schweiz, Jacques Herzog, ihm einen Entwurf zu machen. Dieser entwickelte die Idee, das eigentliche Konzerthaus oben auf dem Kaispeicher als neues Gebäude über dem Hafen leuchten zu lassen. Es sollte das Elixir darstellen, aus dem Hamburg besteht: WASSER und MEER.

Das Dach ist geformt wie ein aufpeitschendes Meer und die Fassade besteht aus gewölbtem Glas, welches aussieht wie die leichten Wellen der Elbe, wenn ein Schiff vorbeifährt. Alle waren begeistert und bei der Ausschreibung zur Bauausführung gewann 2006 das Konsortium Hochtief mit einer veranschlagten Bausumme von 241 Millionen Euro.

Die Elbphilharmonie am 4.11.2016, Foto: Holger Jacobs

Die Elbphilharmonie am 4.11.2016, Foto: Holger Jacobs

 

Grundsteinlegung war 2007, Fertigstellung für 2010 vorgesehen. Doch 2010 wurde nur das Richtfest gefeiert und 2011 der Bau ganz gestoppt. Was war passiert?

 

Der Bauskandal

Liebe Leser, hat einer von Euch schon einmal ein Haus gebaut oder zu mindestens etwas in seiner Wohnung reparieren lassen? Ja? Dann wisst Ihr, dass ein Bauvorhaben nur dann funktioniert, wenn man als Auftraggeber direkt daneben steht. Bei öffentlichen Aufträgen ist das Problem, dass der 1. Bürgermeister natürlich nicht selbst den ganzen Tag auf der Baustelle verbringen kann, genauso wenig wie das Klaus Wowereit in Berlin beim Flughafen BER konnte. Also wird in solchen Fällen ein Projekt-Koordinator beauftragt. Doch weder muss dieser Mann (oder Frau) Angst um seinen (politischen) Kopf haben, noch ist es sein eigenes Geld. Hinzu kommt, dass von politischer Seite immer neue Ideen entwickelt werden, was alles noch in den Bau hinein sollte.

Beim BER war es ein riesiger Shopping Mall, der anfangs gar nicht vorgesehen war (kein Wunder, dass dann die Entrauchungsanlage beim Brand eines Spirituosenladens ihren Geist aufgibt) und bei der Elbphilharmonie war es ein zusätzliches Hotel (244 Betten mit einer Bausumme von 200 Millionen) und weitere Konzertsäle (heute gibt es derer drei).

Dann kam das Architekturbüro Herzog de Meron mit ihren Architekturplänen nicht mehr hinterher und bei der Statik des Daches (1800 Tonnen) gab es plötzlich Probleme. Ein Gutachten stellte Berechnungsfehler fest. Und Hochtief verlangte immer mehr Geld. Zusätzlich gab es einen politisch Wechsel in der Stadt von der CDU (Ole von Beust) zur SPD (Olaf Scholz).

Letztlich gaben sich alle gegenseitig die Schuld, als es zu dem Baustop im Jahr 2011 kam. Es ist dem neuen 1. Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, zu verdanken, dass sich alle wieder an einen Tisch setzten. Und eine Lösung erarbeiteten.

Zum Glück für uns alle. Das Werk ist vollbracht. Und wenn die ersten Töne im großen Saal zu klingen wird keiner mehr an die Vergangenheit denken. Sondern nur noch an die wunderbare Akustik des japanischen Toningenieurs Yasuhisa Toyota.

Der Konzertsaal ist in der so genannten „Weinbergtechnik“ erbaut, d.h. der Saal ist um die Bühne herum terrassenförmig hochgezogen wie die Philharmonie des Architekten Hans Scharoun in Berlin. Er fasst 2100 Sitzplätze (Berlin: 2400) und ist mit 10.000 in 3D Technik erstellten Gibsplatten beschichtet, welche den Klang im Raum gleichmäßig verteilen sollen. Das erste Konzert findet am 11. Januar 2017 statt. Hier unser 360 Grad Blick per Video.

Ein Sieg für die Schönheit und ein Sieg für die Musik.

Elbphilharmonie Hamburg
Platz der Deutschen Einheit 1
20457 Hamburg-HafenCity

Der große Konzertsaal mit 2100 Sitzplätzen. Foto: Holger Jacobs

32 Bilder: Der große Konzertsaal mit 2100 Sitzplätzen. Foto: Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist