Eröffnungskonzert Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Opening Night Foto: Holger Jacobs

Elbphilharmonie Hamburg Eröffnungskonzert

 

Von Holger Jacobs

16.1.2017

Liebe Kulturfreunde,

die Eröffnung der neuen Elbphilharmonie in Hamburg löste einen unbeschreiblichen Hype aus, den wohl selbst die Verantwortlichen so nicht erwartet hatten.
Ist er gerechtfertigt? Hier mein persönlicher Erfahrungsbericht:

Elbphilharmonie in der Nacht der Eröffnung am 11./ 12. Januar 2017 © Holger Jacobs

Historie:

Ganz kurz die Fakten für alle, die es noch nicht wissen:

2001 – Alexander Gérard und seine Frau Jana Marko kommen auf die Idee, aus dem alten Kaispeicher A im Hamburger Hafen ein Konzerthaus zu machen. Gérard wendet sich dazu an seinen ehemaligen Studienkollegen Pierre Herzog, Partner des wohl berühmtesten Architektenbüros der Welt, Herzog de Meuron. Dieser fertigt einen ersten Entwurf an, der einen gläsernen Aufbau auf dem Kaispeicher vorsieht.

Kaispeicher A im Jahre 2005, Foto: K.l.a.u.s

2003 – Der Hamburger Senat stimmt dem Projekt zu, erste Kostenschätzungen belaufen sich auf 186 Millionen Euro, 77 Millionen aus der öffentlichen Hand, der Rest aus Spenden

2006 – Das Konsortium Adamanta (Baukonzern Hochtief und Commerzbank) bekommen den Zuschlag zur Bausausführung; die Kosten werden jetzt auf 241 Millionen veranschlagt.

2007- Grundsteinlegung

2011 – Nach Planungsfehlern und schlechter Koordination zwischen den Architekten und Hochtief kommt es zum Baustopp. Die Kosten werden jetzt auf 476 Millionen veranschlagt.

2013 – Der neu gewählte Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, kann die zerstrittenen Parteien wieder an einen Tisch holen und einen neuen Vertrag aushandeln. Die Kosten werden jetzt auf 866 Millionen festgelegt, die öffentliche Hand zahlt davon 789 Millionen. Rest über private Spenden.

2016 – Fertigstellung des Baus, Übergabe an die Stadt. Am 4. November 2016 wird die Plaza im 8. Stock feierlich eröffnet (kultur24.berlin berichtete).

Die Elbphilharmonie am Tag Ihrer Fertigstellung am 4.11.2016

11.1.2017 – Erstes Konzert im Großen Konzertsaal

Der Konzertsaal:

Wie war die Premiere, wie ist der Klang in dem neuen Konzertsaal?

Ich war natürlich sehr erfreut eine der wenigen freien Karten für die Premiere zu bekommen, auch wenn mein Platz erst für den zweiten Tag, den 12. Januar, vorgesehen war. Das Programm war aber exakt das Gleiche.

Schon die Anfahrt ist erstaunlich. Hoch, sehr hoch, ragt das Gebäude mit seinen 23 Stockwerken und 110 Metern Höhe über die Elbe und ist schon allein durch seine schiere Größe überwältigend. Gleichzeitig leuchten dem Betrachter die 2200 Glaselemente der oberen Fassade entgegen, am Tag die Umgebung und den Himmel wiederspiegelnd, nachts von innen beleuchtet und aussehend wie eine Queen Mary, die am Kai liegt.

Eine Architektur, die auf gleicher Stufe steht wie andere architektonische Wahrzeichen dieser Welt, angefangen vom Eiffelturm über die Opera in Sidney bis zum Guggenheim Museum in Bilbao. Und das ist keine Übertreibung von mir, es sagt jeder, der es gesehen hat.

Mein Einlass-Ticket enthielt genaue Anweisungen:
Einlass zwischen 17.30 – 19.15 Uhr. Beginn des Konzertes um 20.00 Uhr. 15-minütige Pause nach ca. 60 Minuten, nach dem Konzert ab 22.00 Uhr Empfang mit kostenlosen Getränken und Büfett in den Foyers im 12. und 13. Stock.

Schon der Eintritt in den Großen Konzertsaal birgt einige Überraschungen. Zunächst kommt er dem Betrachter viel kleiner vor als erwartet, weil die horizontale Ausdehnung nicht sehr groß ist. Dafür geht es steil nach oben, 25 Meter. Ähnlich wie die Philharmonie in Berlin ist der Saal terrassenförmig um das Orchester herum gebaut.

Der Große Konzertsaal in der Elbphilharmonie mit 25 Metern Höhe und 4 Rängen über alle Seiten, das Orchester ist nahezu zentral in der Mitte angeordnet, © Holger Jacobs

Doch während der Konzertsaal in Berlin mehr einer Ellipse gleicht (und auch deutlich größer ist), erscheint der Saal in Hamburg wie eine große Kugel, mit einem kleinen Auswuchs in einer Richtung.

Alle, die schon einmal HINTER einem Orchester saßen, wissen, dass nicht nur der Klang, sondern auch das Sehen, etwas Besonderes sind: Man schaut dem Dirigenten direkt in die Augen und kann jede Mimik und Gestik verfolgen. Man fühlt sich selbst wie einer der Musiker des Orchesters.

Eröffnungskonzert am 11./ 12. Januar 2017. Mein Platz ist direkt hinter dem Orchester, Etage 13, Bereich G, © Holger Jacobs

Und die Musiker sitzen nur wenige Meter vor einem. Ihr könnt die Partitur mitlesen.

Die Pianistin Ya-ou Xie zusammen mit dem Orchester des NDR Elbphilharmonie, © Holger Jacobs

Genau so einen der Platz hatte ich, erste Reihe, erster Rang (nennt sich offiziell 13. Etage, Bereich G, fast in der Mitte direkt hinter dem Orchester. Den Sängern des Chores zur 9. Sinfonie von Beethoven hätte ich die Köpfe kraulen können…

Dirigent Thomas Hengelbrock beim Eröffnungskonzert, © Holger Jacobs

Der Klang:

Jeder Ton ist klar und deutlich zu hören. Besonders schön zu erleben, wenn vereinzelte Sänger und Musiker auch von den höheren Rängen musizieren, wie gleich zu Beginn die Oboe beim Benjamin Britten Stück „Pan“ oder der Sänger Philippe Jaroussky mit der Harfistin Margret Köll, jeweils im 3. Rang platziert.

Sänger Philippe Jaroussky mit Harfenistin Margret Köln im 3. Rang beim Eröffnungskonzert, © Holger Jacobs

Das Praetorius Ensemble im 3. Rang beim Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie, Foto: Holger Jacobs

Auch verteilt sich der Klang wunderbar über den Raum. Wie z.B. die Stimme der Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller in der „Ode an die Freude“, die sogar von mir abgewandt in die andere Richtung sang . Nur einige der Instrumente des Orchesters rechts oder links außen von mir platziert konnte ich nicht hören. Ich denke, der Ton ging einfach über mich hinweg. Hier wäre ein höherer Rang besser.

Mein abschließendes Urteil über den Klang: Auf hohem Niveau entspricht er den Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Die Klangentfaltung in der Berliner Philharmonie jedoch ist einfach wegen des größeren Raumes noch ein Tick besser.

Das Konzert:

Die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller war die Entdeckung des Abends. Selbst wenn keinem Musiker an diesem Abend eine Schwäche zu bescheinigen war, so war sie es doch, die über allen anderen strahlte. Ursprünglich sollte Anja Hateros aus München kommen, nach deren Absage wurde Camilla Tilling aus Schweden engagiert. Doch diese erkrankte nur wenige Tage vor der Premiere und in nur 48 Stunden musste eine neue Sängerin gefunden werden. Man fand sie in der jungen Hanna-Elisabeth Müller (*1985). 2014 mit dem Preis als beste Nachwuchssängerin geehrt hatte sie im selben Jahr ihren Durchbruch bei den Salzburger Festspielen unter Christian Thielemann.

Hanna-Elisabeth Müller © Hanna-Elisabeth Müller

Ihre Stimme hat den Saal zum Schweben gebracht, sie war das Highlight des Abends. Ich hoffe sie bald auch in Berlin hören zu können.

Résumé:

Ein großartiges Erlebnis und ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird. Als Fazit stelle ich fest, dass es nicht der Konzertsaal allein oder der Klang ist, auch nicht nur die 2200 Glaselemente oder die Plaza im 8. Stock mit dem tollen Blick über Hafen und Stadt – nein, es ist das Gebäude in seiner Gesamtheit, mit allem, was dazu gehört, welches einen Konzertabend hier in dieser Elbphilharmonie zu einem einmaligen Erlebnis werden lässt.

Video

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist