Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof

Ernst Ludwig Kirchner - Zwei weibliche Akte in Landschaft 1921- Foto: Holger Jacobs

Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof

 

Von Holger Jacobs

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28.10.2016

Liebe Kunstfreunde,

der Hamburger Bahnhof, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Berlin, hat in der Zeit der Renovierung und des Umbaus der Neuen Nationalgalerie die Aufgabe in regelmäßigen Abständen Arbeiten aus den Beständen der Neuen Nationalgalerie zu zeigen. Dafür wurde der linke Seitenflügel umbenannt in „Neue Galerie“. Im Erdgeschoss ist die Dauerausstellung über Joseph Beuys zu sehen, im 1. Stock finden Wechselausstellungen statt.

Dieses Mal gebührt die Ehre dem Maler Ernst Ludwig Kircher.

Das Museum zeigt alle 17 Gemälde aus der eigenen Sammlung. Von dem berühmten Bild „Potsdamer Platz“ aus dem Jahr 1914 über die „Badenden am Strand in Fehmarn“ (1913) bis zur späten Arbeit „Wiesenblumen und Katze“ von 1932.

Ernst Ludwig Kirchner wurde 1880 in Aschenburg geboren und wuchs später in Chemnitz auf. Nach dem Abitur ging er nach Dresden, wo er Architektur studierte. Nach erfolgreichem Abschluss konnte er sich aber nicht für diesen Beruf begeistern und begann als Autodidakt mit Malerei und Zeichnung. Mit den ihm gleichgesinnten Künstlern Erich Heckel, Karl Schmitt-Rottluff und Fritz Bleyl begründete er 1905 die heute weltberühmte Gruppe der „Brücke“. Wenig später schlossen sich ihnen noch Emil Nolde, Max Pechstein und Cuno Amiet an.


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Zunächst noch in der Tradition des Impressionismus begründet, wechselt Kirchner unter dem Einfluss seiner Mitstreiter schnell in einen radikaleren, kompromissloseren Stil, der später einmal als Expressionismus in die Geschichte eingehen wird. Nicht das Heitere, Lichtdurchflutete und Träumerische ist das Ziel, sondern das Direkte und Unmissverständliche. Die Farben wechseln vom zarten Blau und rosa Tönen zu kräftigem Gelb, Rot und Grün. Der Pinselstrich ist stark, ebenso die Kontraste. Unwichtiges verschwindet zugunsten weniger Details. Die Farben und Formen entsprechen nicht mehr der Realität. Dennoch ist es eine absolut gegenständliche Malerei.

Im oberbayerischen Murnau nur 700 km weiter südlich formt sich die Gruppe der Blauen Reiter mit ähnlichen Zielen.

Die Ausstellung zeigt „nur“ 17 seiner Werke. Doch sollte man nicht enttäuscht sein, denn es handelt sich hier ja nicht um eine Retrospektive des Künstlers wie vor 6 Jahren im Städel Museum in Frankfurt, sondern um das Ausstellen der vorhandenen Museumsbestände. Dies aber hat den entscheidenden Vorteil, dass mehr Zeit für das Betrachten jedes einzelnen Werkes übrig bleibt.

Und würde auch nur ein einziges Gemälde von Kirchner dort hängen, ich würde Euch den Besuch dennoch empfehlen.

„Ernst Ludwig Kirchner – Hieroglyphen“
Hamburger Bahnhof
Museum für Gegenwart
Invalidenstr. 50-51
10557 Berlin
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr, Do -20 Uhr

Ausstellung bis zum 26.02.2017

Ernst Ludwig Kirchner "Sitzender Akt mit erhobenen Armen", 1910, Hamburger Bahnhof, Foto: Holger Jacobs

20 Bilder: Ernst Ludwig Kirchner „Sitzender Akt mit erhobenen Armen“, 1910, Hamburger Bahnhof, Foto: Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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