Eröffnung – Pierre Boulez Saal Berlin

Pierre-Boulez-Saal © Holger Jacobs

Eröffnung – Pierre Boulez Saal Berlin

 

Von Holger Jacobs

6.3.2017

Liebe Kulturfreunde,

mit großer Spannung wurde die Eröffnung des Pierre Boulez Saales in Berlin erwartet. Vielleicht war die Aufregung nicht ganz so groß wie bei der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg. Dennoch war die Reihe der Ehrengäste mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Kulturstaatsministerin Monika Grüters, Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann und dem Regierenden von Berlin, Michael Müller, prominent besetzt.

Hintergrund

Durch den Umbau der Staatsoper Unter den Linden machten sich die Planer auch an die Renovierung des benachbarten Magazinbaus. Dieser diente der Oper für Probenräume sowie als Bühnenwerkstatt und Bühnenbild-Depot.

Seitdem die Opernwerkstatt nun schon lange in ein anderes Haus im Osten Berlins gezogen ist, wurde für die Neugestaltung des denkmalgeschützten Magazinbaus neben den immer noch vorhandenen Probenräumen auch eine weitere Nutzung möglich. Auf Wunsch von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim sollte dort die Barenboim-Said Akademie zur Förderung junger Musiker aus dem Nahen Osten einziehen (wir erinnen: mit Edward Said hatte Barenboim 1999 auch das West Eastern Divan Orchestra mit arabischen und israelischen Musikern gegründet). Diese Musikhochschule bietet ebenfalls Bachelor Studiengänge in Literatur, Geschichte und Philosophie an. Und zur Musikhochschule sollte natürlich auch ein Konzertsaal gehören.

Barenboim kontaktierte den berühmten Architekten Frank O. Gehry und dieser erarbeitete ohne Honorar die Planung für den Saal. Als Akustikspezialist wurde der Japaner Yasuhisa Toyota hinzugezogen, der schon bei der Elbphilharmonie erfolgreich war. Kosten insgesamt: 33 Millionen Euro. Davon zahlte der Staat 21 Millionen, der Rest durch Spenden.

2012 war Startschuss. Und an diesem Wochenende wurde nun die Eröffnung des Pierre-Boulez-Saals mit viel Musik und Prominenz gefeiert.

Wie klingt der Saal? Wie sieht er aus? Wie groß Ist er?

Wenn der Gast durch die großen Eingangstüren des Hauses zunächst in den Empfang kommt, merkt er schnell, dass außer den Grundmauern bei der Sanierung nichts übrig geblieben ist. Drinnen ist alles sehr modern und klar strukturiert, aber auch im Foyer recht eng, wenn das Haus, wie zu diesem Anlass, ausverkauft ist (bis zu 650 Plätze, Sitzreihen variabel einsetzbar).

Sobald ich jedoch den Saal betrat ging mein Herz auf:

 

Pierre Boulez Saal 1 – Spherical Image – RICOH THETA

Vollbild
Ein großes Oval mit einem zentralen Parkett empfängt den Gast, zwei Ränge winden sich in kühnen Schwingungen nach oben und rot-braune Holztäfelungen aus Zedernholz machen eine sympathische, warme Atmosphäre. Einzig die Sitzbezüge mit Stoffdesign aus den Achtzigern könnten etwas ansprechender sein.

Auf meiner Platzkarte stand: Rang, Treppe IX, Block G, Reihe 1 und Platz 14. Was bedeutete, dass ich im 1. Rang ungefähr gegenüber dem Eingangs saß. Fehlende Blockmarkierungen machten das Suchen schwierig und viele liefen etwas verwirrt umher.

Die Größe des Raumes schätze ich auf ca. 50 x 30 Meter (genauere Abgaben habe ich leider nicht gefunden), Höhe ca. 20 Meter.

Als endlich alle ihre Plätze gefunden hatten und das Licht dunkler wurde, verstummten die Zuhörer und durch eine Tür im 2. Rang kam der Meister. Er begab sich auf ein kleines Podium über mir im 2. Rang und dirigierte von hier aus das erste Stück des Abends, eine Komposition des Namensgebers Pierre Boulez für 7 Blechbläser, welche ebenfalls ganz oben im 2. Rang positioniert waren.

Ähnlich wie in der Hamburger Elbphilharmonie verbreitet sich der Klang von oben kommend besonders prägnant über den ganzen Raum.

Weiter ging es unten auf dem Parkett inmitten des Saals mit einem Gesangstrio von Schubert für Sopran, Klavier und Klarinette, „Der Hirt auf dem Felsen“. Es spielten Barenboim am Klavier, Anna Prohaska Gesang und Jörg Widmann (selbst bekannter zeitgenössischer Komponist und an diesem Abend auch mit einer Komposition vertreten) Klarinette.

Hierbei zeigte mein erhöhter Platz doch einige Defizite: die Stimme von Anna Prohaska, welche von mir aus nach links gewendet sang, war deutlich schwächer zu hören. Auch sehtechnisch ist diese erhöhte Position nicht optimal. Die Musiker auf dem Parkett konnte ich nur durch die Stahlstreben meines Geländers sehen.

Nach der Pause setzte ich mich auf einen leeren Platz ganz unten in die erste Reihe am Parkett. Wie ich später erfuhr handelte es sich hierbei um Block D.

Es kam ein anspruchsvoller Alban Berg, das Kammerkonzert für Klavier (Karim Said) und Geige (Michael Barenboim) mit 13 Bläsern; Daniel Barenboim dirigierte. Der Klang war nun erwartungsgemäß völlig anders. Gerade die starken Bläser kamen hier in der ersten Reihe besonders zur Geltung, die Piccolo-Flöte von Simone Bodoky-van der Velde, zwei Meter entfernt, trällerte mir ins Ohr.

Ein 2.30 minütiges Video zeigt einen Rundgang einmal um das ganze Oval.

Fazit

Der neue Konzertsaal ist auf jeden Fall eine Bereicherung für Berlins Konzertleben. Zumal auch Jazz und zeitgenössische Musik gespielt werden sollen. Seine Lage nahe am Gendarmenmarkt wird das Dreieck Konzerthaus, Pierre-Boulez-Saal und Staatsoper Unter den Linden zukünftig einmal zum Klassik-Hotspot der Stadt machen.

Und der Pierre-Boulez Saal hat eine wunderbar positive Atmosphäre, die jeden in freudige Stimmung versetzt, der ihn betritt.

Für die Platzwahl würde ich auf jeden Fall das Parkett, also die unterste Ebene, empfehlen. Und hier nicht direkt die erste Reihe sondern eher Reihe 3 bis 5. Ob in Block A, Block B, Block C oder Block D (im Uhrzeigersinn) ist dann egal. Denn in welche Richtung sich die Musiker in diesem fast runden Saal je nach Konstellation ausrichten ist nicht vorauszusehen.

Pierre-Boulez-Saal vom Eingang aus gesehen © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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