Faust – Deutsche Oper Berlin

Faust - Charles Gounod - Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Faust – Deutsche Oper Berlin

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂   ( vier von fünf)

Von Holger Jacobs

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20.06.2015. Nach der Staatsoper nun die Deutsche Oper Berlin mit ihrer letzten Premiere der Saison. Die vielgespielte und wunderbare Oper von Charles Gounod, „Faust“, wurde von Philipp Stölzl interessant in Szene gesetzt. Stölzl, der als Bühnenbildner anfing, ging früh zum Film und machte sich einen Namen mit Videoclips für die Popgruppen Ramstein und Madonna („American Pie“) und mehreren Spielfilmen, wie „Nordwand“ und „Goethe“ und vor allem „Der Medicus“, der mehrere Preise gewann. Seit 2005 inszeniert er auch Opern und Sprechtheater. So können sich die Berliner sicher noch an „Il Trovatore“ an der Staatsoper Berlin 2013 erinnern, mit den Superstars Anna Netrebko und Placido Domingo.

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Hintergrund

Charles Gounod (*1818 – †1893) kam schon als Kind in Kontakt mit der Faust-Dichtung von Goethe, doch erst die Übersetzung von Michel Carré, „Faust et Marguerite“, regte ihn an, sich dem Thema auch als Oper zu widmen. Er engagierte Carré mit dem Libretto und 1859 kam es im Théatre Lyrique in Paris zur Uraufführung. Die Opera Garnier von Paris hatte zunächst abgelehnt. Diese Erstfassung war teilweise noch mit gesprochenen Texten, die er aber kurz danach in gesungene Rezitative umänderte. In dieser 2. Fassung, die bis heute gespielt wird, kam er damit auch in die Pariser Oper und das Stück wurde weltweit ein großer Erfolg.

Marguerite (Krassimira Stoyanova) im Kerker - "Faust" - Charles Gounod - Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Marguerite (Krassimira Stoyanova) im Kerker – „Faust“ – Charles Gounod – Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Handlung

Da wohl die meisten von Euch Goethes „Faust“ kennen und dieses zurzeit auch im Berliner Ensemble in der Regie von Robert Wilson mit großem Erfolg läuft, brauche ich es eigentlich nicht lange zu erklären. Bei Gounod gibt es aber nur den 1. Teil und ein paar szenische Veränderungen. Hier in Kurzform: Der alternde gelehrte Faust (Teodor IIincai) will sich das Leben nehmen, weil er merkt, dass er an dem Leben junger Menschen nicht mehr teilhaben kann. Kurz bevor er einen tödlichen Trunk zu sich nehmen kann, erscheint Mephisto (IIdebrando d’ Arcangelo) und fragt, was er sich denn am meisten wünsche. Dieser erwidert, es sei nicht Geld und Macht, sondern noch einmal die Liebe zu einer jungen Frau. Mephisto gewährt ihm diesen Wunsch, im Gegenzug bekommt der Teufel sein Leben. Gesagt, getan, Mephisto verwandelt ihn in einen jungen, gut aussehenden Burschen und bringt ihn auf einer Kirmes sogleich in Kontakt mit der unschuldigen Marguerite (Krassimira Stoyanova). Faust kann sie für sich gewinnen, schläft mit ihr, aber verlässt sie nach kurzer Zeit. Marguerite wird schwanger und tötet das Kind aus Scham und Trauer. Als sie dafür ins Gefängnis kommt und die Todesstrafe erwartet, kommt Faust zu ihr, um sie zu befreien. Doch sie bleibt und möchte ihre Tat sühnen. Kurz vor ihrem Tod spricht Gott sie von ihren Sünden frei.

Faust erinnert sich an seine Kugend, "Faust" - Charles Gounod - Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Faust erinnert sich an seine Kugend, „Faust“ – Charles Gounod – Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Kritik

Wie schon anfangs erwähnt, hat sich der Regisseur bereits durch Filme, Videoclips und Theater-und Operninszenierung einen großen Namen gemacht. Und ich muss sagen, dass mir seine „Il Trovatore“ in Berlin vor 2 Jahren schon sehr gut gefallen hat. Und so auch hier. Er bringt viele neue Ideen mit, die gerade „alten“ Stücken neues Leben einhauchen. Seine Idee bei Faust: Wie heute üblich arbeitet er mit nur einem Bühnenbild, welches aus einer riesigen Säule im Mittelpunkt der Bühne besteht, um die sich die Drehbühne bewegt und durch die er alle Personen, Fahrzeuge und andere Utensilien auftreten und gehen lässt. Ein besonderer Einfall sind Szenen, in der Darsteller bewegungslos in einer Position ruhen, mitten in einer ursprünglich ausgeführten Bewegung, so, als wenn man einen Film anhalten würde. Wie ein Filmstill. Ein weiterer gelungener Einfall: Er lässt Gruppen von jungen Männern und Frauen parallel zur Handlung agieren, um zu zeigen, wonach genau sich Faust sehnt. Aus einer dieser Gruppen kommt auch eine junge Marguerite (Helene Schwenk), die parallel zur eigentlichen Marguerite-Sängerin (Krassimira Stoyanova) auftritt. Alle Sängerinnen und Sänger sind auf hohem Niveau, der Mephisto vielleicht noch einen Tik besser, als der Faust. Stoyanova ist eine nicht mehr ganz junge, dafür sehr erfahrene Sängerin. Wunderbar der Chor, der durch seine schwungvollen Lieder dem Stück immer wieder neue Höhepunkte verleiht.

Doch Faust will Jugend, "Faust" - Charles Gounod - Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Doch Faust will Jugend, „Faust“ – Charles Gounod – Deutsche Oper Berlin © Holger Jacobs

Ich bin mir sicher, dass die Inszenierung einen großen Erfolg für die Deutsche Oper bringen wird.

Nächste Vorstellungen: am 24., 27. und 30. Juni; 2. und 5. Juli 2015.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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