Festival Heiner Müller 2016 – Texte und Installationen

Heiner Müller privat © Heiner Müller

Festival Heiner Müller 2016 – Texte und Installationen

 

Von Holger Jacobs

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4.3.2016

 

Liebe Kulturfreunde,

 

vor über 20 Jahren starb einer der wichtigsten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit, Heiner Müller. Das Hebbel Theater in Berlin bringt mit einem Festival eine Hommage an den großen Dichter und Quer – Denker.

 

Heiner Müller wurde 1929 in Sachsen geboren und blieb auch nach dem Krieg in Ostdeutschland, während sein Vater mit dem Stiefbruder 1951 in den Westen zog. Früh fing er an zu schreiben und hatte schnell Erfolg. Schon 1954 wurde er Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband. Er wurde Redakteur der Junge Kunst Zeitschrift und Mitarbeiter am Maxim Gorki Theater. Sein erstes Theaterstück „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“, erschien 1957.

 

Doch 1961 kam es zum Eklat. Müller hatte das Stück „Die Umsiedlerin“ geschrieben, die die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (spätere DDR) zum Thema hat. In epischer Form beschreibt er halb belustigt, halb ernsthaft die Auswirkungen dieser Reform auf die Beteiligten und vor allem auf die Neubauern, die häufig keine Ahnung von Landwirtschaft hatten.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich gerne auf die politische Dimension dieser Bodenreform nach 1945 näher eingehen. Während die meisten durch die DDR enteigneten Betriebe, Häuser und Grundbesitz nach der Wiedervereinigung restituiert, also ihren ursprünglichen Besitzern zurückgegeben wurden, so blieben die Enteignungen der Jahre 1946 – 49 durch die sowjetische Besatzungsmacht davon ausgenommen. Angeblich hatte dies Michael Gorbatschow von Helmut Kohl bei den Wiedervereinigungsgesprächen 1990 verlangt (Memorandum vom 28. April 1990). Später bestritt Gorbatschow dies. Genau konnte es aber nie geklärt werden. Viele der ehemaligen Großgrundbesitzer klagten dagegen  (so auch Ernst August Prinz von Hannover, der Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco) und gingen dabei bis zum Europäischen Gerichtshof. Doch überall wurde die Klage abgewiesen. Wahrscheinlich wäre es heute einfach zu schwierig, all diese Ländereien wieder zusammen zu bringen und zurückzugeben. Immerhin wurden damals über 7000 landwirtschaftliche Betriebe zwangsenteignet, zusätzlich deren gesamtes Hab und Gut, einschließlich Immobilien, Möbel und Kleidung. Über 3 Millionen Hektar Land wurden umverteilt.

 

Nach dem Verbot des Theaterstücks, welches für Heiner Müller einem Arbeitsverbot gleichkam, wurde es für Müller nahezu unmöglich in der DDR zu publizieren. Doch durch den Skandal war die westliche Literaturszene auf ihn aufmerksam geworden und fortan veröffentlichte er zahlreiche Theaterstücke und Prosa in West-Deutschland, Frankreich oder sogar in den USA. Sein Stück „Mauser“ wurde 1975 nach Übersetzung ins Englische in Austin, Texas, uraufgeführt. Sein Leben lang hinterfragte er die kommunistische Revolution des 20. Jahrhunderts, ohne sie jedoch abzulehnen. Für ihn kein Widerspruch.

 

Das Festival „Heiner Müller“ läuft noch bis zum 12. März in den verschiedenen Hebbel Theatern, HAU 1, Stremannstrasse 29, HAU 2, Hallisches Ufer 32 und HAU 3, Tempelhofer Ufer 10. Genaue Veranstaltungsdetails findet Ihr hier

 

Heiner Müller privat

7 Bilder: Heiner Müller privat

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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