Foto.Kunst.Boulevard – 65 Jahre BILD Zeitung

Udo Lindenberg und Jogi Löw © Wolfgang Wilde

Foto.Kunst.Boulevard – 65 Jahre BILD Zeitung

 

Von Holger Jacobs

9.5.2017

Am 24. Juni 1952 erschien die erste Ausgabe der BILD Zeitung in Deutschland mit einer Auflage von 450.000.

Der Verleger Axel Springer hatte während der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg die englischen Boulevard Blätter studiert und festgestellt, dass Informationen auch ohne Text nur durch Bildmaterial an die Leser zu vermitteln sind. Er versammelte zehn Redakteure und 2 Sekretärinnen um sich und legte los. Zunächst kostenlos, musste man kurze Zeit später 10 Pfennig für das 4-seitige Blatt hinlegen. Den ersten Werbekunden für die BILD bekam er erst im Dezember 1952.

Axel Springer hatte gleich nach Kriegsende zusammen mit seinem Vater von der englischen Besatzungsmacht die Lizenz zum Verlegen von Büchern und später auch von Zeitschriften bekommen.

So kam 1946 die HÖRZU auf den Markt, 1948 folgten die CONSTANZE und das Hamburger Abendblatt. Doch erst die BILD Zeitung machten seinen Verlag zum Großunternehmen und marktbeherrschenden Medienkonzern. Ende der 90er-Jahre hatte die Bildzeitung noch eine tägliche Auflage von ca. 4 Millionen. Durch den Erfolg des Internets und damit der einhergehenden Verminderung der gedruckten Zeitungen ging die Auflage bis heute auf ca. 1.6 Millionen zurück.

Die neusten Zahlen vom Mai 2017 bestätigen diesen Trend: weg vom Print und hin zur digitalen Berichterstattung. Der Anteil Digitalumsatz des Konzerns beläuft sich auf 72 % des Gesamtumsatzes (1. Quartal 2017). Axel Springer ist gut ins neue Jahr gestartet und setzt seinen Wachstumskurs fort. Im ersten Quartal stieg der Umsatz des Berliner Medienkonzerns um 6,7 % auf  8362 Millionen Euro. Dabei steuern die digitalen Geschäftsfelder mittlerweile 72 Prozent zu den Erlösen und sogar 80 Prozent zum operativen Ergebnis bei.

Anlässlich des 65. Geburtstages der BILD Zeitung zeigt nun der Martin-Gropius-Bau eine Ausstellung mit herausragenden Bildbeispielen von Fotografen, die für die BILD Zeitung gearbeitet haben.

So gibt es Arbeiten von Andreas Mühe (Helmut Kohl), Martin Schoeller (Angela Merkel), Michel Comte und Ellen von Unwerth, deren Mitwirkung an solch einer Zeitung man nicht für möglich gehalten hätte. Und von weniger bekannten Fotografen, von denen man zumeist nur die Bilder kennt.

Eröffnet wurde die Ausstellung  am vergangenen Donnerstag von Kai Diekmann, der von 2001 bis 2015 Chefredakteur der BILD Zeitung war. Danach wurde er Mitherausgeber des Verlages. Doch im Januar 2017 kam die endgültige Trennung. Momentan soll er ein Angebot des Mitfahrdienstes Uber aus den USA haben…

In seiner Eröffnungsrede sprach Kai Diekmann von der Bedeutung des Bildes als Medium zum Übermitteln von Informationen. So wie heute die Jugend die reinen Bildformate von Social Media Plattformen wie Instagram und Snap Chat nutzt, so verwendete Axel Springer schon vor 65 Jahren Bilder für seine Tageszeitung. Allerdings erlangte die Bildzeitung erst im Laufe des Jahres 1953 ihren Durchbruch, als den Bildern schließlich doch einige Textinformationen hinzugefügt wurden.

Das Video mit der Rede von Kai Diekmann findet Ihr hier.

Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich als Privatmensch ein Foto meines Hundes beim Spazierengehen an meine Freunde schicke, oder ob ich über die Pressekonferenz von Angela Merkel im Kanzleramt berichte. Beim Letzteren ist eine Textzugabe natürlich unverzichtbar.

Abschließend würde ich festhalten, dass journalistische Informationen dann am interessantesten sind, wenn sie verschiedene Medien miteinander kombiniert. Wozu auch Bewegtbild und Sprache zählen sollte.

So wie ich es auf meinem eigenen Portal, dem online Kulturmagazin kultur24.berlin, seit drei Jahren praktiziere…

FOTO.KUNST.BOULEVARD vom 5.5. – 9.7.2017

Museum Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstrasse 7
10963 Berlin
Mi-Mo 10-19 Uhr, Di geschlossen

14 Bilder: Nadja Auermann – Foto: Florian Sommet, Berlin 2012

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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