Galerie Camera Work – Nude and Nature

Jean-Baptiste Huynh - Galerie Camera Work © Jean-Baptiste Huynh

Galerie Camera Work – Nude and Nature

 

Von Holger Jacobs

15.5.2017

Immer wieder erstaunlich ist der Eindruck, den der Besucher der Galerie Camera Work in Berlin gewinnt, wenn er den Torbogen an der lauten, vierspurigen Kantstrasse hinter sich lässt und in den geräumigen 2. Hinterhof der Hausnummer 149 kommt.

Ein wunderschönes Atelierhaus aus den 30er Jahren erwartet den Gast zusammen mit einem kleinen Vorplatz unter schattigen Bäumen. Selten, dass eine Galerie so einen exzeptionellen Platz als Ausstellungsraum finden konnte. Ein reicher Industrieller, der gerne im Hintergrund bleiben möchte, hatte die Camera Work AG (Ihr habt richtig gelesen, eine Aktiengesellschaft!) 1997 gegründet. Die Galerie wird wiederum von der 100% Tochter, der Camera Work GmbH, geführt.

Galerie Camera Work, 2. Hinterhof in der Kantsrasse 149, Berlin-Charlottenburg, Foto: Holger Jacobs

Seit dieser Zeit sind schon einige Jahre vergangen und viele Ausstellungen mit den besten Photographen der Welt wurden durchgeführt. Der CEO der Camera Work AG besaß schon vorher eine außergewöhnliche Sammlung einzigartiger Photographien, die er damals mit einbrachte. Und nun sind nochmals viele wunderbare Arbeiten hinzugekommen. Unter den großen zeitgenössischen Photographen, die von Camera Work verteten werden, sind eine ganze Reihe Modephotographen, wie Peter Lindbergh, Paolo Roversi, Patrick Demarchelier, Russel James, Ellen von Unwerth, Rankin, Bettina Rheims, Michel Comte und einige mehr.

Diese neuste Ausstellung zeigt den französischen Fotografen Jean-Baptiste Huynh (*1966), der sich die Kunst der Lichtbildnerei autodidaktisch beibrachte und sich ganz auf analoge Schwarz-Weiß-Technik spezialisiert hat. Mit einer klassischen 6×6 Kamera werden bevorzugt Oberflächen und Formen dargestellt. Hauptmotive sind dabei Portraits, Akte, Blumen und Stillleben.

Auch die Biographie von Jean-Baptiste Huynh kann sich sehen lassen:

Einzelausstellungen und Beteiligungen im Maison Européene de la Photographie in Paris (2000), in der Fondation Beyeler (2004), in der Ecole des Beaux Arts in Paris (2006), Galerie Sonnabend in New York (2008) und im Musée du Louvre (2016).

Seine Arbeiten erinnern dabei stark an die Photographien eines Robert Mapplethorpe, ohne aber dieselbe Provokation zu besitzen. Selbst bei den Akten kommt wenig erotische Spannung auf. Sie sind einfach nur schön. Wahrscheinlich der starken Überästhetisierung geschuldet.

Wer übrigens genau das Gegenteil dazu sehen möchte, der sollte sich die Bilder des Photographen Jürgen Teller im Martin-Gropius-Bau anschauen. (kultur24.berlin berichtete). Mehr Kontrast geht nicht…

Noch bis zum 8. Juli 2017

Galerie Camera Work
Kantstrasse 149
10623 Berlin
Di – Sa 11-18 Uhr

10 Bilder: Camera Work „Nude and Nature“, Jean-Baptiste Huynh, Foto: Holger Jacobs

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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