Germaine Krull – Martin-Gropius-Bau Berlin

Germaine Krull - Martin-Gropius-Bau 2015, Sammlung Stadtmuseum München

Germaine Krull – Martin-Gropius-Bau Berlin

 

von Holger Jacobs

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17.10.2015

Eine bemerkenswerte Ausstellung der Fotografin Germain Krull mit Bildern aus den 20er Jahren ist zurzeit im Martin-Gropius-Bau zu sehen

Germaine Louise Krull wurde Ende des 19. Jahrhunderts im damaligen preußischen Posen geboren und zog Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihrer Mutter nach München. Dort absolvierte sie eine Ausbildung an der Stattlichen Fachakademie für Fotografie (an der auch ein halbes Jahrhundert später der bekannte Modefotograf Jürgen Teller sein fotografisches Handwerk lernte).

Die Ausstellung zeigt sehr schöne Vintage Abzüge (zwischen 18 x 24 und 20 x 30 cm) in einfachen Holzrahmen, so wie originale Publikationen ihrer zahlreichen Veröffentlichungen, hauptsächlich aus der Pariser Zeit. Erstaunlich, welche Ergebnisse damals noch mit handvergrößerten Abzügen im Labor erzielt wurden. Was auffällt: Viele wirken etwas bräunlich und verschwommen. Ob sie mit der Zeit diesen Farbton annahmen oder schon im Original durch ein chemisches Bad getont wurden, kann ich nicht sagen. Dazu müsste man den Konservator des Münchner Stadtmuseums sprechen, woher viele der Exponate stammen. Ein weiterer Teil stammt aus der Sammlung des Centre Pompidou und dem Folkwang Museum in Essen.

Neben ihrer Qualität als Fotografin ist auch die Person Germaine Krull von besonderem Interesse. Denn Krull gehörte sowohl zur Avantgarde im Paris der 20er Jahre, wie auch zur Künstlerszene in Berlin.

Germain Krull hatte bereits mit 17, noch während des Krieges, ihr erstes Fotostudio in München eröffnet. Besonders der weibliche Akt interessiert sie, sicher auch wegen ihrer homosexuellen Neigungungen. Gleichzeitig wird sie politisch aktiv und engagiert sich in der kommunistischen Bewegung. Nach einer kurzen und wohl ziemlichen enttäuschenden Reise nach Moskau (wurde dort kurzzeitig inhaftiert), kommt sie zurück nach Berlin und verkehrt dort in der Berliner Bohème. Eine ihrer weiblichen Modelle ist die Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber, die mit ihrem schwulen Partner Sebastian Droste die Berliner Kunstszene aufmischte. 1925 geht Germaine nach Paris, wo sie eine vielbeschäftigte Fotografin wird. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen in der Zeitschrift VU, sowie Buchpublikationen. Zu ihren Freunden gehören André Kertesz, Sonja und Robert Delaunay, Man Ray und Walter Benjamin. Bedeutende Arbeiten zum Thema „Metall“ entstehen. Eine ganze Fotoserie widmet sie der Konstruktion des Eiffelturms. Nach dem Krieg versucht sie sich als Kriegsberichterstatterin im franz. Indochinakrieg (Vietnam, Kambodscha und Laos). Danach zieht sie weiter nach Thailand und wird 20 Jahre lang Leiterin des Hotel Oriental in Bangkok. Nach einem Aufenthalt in Indien, wohin sie dem aus Tibet geflohenen Dalai Lama folgte, kommt sie in den 80er Jahren nach Deutschland zurück, wo man sie aber mittlerweile vergessen hat. Zuletzt lebt sie relativ mittellos bei ihrer Schwester in Wetzlar, wo sie 1985 stirbt. Erst allmählich wird der heutigen Kunstszene ihre Bedeutung als Fotografin des 20. Jahrhunderts bewusst.

Die Ausstellung ist zusammen mit dem Museum Jeu de Paume in Paris organisiert und ist noch bis zum 31.01.2016 zu sehen. Öffnungszeiten: Mi – Mo 10 – 19 Uhr

 

 "Dämmerstunden", 20er Jahre, Germaine Krull, Martin-Gropius-Bau, Sammlung Münchner Stadtmuseum © Holger Jacobs

19 Bilder: „Dämmerstunden“, Aktaufnahme der Tänzerin Anita Berber, Germaine Krull, Martin-Gropius-Bau, Sammlung Münchner Stadtmuseum © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist