Götterdämmerung am Rhein

Götterdämmerung, Deutsche Oper am Rhein, Foto: Hans Jörg Michel

Götterdämmerung am Rhein

 

Von Karl-Heinz Bruder

02.11.2018

english text

Am 27. Oktober 2018 hatte der letzte Teil der Neuproduktion vom Ring des Nibelungen in der Deutschen Oper am Rhein seine Premiere. Am Schluss große Begeisterung nach einem langen Opernabend.

Ohne Zweifel, fünfeinhalb Stunden sind eine Herausforderung, die es zu bewältigen galt. Aber die Interpreten dieses kolossalen Opernstückes begeisterten in der Rolle der Brünnhilde durch Linda Watson, Michael Weinius in der Rolle des Siegfried, Hagen wurde verkörpert durch Hans-Peter König, Sylvia Hamvasi sang die Rolle der Gutrune, als Gunther stand Bogdan Baciu auf der Bühne und Katarzyna Kuncio verkörperte die Waltraute.

Alles stimmgewaltige Sängerinnen und Sänger, die in dieser Inszenierung ein rostiges, marodes Rheinschiff bevölkern und auf der„MS Wodan“ ihre Intrigen schmieden. Liebe, Hass, Rache und Tod sind die Lebensinhalte der Protagonisten, einzig getrieben von der Gier nach Herrschaft und Macht. Ziel ist es den „Ring“ zu erlangen. Die Liebe scheint dabei unterzugehen in den Fluten des Rheins.

Hervorragend tönt der gewaltige Bariton des Erzbösewichtes Hagen über das Deck. Ein Mann ohne Lebenslust und Freude, nur den Ring vor Augen und deshalb den Intriganten und Mörder verkörpernd.

Linda Watson als Brünnhilde beherrscht die Szenerie mit ihrer einzigartigen Stimme und zeigt auch in Mimik und Gestik die verratene, rachsüchtige Frau.

Während das Schiff den Rhein herunterfährt, interessant durch eine lange Filmprojektion an den Bühnenwänden illustriert, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Siegfried, hier auch ohne Zaubertrank getäuscht, verrät Brünnhilde und provoziert somit die Rache seiner Gemahlin.

Hagen stellt sich für Brünnhilde in den Dienst ihrer Rache. Zuvor noch aufgestachelt von seinem Vater Alberich, bemerkenswert dämonisch dargestellt durch Michael Kraus, tötet er Siegfried im Lauf einer Jagd. Die Rheintöchter hatten ihn gewarnt, ihm vielleicht einen Ausweg genannt, den er jedoch ausschlug. Und jetzt geht es unweigerlich dem Untergang entgegen. Es ist eine Art „Titanic“ auf der sich diese Gesellschaft befindet und lässt Überlegungen auch zu unserer Zeit zu.

Siegfried ist tot und wird mit den Fahnen unserer deutschen Vergangenheit bedeckt. Eine ganze Reihe von Fahnen, die von der Reichsflagge bis zur Fahne der Bundesrepublik Deutschland reicht. Leichte Irritationen im Publikum, als auch die Hakenkreuzfahne gezeigt wird. Es läßt Fragen offen.

Nachdem Hagen in der Gier nach dem Ring auch Gunther erschlägt, gibt es am Höhepunkt der verhängnisvollen Reise keine Götter mehr und Brünnhilde übergibt alles den Flammen.

Zum Schluss sei noch begeisternd das Orchester der Düsseldorfer Symphoniker und der Chor der Deutschen Oper am Rhein genannt. Letztere traten verblüffend in anmutenden Kostümen rheinischen, karnevalistischen Frohsinns auf und sorgten in der Zuschauerschaft kurzfristig für leichtes Erstaunen.

Fazit dieses Opernabends:
Auch wenn am Schluss spontan ein einzelner, lautstarker Buhruf ertönte, setzte sofort ein frenetischer Applaus ein.
Unzufriedenheitsbekundung gab es allerdings beim Auftritt von Regisseur Dietrich W. Hilsdorf.
Doch für mich ein gelungener Abend und die Bestätigung eines großartigen Hör- und Darstellungsgenusses.
Und ja, 5,5 Stunden Wagner sind durchaus mit anhaltender Begeisterung zu bewältigen. Standing Ovations mit inbegriffen.

„Götterdämmerung“
Richard Wagners Ring des Nibelungen
Musikalische Leitung: Axel Kober, Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer, Licht + Video: Volker Weinhart, Dramaturgie: Bernhard F. Loges
Mit: Michael Weinius / Corby Welch  (Siegfried), Bogdan Baciu / Richard Šveda (Gunther), Michael Kraus / Stefan Heidemann (Alberich), Hans-Peter König / Sami Luttinen (Hagen), Linda Watson / Heike Wessels (Brünnhilde), Sylvia Hamvasi / Anke Krabbe (Gutrune), Sylvia Hamvasi / Anke Krabbe (Waltraute).

Nächste Vorstellungen: 18. und 25. November 2018, 2. Dezember 2018.

Unsere Bilderserie mit 13 Fotos aus „Götterdämmerung“:

Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Götterdämmerung, Deutsche Oper am Rhein, Foto: Hans Jörg Michel

english text

Götterdämmerung on the Rhine
By Karl-Heinz Bruder
02/11/2018
The premiere of the last part of the new production of the Ring of the Nibelung in the Deutsche Oper am Rhein.
Yes, no doubt, a five-and-a-half hour opera challenge to master.
The Deutsche Oper am Rhein gave the premiere of the last part of Richard Wagner’s „Nibelungen Ring“ on 27 October in the production of Dietrich W. Hilsdorf.
The interpreters of this colossal opera inspired in the role of Brünnhilde by Linda Watson, Michael Weinius in the role of Siegfried, Hagen was embodied by Hans-Peter König, Sylvia Hamvasi sang the role of Gutrune, Gunther was Bogdan Baciu on stage and Katarzyna Kuncio played the Waltraute.
All vocal-strong singers who populate a rusty, ailing Rhine ship in this production and forge their intrigues on the „MS Wodan“. Love, hate, revenge and death are the life content of the protagonists, driven only by the greed for power and dominion. The goal is to get the „ring“. Love seems to drown in the floods of the Rhine.
The mighty baritone of arch-villain Hagen sounds excellently over the deck. A man without zest for life and joy, only the ring in mind and therefore the intriguer and murderer incarnate.
Linda Watson’s Brünnhilde dominates the scenery with her unique voice and also shows the betrayed, vengeful woman in facial expressions and gestures.
As the ship descends the Rhine, interestingly illustrated by a long film projection on the stage walls, the fate takes its course. Siegfried, here deceived without a potion, betrays Brünnhilde and thus provokes the revenge of his wife.
Hagen stands for Brünnhilde in the service of this revenge. Previously stirred up by his father Alberich, remarkably demonic represented by Michael Kraus, he kills Siegfried in the course of a hunt. The Rhine daughters had warned him, perhaps called him a way out, but he refused. And now it inevitably goes to the downfall. It is a kind of „Titanic“ on which this society is located and allows considerations also in our time.
Siegfried is dead and covered with the flags of our German past. A whole series of flags, ranging from the imperial flag to the flag of the Federal Republic of Germany. Slight irritation in the audience, as the „Hakenkreuz“ flag of the Nazis is shown. It leaves questions open.
After Hagen slays Gunther in the greed for the ring, there are no gods left at the height of the fatal journey and Brünnhilde gives everything to the flames.
Finally, the orchestra of the Düsseldorfer Symphoniker and the choir of the Deutsche Oper am Rhein are still thrilling. The latter appeared in stunning costumes of Rhenish, carnival-like cheerfulness and caused in the audience at short notice for slight astonishment.

Conclusion of this opera evening:
Even if at the end spontaneously a single, loud booing sounded, immediately set up a frenetic applause.
Dissatisfaction was shown, however, at the the appearance of director Dietrich W. Hilsdorf.
But for me a successful evening and the confirmation of a great listening and visual enjoyment.
And yes, 5.5 hours of Wagner can be tackled with lasting enthusiasm. Standing Ovations included.

„Götterdämmerung“
Richard Wagner’s Ring der Nibelungen
New production by Dietrich W. Hilsdorf
Premiere was on 27.10.2018
Musical direction: Axel Kober, production: Dietrich W. Hilsdorf, stage: Dieter Richter, costumes: Renate Schmitzer, light + video: Volker Weinhart, dramaturgy: Bernhard F. Loges
With: Michael Weinius (Siegfried), Bogdan Baciu (Gunther), Michael Kraus (Alberich), Hans-Peter King (Hagen), Linda Watson (Brünnhilde), Sylvia Hamvasi (Gutrune), Katarzyna Kuncio (Waltraute), Anke Krabbe (Woglinde ), Ramona Zaharia (Floßhilde), Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde).

Next performances: 18th and 25th November 2018, 2nd December 2018.

 

Karl-Heinz Bruder

Author: Karl-Heinz Bruder

Grafiker, Illustrator und Maler und Dozent für Zeichnen. Musik, Literatur und Oldtimer sind seine Leidenschaft. Karl-Heinz Bruder lebt mit seiner Frau Daniela in der Nähe von Düsseldorf am Rhein.

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