Hotel Orania.Berlin – The New Cultural Hot Spot

Hotel Urania.Berlin © Holger Jacobs

Hotel Orania.Berlin – The New Cultural Hot Spot

 

Von Holger Jacobs

6.10.2017

  english text below

Berlin ist die Stadt der Künste. Aber brauchen wir noch ein weiteres Hotel?

Fast jeder Berliner kennt den Oranienplatz in Kreuzberg. Ein Ort für Mai-Demonstrationen und Randale im wilden Kreuzberg der 60er-und 70 Jahre. Zuletzt wohnten dort auf den Grünflächen Flüchtlinge aus Afrika in Zelten.

Als im August 2017 nun ein Hotel in dem ehemaligen Kaufhaus Brenninkmeyer (C&A) direkt am ORANIENPLATZ aufmachte war die Aufregung der Anwohner groß. Noch ein Hotel, noch mehr Touris und dazu auch noch ein Luxushotel. Wo wir hier in Berlin doch schon ein Dutzend 5 Sterne Herbergen haben. Und dann ausgerechnet hier. Das schreit doch nach Gentrifizierung, zumal es sich bei dem Hausherrn um den Besitzer des berühmten Hotel Schloss Elmau handeln sollte, in dessen Prachtbau 2015 der G7 Gipfel mit Merkel und Obama stattfand.

Cabaret Café im Oranienpalast (ca. 1915) Foto: Kunstanstalt Mandowsky/ Wikipedia

Über die Veränderungen einer Stadt könnte man ganze Kapitel, wenn nicht Bücher schreiben. Sie ist eine Tatsache und nicht zu ändern. Gerade in Berlin, welches durch die Insellage in der Sowjetzone der Nachkriegszeit 40 Jahre ein Mauerblümchendasein geführt hat. Nur unterbrochen durch die gewalttätigen Anti-Schah-Demonstrationen und Krawalle gegen die Staatsgewalt in den 60er Jahren. Und durch das wilde Partyleben der vielen Studenten in der einzigen Stadt der alten Bundesrepublik, welche keine Sperrstunde kannte.

Jetzt, 27 Jahre nach dem Mauerfall, hat sich vieles verändert. So schnell, dass ich mich selbst (seit 2004 in Berlin ansässig) wundere, wie schnell es geht. Ich gehe durch die Straßen von Berlin-Mitte und denke: Hey, dieses Haus war doch vor ein paar Monaten noch gar nicht da? Und das passiert mir selbst nach 13 Jahren immer noch. Die Frage stellt sich also: Ist das nun gut oder nicht?

Die Antwort ist ein eindeutiges Ja!

Hotelsuite im 1. Stock des Hotel Orania.Berlin © Holger Jacobs

Trotz der großen Zerstörungen im Krieg ist zum Glück noch sehr viel Bestand erhalten geblieben und die Wende konnte verhindern, dass noch mehr alte Häuser aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen und durch Plattenbauten ersetzt wurden. Angeblich hatte die DDR Regierung schon die Bohrlöcher für die Sprengladungen in den Häusern des Scheunenviertels gebohrt – im Sommer 1989.

Ein großes Glück ist es auch, dass ein paar dieser wunderbaren alten Kaufhäuser der Jahrhundertwende erhalten geblieben sind – oder renoviert werden konnten. Das berühmteste ist natürlich das KaDeWe – das Kaufhaus des Westens – das Paradestück eines Einkaufstempels. Und dann gibt es zum Beispiel das viel kleinere, aber auch sehr schöne Kaufhaus Jandorf an der Brunnenstraße in Berlin-Mitte.

Und dann gibt es ebenfalls das sehr schöne Gebäude des ehemaligen Kaufhauses am Oranienplatz – welches nun im August 2017 das HOTEL ORANIA.BERLIN geworden ist.

Auf dem Video unseres Youtube Kanals Kultur TV hört Ihr Rosanne Philippens (*1986, Hochschule Hanns Eisler Berlin) und Pianist Julien Quentin bei der Eröffnung:

Ihr seht, ich habe lange gebraucht um zu dem Schluss zu kommen, dass es auch im wilden Kreuzberg schöne Immobilien geben darf und das es nicht gleich pompöser Luxus ist, wenn jemand einfach nur geschmackvoll renoviert und aus einem Aschenputtel ein Schneewittchen werden lässt.

Das Hotel Orania.Berlin hat 41 Zimmer, vom kleinen 17 qm Raum bis zur Mehr-Zimmer-Suite mit 140 qm. Die Preise gehen entsprechend von 95 bis 900 Euro. Darin eingeschlossen ist der freie Zutritt zu allen Konzerten und Veranstaltungen des Hauses.

Darin liegt nämlich das Besondere am Hotel Orania.Berlin. Neben dem eigentlichen Hotelbetrieb gibt es ein umfangreiches Kulturprogramm mit 3 – 4 Veranstaltungen pro Woche. Vom klassischen Konzert mit hauseigenem Steinway Flügel über Jazz- und Literaturabende bis zu Elektromusik am Wochenende. Neben dem großen Saal im Erdgeschoss gibt es dazu einen zweiten Veranstaltungsraum im ausgebauten Dachstuhl. Die Künstler kommen alle aus Berlin, viele wohnen in der Nachbarschaft in Kreuzberg.

Am 29. September 2017 gaben der Hausherr Dietrich von Boetticher und sein Managing Partner Dietmar Müller-Elmau eine kleine inoffizielle Einweihungsfeier, bei der ich zugegen sein durfte. Es gab köstliche Speisen als Flying Dinner und verschiedene Konzerte von Klassik bis Jazz. Sogar Regierungssprecher Seibert und Kulturstaatsministerin Monika Grütters waren vorbeigekommen. Ein gelungenes Fest, welches auf viele weitere wunderbare Abende hoffen lässt.

Opening Party, Hotel Orania.Berlin © Holger Jacobs

 

 english text

Almost every Berliner knows the Oranienplatz in Kreuzberg. A place for May demonstrations and the wild Kreuzberg of the 60s and 70 years. Most recently refugees from Africa were living there in tents.

When in August 2017 a hotel in the former department store Brenninkmeyer (C & A) directly at the ORANIENPLATZ opened up was the excitement of the residents were not very large. One more hotel, even more tourist and one more  luxury hotel. In Berlin we have already a dozen of 5 star hostels. And then just at Oranienplatz. This cries for gentrification, especially when it was heard that the owner is the same of the famous Palace Hotel Schloss Elmau, where the G7 summit with Merkel and Obama took place in 2015.

About the changes of a cities you could write whole chapters, if not books. It is a fact and will always be. Especially in Berlin, which was hidden behind a wall for 40 years due to the island situation in the Soviet zone of the post-war period. The only sign of living of Berlin in that period were the violent anti-Shah demonstrations and riots against the state power in West-Berlin in the 60s. And by the wild parties of the students in the only city in Germany, which had no curfew.

Now, 27 years after the fall of the Wall, much has changed. So fast, that I myself (since 2004 resident in Berlin) wondered how fast it goes. I walk through the streets of Berlin-Mitte and think: Hey, this house was still not there a few months ago? And that still happens to me after 13 years. So the question arises: Is that good or not?

The answer is a clear Yes!

Despite the great destruction in the war fortunately still a lot of existence has been preserved and the so called „Wende“ (Change) could prevent that even more old houses from the beginning of the 20th Century were demolished and replaced by Plattenbau (concrete buildings). Allegedly, the GDR government had already drilled the holes for the explosive in the houses of the Scheunenviertel – in the summer of 1989.

It is also a great fortune that a few of these wonderful old department stores of the turn of the century have been preserved – or renovated. The most famous is, of course, the KaDeWe – the department store of the West – the paradise of a shopping stamp. And then there is a much smaller, but also very beautiful department store, the JANDORF at the Brunnenstrasse in Berlin-Mitte.

And then there is also this very beautiful building of a former department store at the Oranienplatz – which has now become the HOTEL ORANIA.BERLIN in August 2017.

You see, I’ve needed a long time to come to the conclusion that there can be nice properties in the wild Kreuzberg too, and that it is not the same pompous luxury, if someone just simply renovated tastefully and turned an old house from Cinderella to Snow-white.

The Hotel Orania.Berlin has 41 rooms, from the small 17 sqm room to the multi-room suite with 140 sqm. The prices are accordingly from 95 to 900 euros. Included is the free entrance to all concerts and events of the house.

And this is the special thing about Hotel Orania.Berlin. In addition to the actual hotel business, there is an extensive cultural program with 3 – 4 events per week. From the classical concert with a Steinway grand piano, to jazz and literature, to weekends with electro music. In addition to the large hall on the ground floor, there is also a second concert room under the extensively designed roof. The artists all come from Berlin, many live in the neighborhood in Kreuzberg.

On September 29, 2017, the owner of the house Dietrich von Boetticher and his managing partner Dietmar Müller-Elmau gave a small unofficial inauguration ceremony, in which I was allowed to be present. There were delicious dishes as a flying dinner and various concerts from classic to jazz. Even government spokesman Seibert and Minister of Cultural Affairs Monika Grütters had passed. A successful feast, which can be hoped for many more wonderful evenings.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist