Justin Timberlake in Berlin

Justin Timberlake in Berlin © Holger Jacobs/ kultur24

Justin Timberlake in Berlin

 

Von Holger Jacobs

14.08.2018

english text below

Der wichtigste Popmusiker unserer Zeit präsentierte ein berauschendes Konzert in Berlin – an zwei Abenden hintereinander.

Zurzeit geben sich in den Berliner Arenen und Stadien die internationalen Superstars der Musikszene die Klinke in die Hand. Im Juli waren die Rolling Stones, Beyoncé, Ed Sheeran, Billy Idol, Nick Cave und Lenny Kravitz da, vor 10 Tagen kam Britney Spears und am 31. August kommen U2.

Justin Timberlake (*1981) zählt sicher neben James Blunt und Ed Sheeran zu den wichtigsten und erfolgreichsten männlichen (weißen) Pop-Musikern des noch jungen 21. Jahrhunderts. Schon seit Kindheitstagen ist Timberlake im Showbusiness. Angeregt von seinem Vater, der Chorleiter einer kirchlichen Gemeinde in Memphis/ Tennessee war, bewarb er sich als 10-jähriger bei einer Castingshow. Zwar konnte er den Wettbewerb nicht gewinnen, wurde dafür aber er von der Fernsehshow „Mickey Mouse Club“ engagiert. Als 12-jähriger trällerte er zusammen mit anderen jungen Talenten, wie Britney Spears (mit der Timberlake von 1998 – 2002 liiert war) und Christina Aguilera, in der beliebtesten Kindersendung Amerikas. Mit 15 wurde er Mitglied in der Boygroup NSYNC und veröffentlichte mit ihnen 5 erfolgreiche Alben. Ab 2002 mit 21 Jahren begann er seine Solokarriere mit Hilfe des genialen Produzenten und Songschreibers Timabaland. In seiner Musik mischt er harte Beats, weichen Soul, R&B Takte und Hip Hop Verse. Womit er ein echtes Kund unserer Zeit ist, denn alle diese Musikstile waren die Topseller der letzten 20 Jahre.

Ohne zu übertreiben kann behauptet werden, dass Justin Timberlake im Bereich Popmusik ein würdiger Nachfolger von Michael Jackson ist. Auch wenn jetzt natürlich viele aufschreien, dass MJ nie mit einem anderen Musiker zu vergleichen wäre, so ist doch nicht nur der Erfolg, sondern vor allem das Musikalische und das Tänzerische beider Künstler durchaus vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass Justin Timberlake sehr viel bodenständiger ist und deshalb vielleicht auch nie so genial sein wird wie Michael Jackson. Doch nimmt man einen Song wie „SexyBack“ von Timberlake, dann passt er im Dance schon sehr gut zu Songs wie „Billy Jean“ von Michael Jackson.

Hier mein Video vom Konzert in der Mercedes-Benz Arena:

Der Abend in der Mercedes-Benz Arena.

Schon auf dem Hinweg in die Arena reihe ich mich in eine schier unendliche Menschenmenge, die sich langsam vom Ostbahnhof in Richtung Arena bewegt. Nach einem unkomplizierten Check-in (nur Taschen bis zu einem Format von DINA4 sind erlaubt, keine Getränke und Essen), lande ich dieses Mal ganz oben auf dem höchsten Rang. Aber ähnlich wie in der Berliner Philharmonie handelt es sich um ein großes Oval mit stark ansteigenden Rängen, so dass der Zuschauer von überall gleich gut sieht und auch der Klang sich gleichmäßig im Raum verteilt. Das Gute ist: Ein schlangenhaft gewundener Pfad läuft durch das ganze Parkett, auf dem später Timberlake hin-und herlaufen wird, so dass jeder ihn mal von der Nähe erfahren darf. Selbst Händeschütteln mit dem Superstar während der Showeinlagen ist möglich und sogar erwünscht.

Leider muss ich 1 1/2 Stunden warten, bis es endlich anfängt. Auf der Karte stand 19.30 Uhr, doch erst um 21.00 Uhr erscheint ein greller Lichtstrahl am Ende der Schlange und Justin Timberlake erscheint mit seiner 2o-köpfigen Crew. Sechs davon sind seine Tänzer, die ihn bei seinen Einlagen begleiten, der Rest die Musiker, die sich ganz hinten mit ihren Instrumenten aufbauen. Und anders als vor ein paar Tagen in der Barclays-Arena in Hamburg, ist hier der Sound perfekt eingestellt. Ich habe in unserer Berliner Arena auch noch nie einen schlechten Klang erlebt, anders als im Olympiastadion (siehe das Beyoncé Konzert).

Justin Timberlake hüpft, springt und tanzt über den Schlangenweg und lässt sich dabei nicht nur von seinen Musikern und Tänzern begleiten, sondern wird lichtmäßig auch von einer wirklich unglaublich guten Lasershow umhüllt, die ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Einfach toll. Und das Schöne: Der Zuschauer merkt, dass es Timberlake selber richtig Spaß macht. Seine Freude und Charme versprüht er im ganzen Saal. Anders, als mancher Superstar, wirkt er keineswegs abgehoben und unerreichbar, sondern im Gegenteil sucht er die Nähe zu seinem (meist) weiblichen Publikum.

Justin Timberlakes Songs sind gut gemachte Arrangements in den oben zitierten Stilrichtungen. Sein neustes Album, „Man of the Woods“, steht hier natürlich im Mittelpunkt und soll ganz seinem Naturell entsprechend auf seine Wurzeln im Süden der USA hinweisen. Dementsprechend gibt es auch ungefähr in der Mitte der Show eine echte Lagerfeuer-Szenerie mit brennenden Holzscheiden und den Musikern, die sich zusammen mit Timberlake darum versammeln. Er natürlich im karierten Holzfällerhemd. Dabei singen seine Mitstreiter Coversongs von Lauryn Hill, Fleetwood Mac, John Denver und sogar von den Beatles. Die wenigen mickrigen Bäume allerdings, die am Schlangenpfad links und rechts stehen, erinnern ein bisschen an die Vegetation in diesem heißen Sommer, müssen aber wohl so dürr sein, damit sie den Blick auf den Sänger nicht einschränken.

Am Schluss nach ca. 2 Stunden Spieldauer kommt der Hit „Can’t stop the feeling“ , Titelsong des Films „Trolls“, der noch einmal alle zum Jubeln bringt. Und Justin verschwindet hinter dem gleichen gleißenden Lichtstrahl, indem er auch schon gekommen war. Symbol für die aufgehende und untergehende Sonne? Der Star Justin Timberlake ist auf jeden Fall schon lange geboren.

Hier unsere Bilderserie vom Konzert am 12.08.2012 in der Mercedes-Benz Arena in Berlin:

Justin Timberlake in Berlin am 12.08.2018 © Holger Jacobs/ kultur24

english text

Justin Timberlake in Berlin
By Holger Jacobs
08/14/2018
The most important pop musician of our time presented a fantastic concert in Berlin – two nights in a row.
At present, all the international superstars of the music scene are coming to Berlin. The Rolling Stones, Beyoncé, Ed Sheeran, Billy Idol, Nick Cave and Lenny Kravitz performed in July, Britney Spears came 10 days ago and U2 on August 31st.
Justin Timberlake (* 1981), along with James Blunt and Ed Sheeran, is one of the most important and successful male (white) pop musicians of the young 21st century. Since childhood he is in the show business. Inspired by his father, who was choirmaster of a church community in Memphis, Tennessee, he applied for a casting show when he was 10 years old. Although he could not win the competition, but he was hired by the TV show „Mickey Mouse Club“. As a 12-year-old he was singing along with other young talents, such as Britney Spears (who was dating Timberlake from 1998 – 2002) and Christina Aguilera, in America’s most popular children’s program. At 15, he became a member of the boy band NSYNC and released with them 5 successful albums. From 2002 at the age of 21, he began his solo career with the help of the brilliant producer and songwriter Timabaland. In his music he mixes hard beats, soft soul, R & B bars and hip hop verses. Which makes him a real artist of our time, because all of these music styles were the top sellers of the last 20 years.
Without exaggeration can be said that Justin Timberlake in the field of pop music is a worthy successor to Michael Jackson. Even though many of them now exclaim that MJ could never be compared to another musician. But not only the success, also in the field of music and the dancelike aspects, both artists are comparable. With the difference that Justin Timberlake is much more down to earth and therefore maybe never as genius as Michael Jackson was. But if you take a song like „SexyBack“ by Timberlake, then it fits very well in the dance to songs like „Billy Jean“ by Michael Jackson.

The evening in the Mercedes-Benz Arena.
Already on the way to the arena I join a seemingly endless crowd moving slowly from the Ostbahnhof towards the Arena. After an uncomplicated check-in (only bags up to a format of DINA4 are allowed, no drinks and no food), this time I land at the top of the highest rank. But similar to the Berlin Philharmonic it is a big oval with high rising ranks, so that the viewer sees equally well from everywhere and the sound is evenly distributed in the room. The good thing is: A snaky winding path runs through the whole parquet, on which Timberlake will run back and forth, so that everyone can get to know him from nearby. Even shaking hands with the superstar during the show is possible.
Unfortunately, I have to wait 1 1/2 hours until it finally starts. The ticket showed 7.30 pm, but only at 9.00 pm appears a bright beam of light at the end of the snake-path and Justin Timberlake appears with his 20-headed crew. Six of them are his dancers who accompany him with his gigs, the rest of the musicians build up at the back with their instruments. And unlike a few days ago at the Barclays Arena in Hamburg, the sound is perfectly tuned here. I have never experienced a bad sound in our Berlin Arena, unlike in the Olympic Stadium (see the Beyoncé concert).
Justin Timberlake jumps and dances along the snake path and is accompanied not only by his musicians and dancers, but is also covered in light by a really incredible laser show, which I haven’t seen in this form. Just great. And the audience realizes that Timberlake is really fun itself. His joy and charm he sprays throughout the hall. Unlike many superstars, he is by no means aloof and unreachable, but on the contrary he seeks proximity to his (usually) female audience.
Justin Timberlake’s songs are well-made arrangements in the above-cited styles. Of course, his latest album, „Man of the Woods“, is in the spotlight here and, according to his nature, is to point out his roots in the south of the USA. So, around the middle of the show, there’s a real campfire scene with burning wood shafts and the musicians gathering around it with Timberlake himself. He of course wears a checkered lumberjack shirt. In this scene, his colleagues sing cover songs by Lauryn Hill, Fleetwood Mac, John Denver and even the Beatles. The few puny trees on the snake trail to the left and right are looking like a reminiscent of the vegetation in this hot summer. But I thing they must be so thin that they do not restrict the view of the singer.
At the end after about 2 hours of playing time comes the hit „Can’t stop the feeling“, the title track of the movie „Trolls“, which once again brings everyone to cheer. And Justin disappears behind the same blazing ray of light, where he had already come. Symbol for the rising and setting sun? The star Justin Timberlake is definitely born long ago.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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