Katharina Sieverding – Käthe-Kollwitz-Preis 2017

Katharina Sieverding - Kunst und Kapital @ Katharina Sieverding Foto: Holger Jacobs

Katharina Sieverding – Käthe-Kollwitz-Preis 2017

 

Von Holger Jacobs

17.7.2017

Große Ehrungen dieses Jahr für eine der wichtigsten deutschen Künstlerinnen der Nachkriegszeit: Katharina Sieverding!

Bis gestern lief in der Bundeskunsthalle in Bonn ihre Retrospektive.

Und jetzt wurde sie in Berlin mit dem Käthe-Kollwitz-Preis ausgezeichnet. Dafür findet in der Akademie der Künste eine Ausstellung mit großformatigen Fotoarbeiten statt. Bis zum 27. August 2017.

Akademie der Künste Berlin im Hansaviertel © Holger Jacobs

Wie für so viele Künstler*nnen ihrer Generation sind die politischen Zustände und die gesellschaftlichen Verhältnisse für Katharina Sieverding einer der Hauptthemen ihrer Arbeiten.

1944 in Prag geboren. Mit 19 Jahren ging sie nach Hamburg auf die Hochschule der Bildenden Künste und nur ein Jahr später auf die Düsseldorfer Kunstakademie, wie auch Gerhard Richter, Heinz Mack, Otto Piene, Günther Ücker und Sigmar Polke. Mit 23 Jahren wurde sie Meisterschülerin bei Joseph Beuys.

In den 70er und 80 Jahren reiste sie nach China, in die USA und in die Sowjetunion. Ihre Arbeiten kreisen um die Themen Individuum, Geschlechter, Makrokosmos – Mikrokosmos, Gesellschaft und Politik. Das bevorzugte Medium wurde die Fotografie. Früh entdeckte sie für sich die großen Formate.

Bereits in den 70er Jahren beginnt sie fotografische Arbeiten als Plakate im öffentlichen Raum auszustellen. Auf der Dokumenta 6 zeigt sie 1977 auf einer Plakatwand das Großfoto „Hammer und Sichel – Fliegen über Nevada“, eine Kollage mit einer Aufnahme der Stadt Boston und einem darüber kopierten Filmstill, in dem ein Mörder eine Frau würgt.

Sie war drei Mal nacheinander auf die Dokumenta nach Kassel eingeladen (d5, d6, d7) und drei Mal auf der Biennale in Venedig (1976, 1980, 1997).

Die für mich interessantesten Arbeiten aus der Ausstellung in Berlin sind:

„Schlachtfeld Deutschland“ von 1978, bei der der gesellschaftliche Konflikt in Deutschland mit der Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion) zum Thema wird. Diese Zeit wurde auch als der „Deutsche Herbst“ bekannt.

„Bombensicher Bundeskunsthalle Bonn“ von 1983, indem Katharina Sieverding Bezug nimmt auf die Erfindung und den möglichen Einsatz der so genannten Neutronenbombe, die nur Lebewesen tötet, aber die städtische Infrastruktur unbeschädigt läßt.

„Deutschland wird deutscher“ von 1992 deutet auf die Anfänge einer nationalen Stimmung in der Bevölkerung nach der Wiedervereinigung 1990 hin.

„Global Desire II“, von 2017 mit der Aufschrift „Am falschen Ort“ über den Syrienkrieg und die Flüchtlingswelle. Die Arbeit zeigt zum einen das syrische Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien, welches mit 100.000 Bewohnern die 5-größte Stadt des Landes darstellt. Zum anderen zeigt das Bild die schemenhaften Umrisse von zwei russischen Soldaten, die eine Bombe am einem Kampfflugzeug befestigen.

Käthe-Kollwitz-Preis 2017. Katharina Sieverding
1. Juli – 27. August 2017

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
Di – So 11 – 19 Uhr

14 Bilder: „Schlachtfeld Deutschland“, 1978, Katharina Sieverding, Akademie der Künste Berlin im Hansaviertel © Holger Jacobs

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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