Kultur München März 2017

Franz Marc - Der Turm der blauen Pferde - Reproduktion © bpk

Kultur München März 2017

 

Von Karin-Jacobs-Zander

2.3.2017

München im März: Andrea Chenier und noch einiges mehr

Bayerische Staatsoper

Premiere im Nationaltheater am 12. März mit der Neuproduktion von Umberto Giordanos „Andrea Chenier“ mit dem Dream-Team Jonas Kaufmann und Anja Harteros.

Der Countdown läuft. Die Kostüme sind genäht, das Bühnenbild ist fertig, jetzt stehen noch die BO‘ s – die Bühnenorchesterproben – und die Generalprobe bevor und dann ist auch schon der Tag da, an dem Jonas Kaufmann und Anja Harteros als großes , tragisches Liebespaar zu Opfern der Grausamkeiten während der Französischen Revolution werden. „Unser Tod ist der Triumpf der Liebe.“ versichern sie sich und gehen am Ende des Abends gemeinsam zum Schafott, nachdem sich der ganze Rausch einer unsterblichen Liebesgeschichte entfaltet hat.

Die Fans von Jonas Kaufmann atmen auf: Nach seiner monatelange Pause , einem vielbewunderten Comeback als Lohengrin in Paris, zwei Konzerten London und einem glanzvollen Auftritt beim Wiener Opernball ist er endlich wieder „zuhause“ und, wie die ersten Interviews und Auftritte zeigen, im Vollbesitzt sowohl seiner Sanges- und Schauspiellust als auch seiner Stimmschönheit. Er kennt die Oper „Andrea Chenier“ (sein Rollendebut war 2015 in London) und weiß, was sie ihm abverlangt. Es gäbe nur wenige Rollen, die sich so sehr steigern und in denen man „sich die Seele aus dem Leib“ singen darf, wie diese, sagt er und man spürt die Leidenschaft, mit der er sich in die Rolle hinein wirft. Seine Partnerin ist die von ihm und vom Publikum hoch verehrte Anja Harteros, die hier ihr Rollendebut gibt.

Spannende Erwartung richtet sich auf den Regisseur Philipp Stölzl. Wer seine berührende Inszenierung von Cavalleria Rusticana und I Pagliacci in Salzburg gesehen hat, darf sich auf eine gekonnte Personenregie und eine am Stück orientierte Interpretation freuen. Stölzl gibt sein Hausdebut an der Bayerischen Staatsoper , so wie auch der junge israelische Dirigent Omar Meir Wellber zum ersten Mal im Nationaltheater zu hören sein wird. Ein ausführlicher Bericht über die Aufführung folgt nach der Premiere.

Cuveillés Theater

Eine Premiere ganz anderer Art gibt es am 28.März im Cuvilliés-Theater , der wunderschönen Nebenbühne des Nationaltheaters:

„Der Consul“ heißt die Oper von Gian Carlo Menotti, die er 1950 schrieb.

Es ist ein Stück über das verzweifelte Warten auf ein Einreisevisum und könnte aktueller nicht sein. Christiane Lutz inszeniert diesen eindringlichen Appell für mehr Humanität mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Es spielt das Münchner Kammerorchester.

Theater

Residenztheater – Marstalltheater

Neben seiner großen Bühne bespielt das Residenztheater auch regelmäßig das Marstalltheater, wenn es um Stücke geht, die aus dem Rahmen fallen.
Am 11. März hat ein wirklich außergewöhnliches Stück dort Premiere:
„In einem Jahr mit 13 Monden“
Das Drehbuch schrieb Rainer Maria Fassbinder, Regie führt Aureliusz Smigiel
Dort, wo die Geschichte der Elvira Weishaupt beginnt, ist sie beinahe schon an ihrem Ende angelangt.  Früher einmal, „in einem anderen Leben fast“, als Elvira noch Erwin hieß, gab es so etwas wie ein normales Leben mit Frau und Kind und einer Arbeit als Metzger. Doch dann verliebte Erwin sich in Anton…

Volkstheater

Das Volkstheater München hat, anders als ein Name vielleicht vermuten lässt, ein progressives Repertoire und immer wieder kommen neue, herausfordernde Inszenierungen hinzu. So hat am 31. März Henrik Ibsens „Baumeister Solness“ Premiere in der Regie von Hausherr Christian Stückl und mit Maximilian Brückner in der Titelrolle.
Baumeister Solness hat seine Karriere hauptsächlich auf Kosten der Konkurrenz und unter Ausnutzung seiner Mitarbeiter aufgebaut. Als ihm durch den Brand des Elternhauses seiner Frau, bei dem seine beiden Kinder sterben, ein großes Grundstück zufällt, beginnt sein Aufstieg. Die Schuld, die er zu verdrängen sucht, zieht jedoch nicht Erfolg sondern Unglück nach sich.

Musik

Herkulessaal

Seit vielen Jahrzehnten schon bietet der ehrwürdige Herkulessaal in der Residenz Konzerte mit herausragenden Weltklasse-Künstlern an.
Am 13. März konzertiert Hilary Hahn, eine der ganz großen Geigenvirtuosinnen unserer Zeit zusammen mit dem Pianisten Robert Levin in diesem Saal. Auf dem Programm stehen u.a. Werke von Bach, Mozart und Schubert.

Prinzregentheater

Auch das Prinzregententheater, um 1900 nach dem Vorbild des Bayreuther Festspielhauses gebaut, ist ein Tempel für Theater und Musik.Am 5. März gastiert hier der Bariton Matthias Goerne zusammen mit dem Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks unter Radoslaw Szulc. Lieder von Schubert und das Streichquartett d-Moll „Der Tod und das Mädchen in der Bearbeitung für Streichorchester von Gustav Mahler.

Ein ganz anderes Konzert gibt es am 7. März , wenn sich die beiden Pianisten Andreas Kern und Paul Bibis im Piano Battle duellieren.
Die beiden Kombattanten müssen nicht nur mit Virtuosität am Klavier punkten, sondern auch mit Witz und Charme das Publikum auf ihre Seite bringen. Denn seine Gunst entscheidet. Das verspricht beste Unterhaltung nicht nur für Klassik-Freunde!

Kunst

Pinakothek der Moderne

„Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc“

Eine außergewöhnliche Ausstellung kündigt sich in der Pinakothek der Moderne an:
Das berühmte Bild von Franz Marc „Der Turm der blauen Pferde“ , 1913 entstanden, verschwand auf mysteriöse Weise nach dem Zweiten Weltkrieg und ist bis heute unauffindbar. Dabei hatte man es zunächst erfolgreich vor den Schergen des Nazi Regimes retten können. Doch in den Wirren danach ging es verloren. Einzig eine Vorstufe zu dem Bild, heute im Besitz der Bayerischen Gemäldesammlung, ist noch zu bewundern. Ein gutes Dutzend von zeitgenössischen Künstlern hat sich das Bild von Franz Marc zum Thema gemacht und eigene Werke dazu erarbeitet. Jetzt zu sehen in der Pinakothek der Moderne.

Zeitgleich findet in Berlin eine Ausstellung mit demselben Thema im Haus am Waldsee statt mit Arbeiten von weiteren 12 Künstlern.

Pinakothek der Moderne
Vom 9. März bis 5. Juni 2017

20 Bilder: Jonas Kaufmann auf Schloss Elmau © Holger Jacobs

 

 

Karin Jacobs-Zander

Author: Karin Jacobs-Zander

Karin Jacobs-Zander, Dramaturgin und Autorin der Bücher „Lebenslotsen“ und „Wo München am schönsten ist“ aus dem Ellert & Richter Verlag, lebt in München als freie Journalistin

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.