Le Nozze di Figaro – Staatsoper Berlin

Le Nozze di Figaro – Staatsoper Berlin

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂    (fünf von fünf)

Von Holger Jacobs

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8.11.15

Liebe Kulturfreunde,

 

Mozart, ach Mozart, wir lieben Dich! Irgendwie erinnern seine Opern an amerikanisches Popcorn Kino. Man lehnt sich zurück, lässt die heitere Musik über sich fließen und sieht belustigt dem Treiben auf der Bühne zu. Wer da mit wem was treibt, wer da wen liebt und oder auch nicht mehr liebt, ist nur schwer zu durchschauen, zumal auf italienisch gesungen wird und der Zuschauer trotz deutscher Übersetzung auf einer Projektion Schwierigkeiten hat den Liebeswirrungen zu folgen. Nicht unähnlich den Liebesdramen von Shakespeare. Ein fröhliches Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel, wo jeder mal jeden betrügt und am Ende doch alles gut ausgeht – genau wie in einem Film aus Hollywood – Entertainment at it’ s best!

 

Worum geht es:

 

Figaro und Susanna arbeiten für Graf und Gräfin Almaviva als Kammerdiener, bzw. Kammerzofe. Sie haben sich ineinander verliebt und wollen bald heiraten. Der Graf aber hat auch ein Auge auf Susanna geworfen und möchte die Hochzeit deshalb verhindern. Das Stück beginnt, als die gesamte Hofgesellschaft für die Zeit der Ferien in eine Villa am Meer zieht. Dort nehmen die Verwicklungen ihren Lauf. Der Page Cherubino (in einer sog. „Hosenrolle“, gespielt und gesungen von einer Frau) liebt alle Frauen, besonders Susanna, die Gräfin und Barbarina, die Tochter des Gärtners. Als er mal wieder bei Susanna ist und sie anschmachtet, kommt der Graf hinzu und will ihn aus Eifersucht zum Militär versetzen.

 

Die Gräfin Almaviva wiederum ist tief verletzt über die Untreue ihres Mannes und sinnt auf Rache. Zusammen mit Susanna heckt sie den Plan aus dem Grafen durch einen Brief von einem vermeintlichen Rendez-vous mit Susanna in Kenntnis zu setzen, in Wirklichkeit verkleiden sie den Pagen Cherubino als Frau und wollen ihn statt Susanna dort hinschicken. Zwischenzeitlich gibt es noch Verwicklungen über die Herkunft Figaros, der als Findelkind adoptiert wurde. Es stellt sich heraus, dass die Haushälterin des Grafen, Marcellina und der Arzt aus Sevilla, Bartolo, seine wahren Eltern sind. Als der Graf die Intrige von seiner Gräfin, Susanna und Cherubino herausfindet, ändern die Frauen ihren Plan. Nun soll die Gräfin als Susanna zum Rendez-vous mit dem Grafen gehen, während Susanna als Gräfin verkleidet zu Figaro geht. Am Ende klärt sich alles auf und der Hochzeit von Susanna und Figaro steht nichts mehr im Wege.

 

Die Inszenierung:

 

Jürgen Flimm, Intendant der Staatsoper seit 2010 und hier beim „Figaro“ auch Regisseur, ist ein alter Hase des Bühnenfachs. Geboren 1941 in Gießen, studierte er Theaterwissenschaft in Köln und landete 1968 als Regieassistent in den Münchner Kammerspielen. Seine größten Erfolge feierte er später als Intendant des Hamburger Thalia Theaters in den 80er- und 90er- Jahren. Aber auch die Opernregie wurde ihm früh herangetragen. Die erste 1978 an der Frankfurt Oper. Und jetzt „Le Nozze di Figaro“ in seinem eigenen Haus. Um es kurz zu machen – für mich stimmte alles. Eine runde Sache, angefangen vom Bühnenbild (Magdalena Gut), dem Licht (Olaf Freese – ein Meister seines Fachs), den Kostümen (Ursula Kudrna) und das hohe Niveau der Sängerinnen und Sänger. Allen voran mal wieder Anna Prohaska als Susanna. Ihr Charme überstrahlt die Bühne. Die wesentlichen Elemente der Inszenierung sind Fröhlichkeit und Lebendigkeit. Flimm lässt ein derartiges Feuerwerk an guter Laune und Gags auffahren, dass später in der Pause ein Herr zu mir sagte, der Komik wäre ihm zu viel gewesen. Dem kann ich mich aber nicht anschließen. Ich denke sogar, dass Mozart sein eigenes Stück genauso inszeniert hätte, wie Flimm es jetzt tat. Vor allem ist es schnell inszeniert. Immer passiert etwas, selbst bei den Arien bleiben die anderen nicht still sitzen, sondern üben irgendwelche Tätigkeiten aus. Und wie Cherubino (Marianne Crebassa) sich an seine Frauen ranmacht ist ziemlich sexy. Ich auf jeden Fall habe mich entspannt in den Sessel gelehnt und mich am Geschehen auf der Bühne und an der Musik berauscht (den Gassenhauer „Non più andrai, farfallone amoroso“ – „Dort vergiss leises Flehn, süßes Kosen“ hat jeder schon mal im Radio gehört). Wie gesagt, es fehlte nur noch das Popcorn…

 

Am Schluß gab es langen Applaus für alle Beteiligten, besonders für Gustavo Dudamel (seit gestern Abend bin ich großer Fan) und Marianne Crebassa als Cherubino. An der Garderobe hörte ich viele positive Stimmen und eine Dame sagte, dieses Stück wird noch lange laufen. Ob es auch die 40 Jahre Laufzeit erreicht, wie “Der Barbier von Sevilla” in der Inszenierung von Ruth Berghaus? Die Chancen stehen gut.

 

“Le Nozze di Figaro” (1786)
Wolfgang Amadeus Mozart
Musikalische Leitung: Gustavo Dudamel
Regie: Jürgen Flimm
Figaro: Lauri Vasar
Susanna: Anna Prohaska
Graf Almaviva: Ildebrando D’ Arcangelo
Gräfin Almaviva: Dorothea Röschmann
Cherubino: Marianne Crebassa

Spieldauer ca. 3 ½ Stunden, eine Pause

Susanna (Anna Prohaska) und Figaro (Lauri Vasar), "Le Nozze di Figaro" Staatsoper Berlin 2015 © Holger Jacobs

58 Bilder: Susanna (Anna Prohaska) und Figaro (Lauri Vasar), „Le Nozze di Figaro“ Staatsoper Berlin 2015 © Holger Jacobs

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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