Les Contes d‘ Hoffmann – Deutsche Oper Berlin

Les Contes d' Hoffmann - Deutsche Oper - Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Les Contes d‘ Hoffmann – Deutsche Oper Berlin

 

Von Holger Jacobs

5.12.2018

english text

Wertung:  🎭  🎭  🎭  🎭  (vier von fünf)

Fantasievolle Erzählungen mit der wunderbaren Musik von Jacques Offenbach.

Hintergrund 1

Jacques Offenbach (*1819 – †1880) würde heute als perfekter Europäer gehandelt. In Köln aufgewachsen, brachte ihn sein Vater bereits im Alter von 14 Jahren auf das Konservatorium nach Paris. Dort blieb er, mit Ausnahme kurzer Unterbrechungen, bis zu seinem Lebensende und wurde einer der berühmtesten Musiktheaterkomponisten seiner Zeit. Die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ ist neben der Oper „Carmen“ von Georges Bizet das meistgespielte französische Bühnenwerk weltweit.

7 Photos: Hoffmann (Daniel Johansson) singt dasLied von „Klickzach“, „Les Contes d‘ Hoffmann“, Deutsche Oper Berlin, Foto: Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Hintergrund 2

„Les Contes d‘ Hoffmann“ (Hoffmanns Erzählungen) sind nicht nur einer der berühmtesten Werke der Musikgeschichte, sondern auch eines der spektakulärsten, was ihre Entstehung anbelangt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Offenbach der bekannteste Komponist in Paris, besonders seine Werke aus dieser Zeit, wie „Die schöne Helene“ (La Belle Hélène), „Das Pariser Leben“ (La Vie Parisienne) und natürlich „Orphée aux Enfers“ (Orpheus in der Unterwelt) mit dem berühmten „CanCan“, ein schneller Tanz im 2/4 Takt, der auch als „Höllenritt“ bezeichnet wird.

„Moulin Rouge“, the french CanCan, 1851, Henri-Toulouse-Lautrec

Nachdem Jacques Offenbach während des Deutsch-Franz. Krieges 1870/71 Frankreich verlassen hatte, kehrte er kurz danach zurück, musste aber feststellen, dass seine Beliebtheit beim Pariser Publikum nachgelassen hatte. Dennoch war sein Tatendrang ungebrochen. So hatte er die Idee aus dem erfolgreichen Theaterstück von Jules Barbier, „Les Contes d‘ Hoffmann“, welches aus verschiedenen Erzählungen des Dichters E.T.A. Hoffmann bestand, eine Oper zu komponieren. Jules Barbier schrieb das Libretto, wobei der Erzähler Hoffmann selbst zum Helden seiner eigenen Geschichten wird.

Nur wenige Jahre später, 1880, verstarb Offenbach plötzlich und unerwartet. Von der Partitur zu „Hoffmanns Erzählungen“ gab es bis dahin nur die Stimmen und eine Klavierbegleitung. Also engagierte die Witwe Offenbachs den Komponisten Ernest Guiraud, um aus dem Nachlass eine aufführungsfähige Partitur zu erstellen. Bei der Uraufführung am 10. Februar 1881 fehlte dann aus unerfindlichen Gründen der 4. Akt, der Guiletta Akt. In den folgenden Jahrzehnten wurden an der Oper immer wieder Veränderungen durchgeführt, wodurch mehr als 1000 Manuskriptseiten entstanden. Heute wird fast immer der Guiletta Akt gespielt, weshalb die Aufführungsdauer 3 1/2 Stunde beträgt.

Unser kurzes Video auf kultur24 TV:

Handlung und Kritik

Laurent Pelly, der Regisseur der Inszenierung, hat eine der erfolgreichsten Produktionen von Jacques Offenbachs „Les Contes d‘ Hoffmann“ realisiert. Als ausgewiesener Offenbach-Kenner brachte er bereits 2003 diese Inszenierung in Lausanne auf die Bühne, die danach von vielen Opernhäusern der Welt übernommen wurden. So in San Francisco, Barcelona und New York. Und jetzt auch von der Deutschen Oper in Berlin.

Die Oper beginnt mit einem Treffen von Studenten in einer Kneipe. Einer unter ihnen, Hoffmann, ist unsterblich in Stella verliebt, einer Sängerin, die zur selben Zeit auf der Bühne steht und die Donna Anna in Mozarts „Don Giovanni“ singt. Während Hoffmann also auf das Ende der Aufführung wartet, um seine geliebte Stella wiederzusehen, erzählt er seinen Freunden Geschichten über seine bisherigen Liebeserfahrungen, die alle tragisch endeten.
Es beginnt mit der Liebe zu einer mechanischen Puppe, Olympia, deren Besonderheit er erst entdeckt, als er sich schon Hals über Kopf in sie verliebt hat. Sein nächstes Drama ist die Liebe zu der schönen Antonia, die von ihrem Vater dazu angehalten wird nicht zu singen, da daran bereits ihre Mutter verstorben war. Als Hoffmann sie dennoch zum Singen bringt, stirbt auch sie.
Als letztes lernt er in Venedig die Kurtisane Guilietta kennen, die Hoffmann dazu überredet, ihr sein Spiegelbild zu überlassen, damit sie es als Pfand gegen einen Diamanten austauschen kann. Hoffmann lässt sich überreden und wird ohne Spiegelbild zum Gespött der Leute.
Im Epilog sehen wir wieder die Studenten in der Kneipe. Als Stella hereinkommt, um Hoffmann zu treffen, weist er sie ab, weil er keine Enttäuschungen mehr ertragen kann.

Auch wenn die Inszenierung bereits 15 Jahre alt ist, so kann sie den Zuschauer doch immer noch mitreißen. Besonders der zweite Akt mit der mechanischen Puppe, die mich unwillkürlich an den Roboter Maria in „Metropolis“ von Fritz Lang erinnert, ist grandios realisiert. Wie hier die Puppe auf einem (fast) unsichtbaren Kran durch die Lüfte schwebt ist ein gelungener Gag. Und die Sängerin der Olympia, die Rumänin Cristina Pasaroiu, brilliert mit einem schönen Sopran und toller Mimik als Puppe. Sie spielt und singt ebenfalls die Rolle der Guilietta, der Stella und der Antonia. Auch der schwedische Tenor Daniel Johansson als Hoffmann kann überzeugen und zeigt starke Bühnenpräsenz. Enrique Mezzola auf dem Dirigentenpult bringt große Dynamik in dieses schwungvolle Singspiel. Einzig die Bühne wirkt etwas überholt. Die grauen Wände, die die Szenerie umspielen, wirken etwas nüchtern und langweilig.

Fazit: Dank Laurent Pelly und Jacques Offenbach ist der Deutschen Oper eine überzeugende Produktion gelungen.

„Les Contes d‘ Hoffmann“ von Jacques Offenbach
Deutsche Oper Berlin
Musikalische Leitung: Enrique Mazzola, Inszenierung, Kostüme: Laurent Pelly, Bühne: Chantal Thomas. Einstudierung der Wiederaufnahme: Christian Räth.
Hoffmann: Daniel Johansson, Olympia; Antonia Giulietta, Stella: Cristina Pasaroiu; Lindorf, Coppélius, Miracle, Dapertutto: Alex Esposito; La Muse, Nicklausse: Irene Roberts; Andrès, Cochenille, Frantz, Pitichinaccio: Gideon Poppe; La Voix de la mère: Maiju Vaahtoluoto; Spalanzani: Jörg Schörner; Mâitre Luther: Tobias Kehrer; Crespel: James Platt; Hermann: Bryan Murray; Schlemil: Byung Gil Kim; Nathanael: Ya-Chung Huang; Chor der Deutschen Oper Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin

Nächste Vorstellungen: 8., 15. Dezember 2018, sowie 5., 9. und 13. Januar 2019

Unsere Bilderserie der Produktion mit 7 Fotos:

Hoffmann (Daniel Johansson) und Nikolausse (Irene Robert), „Les Contes d‘ Hoffmann“, Deutsche Oper Berlin, Foto: Bettina Stöß

english text

Les Contes d ‚Hoffmann in the Deutsche Oper
By Holger Jacobs
05/12/2018
Fanciful stories with the wonderful music of Jacques Offenbach.
Background 1
Jacques Offenbach (* 1819 – † 1880) would today act as a perfect European. Grown up in Cologne, his father took him to the conservatory in Paris at the age of 14. There he remained, with the exception of brief interruptions, until his death and became one of the most famous music theater composers of his time. The opera „Hoffmann’s Tales“ is the most performed French stage work worldwide, alongside the opera „Carmen“ by Georges Bizet.
Background 2
„Les Conte d ‚Hoffmann“ are today not only one of the most famous works of music history, but also one of the most spectacular in terms of their genesis. In the middle of the 19th century, Offenbach was certainly the best-known composer in Paris, especially his works from that period, such as „The Beautiful Helene“ (La Belle Hélène), „The Parisian Life“ (La Vie Parisienne) and of course „Orpheus in the underworld“ with the famous „CanCan“, a fast dance in 2/4 time, which is also called „hell ride „.
After Jacques Offenbach left France during the German-France War in 1870/71, he returned shortly afterwards, but found that his popularity had waned in the Parisian audience. Yet his drive was unbroken. So he had the idea from the successful play by Jules Barbier, „Les Contes d ‚Hoffmann“, which from different stories of the poet E.T.A. Hoffmann insisted on composing an opera. Jules Barbier wrote the libretto, whereby Hoffmann himself becomes the hero of his own stories.

Only a few years later, in 1880, Offenbach died suddenly and unexpectedly. From the partitur of „Hoffmann’s Tales“ there were until then only the voices and a piano accompaniment. Thus, the widow of Offenbach engaged the composer Ernest Guiraud to create a performable score of these notes. At the premiere on February 10, 1881, the fourth act, the Guiletta act, was missing then for some unknown reason. In the following decades, changes were made at the Opera again and again, creating over 1000 manuscript pages. Today, the Guiletta act is almost always played, which is why the duration of the performance is now 3 1/2 hours.
Critics and story
Laurent Pelly, the director, has realized one of the most successful productions of Jacques Offenbach’s „Les Contes d ‚Hoffmann“. As a proven Offenbach connoisseur he brought this production on stage in Lausanne in 2003, which were then taken over by many opera houses in the world. So in San Francisco, Barcelona and New York. And now also by the Deutsche Oper in Berlin.
Thus, this production is not quite dewy. Nevertheless, the viewer sees (and hears) immediately that Pelly has achieved a convincing production.
The opera begins with a meeting of students in a pub. One of them, Hoffmann, is madly in love with Stella, a singer who is on stage at the same time as Donna Anna in Mozart’s Don Giovanni. While Hoffmann waits for the end of the performance to see his beloved Stella again, he tells his friends stories about his previous love experiences, which usually ended tragically. He begins with the love to a mechanical doll, Olympia, whose peculiarity he discovered only when he had already fallen in love to her. His next drama is the love to the beautiful Antonia, who was urged by her father not to sing because her mother had already died by singing. When Hoffmann still makes her sing, she really dies.

Finally, in Venice, he meets the courtesan Guilietta, who persuades Hoffmann to give her his mirror reflection, so that she can exchange it for a pawn against a diamond. Hoffmann lets himself be persuad and becomes a laughing stock of the people without a mirror image. In the epilogue we see again the students in the pub and Stella comes to meet Hoffmann. But he rejects her, because he can no longer bear disappointments.
Even if the staging is already 15 years old, it can still fascinate the viewer. Especially the second act with the mechanical doll, which reminds me of „Metropolis“ by Fritz Lang, is realized in a grandiose way. How the doll floats through the air on an (almost) invisible crane is a great gag. And the singer of the Olympia, the Romanian Cristina Pasaroiu, shines with a beautiful soprano and great facial expression as a doll. She also plays and sings the role of Guilietta, Stella and Antonia. Even the Swedish tenor Daniel Johansson as Hoffmann can convince and shows strong stage presence. Enrique Mezzola on the conductor’s rostrum brings great dynamics into this swinging opera piece. Only the stage design looks a bit outdated, the gray walls that play around the scenery seem a bit sober and boring.
Conclusion: Thanks to Laurent Pelly and Jacques Offenbach, the Deutsche Oper Berlin has once again achieved a big hit.
„Les Contes d ‚Hoffmann“ by Jacques OffenbachGerman Opera Berlin
Musical direction: Enrique Mazzola, production, costumes: Laurent Pelly, stage: Chantal Thomas. Rehearsal rehearsal: Christian Räth. Hoffmann: Daniel Johansson, Olympia; Antonia Giulietta, Stella: Cristina Pasaroiu; Lindorf, Coppélius, Miracle, Dapertutto: Alex Esposito; La Muse, Nick Lausse: Irene Roberts; Andrès, Cochenille, Frantz, Pitichinaccio: Gideon Poppe; La Voix de la mère: Maiju Vaahtoluoto; Spalanzani: Jörg Schörner; Mayor Luther: Tobias Kehrer; Crespel: James Platt; Hermann: Bryan Murray; Schlemil: Byung Gil Kim; Nathaniel: Ya-Chung Huang; Chorus of the Deutsche Oper Berlin, Orchestra of the Deutsche Oper Berlin
Next performances: 8th, 15th December 2018, 5th, 9th and 13th January 2019

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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