Louis Vuitton S/S collection 2018

Emma Stone for Louis Vuitton © Louis Vuitton

Louis Vuitton S/S collection 2018

 

Von Katja Andreae

20.03.2018

english text below

Die neue Frühjahr/ Sommerkollektion 2018 von Louis Vuitton jetzt weltweit in den Flagshipstores

Anachronismus am Leibe

Die Schaufenster der großen Modehäuser schreien schon längst nach Frühling, während der deutsche Winter abermals kein Ende zu finden scheint. Denn obwohl der dicke Wintermantel weiterhin unsere März Garderobe zu dominieren weiß, ist die Mode seiner (Jahres)Zeit natürlich weit voraus. Es lohnt sich also in diesen Tagen einmal genauer in jene Schaufenster zu blicken! Nicht nur um Hoffnung aufkeimen zu lassen, dass es in diesem Jahr noch einmal warm werden könnte, auch haben sich die großen Designer wieder einmal Raffiniertes einfallen lassen, um der Mode eine (vermeintlich) neue Bedeutung zukommen zu lassen.

Flagshipstore Louis Vuitton in Berlin am Kudamm 185, Foto: Holger Jacobs

So etwa auf dem Kurfürstendamm, touristische Shopping Meile und Pflaster für Nobel Boutiquen zugleich. Dort sticht insbesondere das Ladenfenster des französischen Luxuslabes Louis Vuitton ins Auge, für dessen Kreationen seit nunmehr fünf Jahren der französische Designer Nicolas Ghesquière verantwortlich ist.

Er hat seine Kollektion in dieser Saison dem Anachronismus verschrieben. Ein Terminus, der zugegebenermaßen erst einmal verstanden werden möchte. Gemeint ist die gewollte oder auch fälschlicherweise vorgenommene Verwechslung von Zeiten, Ereignissen, Dingen oder Personen. Subjekte werden in einen, ihrer Zeit nicht entsprechenden, (neuen) Kontext gestellt.

Nicolas Ghesquière © Louis Vuitton

Wie funktioniert Anachronismus in der Mode?

Man nehme historische Elemente aus der Kostümgeschichte, wie etwa metallisch verzierte Gehröcke, bestickte Kleider à la Botticelli und ledernde Korsagen und mixe diese mit angesagter Sportswear. Botticelli würde sich höchst wahrscheinlich im Grabe umdrehen, blickte er auf die Frühjahrskollektion des Hauses Louis Vuitton. Denn ja, es scheint in der Tat absurd zu sein, ein harmonisches Miteinander aus, Jahrhunderten voneinander getrennten, Episoden und Elementen schaffen zu wollen.

Vintage Boom

Aber genau das ist es, womit Ghesquière allen Anschein nach provozieren möchte. Das altertümliche Kostüm im Einklang mit der urbanen Garderobe – so weit gefehlt ist dieser Versuch nicht. Denn im Prinzip geht Ghesquierès Sinneswandel (seine vorangegangen Kollektion widmete sich Einflüssen aus dem Gothik und Punk) mit dem aktuellen Hype nach Vintage Mode einher. Alt muss es sein, am liebsten eine Geschichte erzählend. Vintage Mode boomt wie noch nie zuvor. Und längst ist es nicht mehr der verstaubte Second Hand Laden um die Ecke, der dieses Bedürfnis befriedigen zu weiß. Große Online-Händler wie Vestiaire Collective bieten eine Plattform, auf der Vintage Liebhaber aus der ganzen Welt, Schätze aus dem vergangenen Jahrhundert erbeuten können.

Die Cruise Collection Louis Vuitton 2018 wird am 28. Mai in der Fondation Maeght bei St.Paul de Vence an der Cote d‘ Azur gezeigt:

Fondation Maeght, St. Paul de Vence © Fondation Maeght

Nachfrage vs. Kreativprozess

Die Intention hinter Ghesquières Kollektion ist selbstverständlich eine Andere. Imitieren, statt konservieren lautet seine Devise, ansonsten hätte er den Fundus eines Textilmuseums plündern müssen. Und dennoch knüpft er an jene Trends an, die es zu bedienen gilt. Historischer Charme für das gewisse Fünkchen Bourgeoisie; sportliche Eleganz, um dem Zeitgeist gerecht zu werden. Denn vor Letzterem können die (einstigen) Haute Couture Häuser nicht mehr einfach so davon rennen, was nicht zuletzt das Beispiel Karl Lagerfeld zeigt. Dass in seinen Kollektionen für Chanel seit nunmehr einigen Saisons Turnschuhe, Rucksäcke und Jogginghosen zu finden sind, nachdem er den Trägern von Jogginghosen einige Jahre zuvor attestierte, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben, ist Zeichen genug dafür, dass selbst die Alphatiere der Modeindustrie sich der allgemeinen Nachfrage beugen müssen.

So stellt sich wieder einmal die Frage, wie frei Designer wirklich in ihrem Schaffungsprozess sind und ob sich Nicolas Ghesquière tatsächlich von der aristokratischen Mode Frankreichs des 18. Jahrhunderts aus dem Repertoire des Metropolitan Museum of Art hat inspirieren lassen, wie er in einem Interview verlauten ließ.

Anzeichen dafür gibt es allemal. Und die Umsetzung – das sei an diese Stelle gesagt – ist ihm durchaus gelungen. Ob ein Mix aus seidenen Sporthöschen und futuristischen Turnschuhen mit metallisch glänzenden Gehröcken und Korsagen die richtige Kombination für das Frühjahr ist, sollte jeder für sich wissen. Im Zweifel genügt es für den Anfang ja auch erst einmal, sich eines der Hingucker-Pieces zuzulegen – das Portemonnaie würde dies in jedem Falle begrüßen.

22 Catwalk Looks by Louis Vuitton 2018:

22 Photos: Louis Vuitton Sommer 2018 © Louis Vuitton

 

english text

LOUIS VUITTON S / S 2018

Anachronism on the body
From Katja Andreae

While the German winter seems to have no end, the showcases of the big fashion houses are already screaming for spring. Although the thick winter coat continues to dominate our March wardrobe, the fashion of his (year) time is of course far ahead. So it’s worth taking a closer look in those shop windows these days! Not only to raise the hope that it could get warm again this year, but also the great designers have once again come up with clever ideas to give the fashion a (supposedly) new meaning.

For example on the Kurfürstendamm, a tourist shopping mile and pavement for upmarket boutiques at the same time. The shop window of the French luxury label Louis Vuitton, whose creations have been the responsibility of French designer Nicolas Ghesquière for five years now, stands out in particular.
He has dedicated his collection to anachronism this season. A term that, admittedly, would like to be understood. What is meant is the deliberate or falsely made confusion of times, events, things or persons. Subjects are put into a (new) context that does not correspond to their time.

How does anachronism work in fashion?

Take historical elements from the history of costume, such as metallic ornate geo-skirts, embroidered dresses à la Botticelli and leathery corsets and mix them with trendy sportswear. Botticelli would most likely turn in the grave, he looked at the spring collection of the house Louis Vuitton. For yes, it seems indeed absurd to want to create a harmonious coexistence, centuries apart, episodes and elements.

Vintage boom

But that’s exactly what Ghesquière seems to want to provoke. The ancient costume in harmony with the urban wardrobe – so far this attempt is not missing. In essence, Ghesquierès‘ change of heart (his previous collection was dedicated to influences from gothic and punk) goes hand in hand with the current hype about vintage fashion. It has to be old, preferably telling a story. Vintage fashion is booming like never before. And it is no longer the dusty second-hand shop around the corner that satisfies this need to know. Big online retailers like Vestiaire Collective provide a platform for vintage lovers from around the world to capture treasures from the past century.

Demand vs. creative process

The intention behind Ghesquière’s collection is of course another. Mimic, instead of conserving is his motto, otherwise he would have had to loot the fund of a textile museum. And yet it ties in with the trends that need to be addressed. Historic charm for the certain sparkle of the bourgeoisie; sporty elegance to meet the zeitgeist. Because before the latter, the (erstwhile) Haute Couture houses can not run away just like that, which not least the example Karl Lagerfeld shows.
The fact that his collections for Chanel have been wearing sneakers, rucksacks and jogging pants for a few years now, after he told joggers wearers a few years ago that they have lost control of their lives, is a sign that even the alpha animals of the fashion industry have to bow to general demand.

Once again, the question arises of how free designers really are in their creative process, and whether Nicolas Ghesquière was actually inspired by the aristocratic fashion of 18th-century France in the repertoire of the Metropolitan Museum of Art, as he said in an interview ,
There are signs of it all. And the implementation – that is said to this point – he is quite successful. Whether a mix of silk sports pants and futuristic sneakers with shiny metallic goats and corsets is the right combination for the spring, everyone should know for themselves. In case of doubt it is sufficient for the beginning to buy one of the eye-catcher pieces – the wallet would welcome this in any case.

Katja Andreae

Author: Katja Andreae

Journalistin und freie Autorin