Mall of Berlin

Mall of Berlin

 

von Holger Jacobs

25.09.2014

Mall of Berlin -das neue Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz – 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg

Mit 10.000 geladenen Gästen, prominenten Rednern wie Bürgermeister Klaus Wowereit und natürlich Hauptinvestor Harald Huth ist gestern Abend der neuste und zurzeit größte Einkaufstempel Berlins eröffnet worden. Auch wenn viele nur an den schnöden Mammon denken und an Mode, die keiner braucht, so hat der Neubau der Mall of Berlin an derselben Stelle, wo früher das  des ehemaligen Kaufhaus Wertheim stand, doch große kulturhistorische Bedeutung.

Die Erfindung des Kaufhauses war Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtiger Schritt zur Überwindung sozialer Schichten und gab auch Menschen aus ärmeren Verhältnissen die Möglichkeit Waren und Kleidung aller Art zu erwerben. Wo vorher Rock und Hose nur maßgeschneidert und für viel Geld angefertigt werden konnten, wurde in den Warenhäusern Kleidung von der Stange verkauft, die sich jeder leisten konnte. Zusätzlich erstrahlten die Warenhäusern in glanzvollem Licht und gaben den Einwohnern das Gefühl etwas Besonderes in einer besonderen Stadt zu sein. Wo heute viele nur noch zu Hause per Internet kaufen, war es früher ein Vergnügen einkaufen gehen zu können. Diese Freude spiegelte sich in der Ausstattung und Architektur der Warenhäuser wieder. Sie waren ein wichtiges Element der Stadtarchitektur und prägten das Erscheinungsbild der großen Metropolen der Welt.

1896 mit dem ersten Teil eröffnet und 1906 in seiner vollständigen Größe durch Architekt Alfred Messel fertiggestellt, war das Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz zu seiner Zeit mit 106.000 qm Verkaufsfläche das größte Kaufhaus Europas und durch seinen Luxus und seine besondere Architektur weit über Berlin bekannt. Es wurde im Krieg durch die Bombenangriffe stark beschädigt und 1953 von DDR vollständig abgerissen. Nur der Tresorraum blieb im Keller übrig, der nach der Wende von der Clubszene als aussergewöhnlichen und apokalyptischen Techno-Schuppen namens Tresor benutzt wurde. Nach der Wende vor 25 Jahren gab es verschiedene Versuche das riesige Gelände neu zu bebauen und auch das Warenhaus neu zu errichten. Doch mehrere Versuche scheiterten. Zuletzt musste das gesamte Gelände nach längerem Rechtsstreit an die Erben von Georg Wertheim zurückgegeben werden. Dieser war wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nazis 1937 enteignet worden und starb, von seiner nicht-jüdischen Frau mittlerweile geschieden, einsam und verarmt nur 2 Jahre später an einer Lungenentzündung.

69 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieg, als Berlin in Schutt und Asche lag und 75 Jahre nach dem tragischen Tod von Georg Wertheim, ist wieder eine tiefe Wunde der Stadt geschlossen worden und neues Kaufhaus entstanden. Ob der Entwurf des Architekten Sergeij Tschoban gelungen ist soll jeder Besucher für sich selbst entscheiden. Dass es Investor Harald Huth gelungen ist, die durch den Krieg entstandene Lücke zu schließen ist auf jeden Fall ein großer Verdienst. Wünschen wir ihm und allen Beteiligten der Mall of Berlin viel Erfolg.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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