Manon Lescaut in der Staatsoper Berlin

Manon Lescaut - Staatsoper Berlin - Foto: Holger Jacobs

Manon Lescaut in der Staatsoper Berlin

 

Von Holger Jacobs

holger-love1-100

7.2016

🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

Liebe Kulturfreunde,

Regisseur Jürgen Flimm lässt in seiner Inszenierung von Puccinis Drama die 40er Jahre von Hollywood wieder auferstehen. Mit Erfolg?

Monon Lescaut als Hollywood Studio, "MANON LESCAUT", © Holger Jacobs

Monon Lescaut als Hollywood Studio, „MANON LESCAUT“, © Holger Jacobs

Handlung

Amiens in Nordfrankreich. Eine Postkutsche kommt aus der einer nahegelegen Stadt. Ihr entsteigen der wohlhabende Geronte de Ravoir und Manon Lescaut mit ihrem Bruder. Manon soll auf Geheiß des Vaters in ein Kloster gebracht werden, der Bruder begleitet sie. Gleich bei ihrer Ankunft verliebt sich der junge Student Renato des Grieux in Manon und versucht sie zu umgarnen.

Doch der reiche Geronte de Ravoir hat ebenso ein Auge auf sie geworfen und will sie noch in derselben Nacht entführen. Aber des Grieux kann das verhindern und beide entfliehen nach Paris. Leider hat der Student kein Geld und bald kann der Bruder Manon davon überzeugen nun doch zum reichen Geronte de Ravoir zu ziehen. Hier allerdings langweilt sie sich furchtbar und als plötzlich wieder des Grieux auftaucht und ihr seine Liebe gesteht versucht sie Schmuck und Geld vom reichen Geronte zu stehlen und mit des Grieux zu abzuhauen.

Leider werden sie von Geronte entdeckt und dieser lässt Manon verhaften. Sie wird verurteilt und soll auf eine Strafkolonie nach Amerika gebracht werden (Frankreich hatte zu dieser Zeit mehrere Gefangenenlager in Übersee, u.a. die berüchtigte Teufelsinsel ((„Papillon“)) in Französisch-Guyana). Aus Liebe zu Manon geht des Grieux mit ihr. Am Zielort angekommen können beide zwar aus dem Lager fliehen, sterben aber wenig später vor Durst in der Wüste.

"MANON LESCAUT", © Holger Jacobs

„MANON LESCAUT“, © Holger Jacobs

 

Kritik

Die Idee mit Hollywood ist zunächst überaus ansehnlich. Hübsche Kleider, hübsche Menschen, alles sieht aus wie in einem großen Filmstudio. Auf der übergroßen Leinwand laufen alte Hollywood-Schinken. Doch schnell wirkt das Ganze sehr oberflächlich und der Dramatik der Geschichte nicht angemessen.

"MANON LESCAUT", © Holger Jacobs

„MANON LESCAUT“, © Holger Jacobs

Eine Szene fiel mir auf: Als die Soldaten schon das Haus umzingelt haben, um Manon nun zu verhaften, lehnt ihr Bruder lässig an der Bar mit einem Whiskey in der Hand, während sein Text ihn aufgeregt singen lässt, Manon und des Grieux müssten jetzt schnell verschwinden, wenn sie sich noch retten wollten.

Die Steigerung im dritten und vierten Teil mit der Verurteilung und Verbannung des Liebespaares kann die Verspieltheit vom Anfang nicht mehr wettmachen.

Musikalisch ist der Abend natürlich dank Puccini ein Hochgenuss. Dabei kann besonders Anna Nechaeva als Manon Lescaut sowohl stimmlich wie optisch überzeugen. Auch die Allüren eines Film-Sternchens bringt sie wunderbar rüber. Jürgen Flimm hatte bei der Suche nach seiner Hauptsängerin das richtige Händchen.

Riccardo Massi als Renato des Grieux kann da nicht ganz mithalten. Eine nette Stimme, aber ohne Kraft. Auch sein Spiel blieb eher blass.

Besonders bemüht schien der Dirigent des Abends, Mikhail Tatarnikov. Er war sogar so bemüht, dass sein Orchester so manches Mal die Stimmen auf der Bühne übertönte. Aber wenn man sonst fast nur Daniel Barenboim hört, dann ist der Zuhörer eben verwöhnt – Das Bessere ist des Guten Feind…

Staatsoper im Schiller Theater
Bismarckstr. 110
10625 Berlin

Nächste Vorstellungen: 8., 11., 16., 19., 22. Und 28. Dezember 2016

Manon (Anna Nechaeva) im Filmstudio "Sunset Motion Pictures", "MANON LESCAUT", © Holger Jacobs

49 Bilder: Manon (Anna Nechaeva) im Filmstudio „Sunset Motion Pictures“, „MANON LESCAUT“, © Holger Jacobs

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies.