München Kultur Tipps Februar 2017

Elina Garanca © Holger Hage/ Universal Music

München Kultur Tipps Februar 2017

 

Von Karin Jacobs

31.1.2017

München im Februar- das ist München im Fasching.

Nun gut, es wäre eher so etwas wie eine alternative Fakten -Wahrnehmung , würde man behaupten , die Münchner seien im Februar außer Rand und Band oder könnten sich in ihrer Faschingsseligkeit gar mit den Rheinländern messen. Man muss schon ein bisschen genauer hinschauen , um die Magie der „Fünften Jahreszeit“ auch hier zu entdecken. Aber wer Lust hat, mit humorgetränkten Veranstaltungen aus dem Ernst des Alltags aufzutauchen oder sich auf Bällen mit künstlerischem Ambiente kostümiert in eine fiktive Welt zu beamen, hat in diesen Wochen viele Möglichkeiten, von denen hier nur einige genannt sein können. Mit dem traditionellen Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt am Faschingsdienstag erreicht die bayerische Metropole dann sowohl den Höhepunkt als auch den   Abschluss dieser närrischen Saison, denn bekanntermaßen ist am Aschermittwoch ja alles vorbei….

Fasching ist gut und schön , aber die klassische Kunst soll nicht zu kurz kommen, bietet doch München im Februar ein so reichhaltiges Programm auf den Opern-, Theater, Vortrags – und Konzertbühnen , dass einige Highlights unbedingt erwähnt werden müssen.

Oper

Die Bayerische Staatsoper bringt am 12. Februar die Premiere von Gioachino Rossinis SEMIRAMIDE heraus, um die herum sie so einiges an Informationsmöglichkeiten anbietet. Inszenierung von David Alden , am Pult steht Michele Mariotti. in der Titelrolle singt Joyce Didonato.

Handlung:

Die Herrscherin Semiramide wird von den Schatten ihrer Vergangenheit verfolgt: Gemeinsam mit ihrem Geliebten Assur hatte sie einst ihren Ehemann, König Nino, ermordet – eine Schuld, die seitdem schwer auf ihr lastet. Von einer Heirat mit Arsace erhofft sie sich Seelenfrieden, doch sie hat sich in den Falschen verliebt: Arsace liebt nicht nur eine andere, er ist auch, wie sich herausstellt, Semiramides und Ninos tot geglaubter Sohn. Dieser sieht sich vor die Entscheidung gestellt: Soll er den Tod des Vaters rächen – und dadurch zum Muttermörder werden?

Wer sich für die Hintergründe dieser Oper und die ihr zugrunde liegende Geschichte interessiert, sollte das Seminar “Operndialog” am Vormittag des Premierentages und am Abend danach besuchen . Eine Führung durch das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst zu dem Thema “Herrscherinnen des alten Ägyptens” rundet die Informationsreihe zur Rossini-Oper ab.

Theater

Auch in der Nachbarschaft des Bayerischen Nationaltheaters gibt es Spannendes zu erleben:

Im Residenztheater kommt am 26. Februar JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN von Martin Sperr in der Inszenierung vom Hausherrn Martin Kusey heraus.

Der Regisseur verknappt in seiner Bearbeitung Martin Sperrs Stück auf vierzehn Szenen. Jede für sich thematisiert das Phänomen der „Jagdbarkeit der Menschen“ und erzählt eine kleine, eigenständige Geschichte. Man wird immer wieder davon überrascht, wie die Opfer der einen Szene plötzlich die grausamen, beleidigenden oder rücksichtslosen Täter der nächsten werden. Als ob man mit einem Rasiermesser ein Geschwür aufschneidet und, auch wenn man nur einen kleinen Ausschnitt der Wunde sieht, spürt, dass der ganze Körper todkrank ist.

Philharmonie im Gasteig

Zwei Konzerte auf Weltklasse Niveau weckt unser Interesse im Gasteig:
Am 10.2. gastiert das Marinsky Orchester St.Petersburg unter seinem Dirigenten VALERY GERGIEV, der Solist des Abends ist der Pianist DANIIL TRIFONOV. Gespielt werden Werke von Rachmaninov.

Der junge, 1991 in Russland geborene Daniil Trifonov, ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Pianisten. Seine ekstatische Spielweise zieht die Zuhörer in den Bann und lässt sie nicht mehr los. Schon jetzt gehört er zu den ganz großen Musikern unserer Zeit.

Ebenfalls außergewöhnlich ist die Stimmschönheit und der Charme von ELINA GARANCA , die am 5. Februar in der Philharmonie ein Konzert mit Werken von Massenet, Verdi, Berlioz u.a. gibt. Die lettische Mezzosopranistin hat eine steile Karriere auf den größten Opernbühnen der Welt gemacht und verzaubert das Publikum in Soloauftritten mit ihrer Stimme und ihrer Ausdruckskraft. Begleitet wird sie von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz unter Karel Mark Chichon.

Philosophie

Auf eine Veranstaltung ganz anderer Art muss unbedingt hingewiesen werden, obwohl sie nichts mit Musik und nur im weitesten Sinne mit Theater, dafür aber mit der Basis unserer Kultur und unserer Werte zu tun hat :

EUGEN DREWERMANN hält am 14. Februar in der Thomaskirche in Grünwald bei München, Ludwig-Thoma-Platz , einen Vortrag mit dem Titel: „Luther wollte mehr“.

Drewermann, umstrittener und bewunderter Kirchenkritiker, spitzt zu, bringt Probleme auf den Punkt, hinterfragt liebgewohnte Denkweisen, lässt niemanden unberührt und rüttelt dazu auf, die wesentlichen Dinge unseres Lebens zwischen Himmel und Erde noch einmal neu zu bedenken. Auf die anschließende Diskussion darf man gespannt sein. Der Grünwalder Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing beginnt mit diesem Abend eine Reihe von Veranstaltungen zum 500. Jubiläum der Reformation.

Kunst

Pinakothek der Moderne:

„Künstlerportraits“
. Fotografien der 20-er und 30-er Jahre aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.
7.2. – Sommer 2017

„Paint on. Dimensionen des Malerischen“
14.2. – 1.5.2017

Lenbachhaus

„Bildschön – Ansichten des 19. Jahrhunderts“

Ausstellungseröffnung am 20. Februar 2017 um 19.00 Uhr

Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Bilder. Sie erreichten eine größere Öffentlichkeit als je zuvor. Künstlerinnen und Künstler prägten auf wirkmächtige Weise die Kultur ihrer Zeit, ein sehr viel breiteres Themenspektrum wurde bildwürdig und im Idealfall vom Publikum als »bildschön« gelobt. Die damals erfundenen Motive bestimmen bis heute, was wir als romantisch, als traurig oder als schön empfinden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand ein enorm vielfältiges erzählerisches Bilduniversum, das immer wieder durch seine formale Innovationskraft begeistert.

 

Elina Garanca am 5. Februar 2017 im Gasteig © Holger Hage/ Universal Music

Karin Jacobs-Zander

Author: Karin Jacobs-Zander

Karin Jacobs-Zander, Dramaturgin und Autorin der Bücher „Lebenslotsen“ und „Wo München am schönsten ist“ aus dem Ellert & Richter Verlag, lebt in München als freie Journalistin