Musikfest Berlin 2018

Andris Nelsons - Philharmonie Berlin @ Marco Borggreve - Holger Jacobs

Musikfest Berlin 2018

 

Von Holger Jacobs

28.08.2018

english text below

Das diesjährige Musikfest steht ganz im Zeichen dreier großer Komponisten:

Claude Debussy – zu seinem 100. Todestag
Karlheinz Stockhausen – zu seinem 90. Geburtstag
Bernd Alois Zimmermann – zu seinem 100. Geburtstag

Claude Debussy (1862 – 1918) muss man nicht lange vorstellen. Seine Musik erschallt immer wieder in den philharmonischen Sälen der ganzen Welt. Der Franzose aus dem Vorort von Paris, St-Germain-en-Laye, gilt als Vorbereiter der Moderne, der sogenannten Neuen Musik. Er wählte andere, zu der damaligen  Zeit, neuartige Harmonien und ließ sich stark von der Musik aus anderen Teilen der Welt inspirieren. Klänge aus dem indonesischen Java gehörten genauso dazu wie russische Kompositionen, spanische Tanzmusik oder Rhythmen des Jazz, den man Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal hören konnte. Sein „Prelude à l‘ après-midi d‘ un faune“ (1894) gilt als Schlüsselwerk. Die Komposition diente 1912 dem genialen russischen Balletttänzer Nijinsky für eine neue Choreographie, welche bei seiner Uraufführung zum Skandal wurde (weniger wegen der Musik, als mehr wegen der freizügigen Darstellung der Tänzer*innen…). Sasha Waltz hat auf diese Musik ebenfalls eine Choreographie kreiert, welche zuletzt im Juni 2014 in der Staatsoper in Berlin zu sehen war („Sacre“ mit Musik von Strawinsky und Debussy). Von seinen 11 Bühnenwerken gilt „Pelléas et Mélisande“ als das bekannteste und wird immer wieder in den Opernhäusern der Welt gezeigt. In Berlin wurde „Pelléas et Mélisande“  2015 in der Volksbühne aufgeführt mit der wunderbaren Lilith Stangenberg (u.a. im Film „Wild“). Und 2017 „Pelléas et Mélisande“ an der Komischen Oper in der Regie von Barrie Kosky.

Claude Debussy, ca. 1908, cc Nadar

Claude Debussy zu Ehren beginnt das Musikfest Berlin am 31. August mit den Klavierkompositionen „Préludes“, am Piano: Alexander Melnikov.

Igor Strawinsky, ein Zeitgenosse Debussys und ebenso Mitstreiter für neue musikalische Klänge, gibt zusammen mit Pierre Boulez die Kompositionen für die offizielle Eröffnungsfeier des Musikfest am 1. September 2018.
Es spielt die Staatskappelle Berlin unter Dirigent Daniel Barenboim. Auf dem Programm u.a. Strawinskys „Sacre du Printemps“. Das wird auf jeden Fall ein Paukenschlag!

Den Komponisten Bernd Alois Zimmermann (*1918) kannte ich bisher noch nicht. In der Nähe von Köln geboren wurde Zimmermann Professor für Kompositionslehre an der Kölner Musikhochschule. Als sein Hauptwerk gilt die Oper „Die Soldaten“, welche 1960 uraufgeführt wurde. 1965 wurde er Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Sein Kompositionsstil zeichnet sich durch Überlagerung verschiedener Musikrichtungen aus, auch pluralistische Klangkomposition genannt. Das Bühnenstück „Die Soldaten“ ist auf diese Weise komponiert, zusätzlich besticht die Oper durch eine Aneinanderreihung komplexer Simultanszenen mit Gesang, Pantomime, Drama und Film.
Zu hören ist Zimmermann jetzt beim Musikfest an drei Abenden, z.B. am 5. September mit den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev mit „Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne“, mit zwei Sprechern, Bass solo und Orchester. Danach Bruckners 9. Symphonie. Wer also mal etwas Neues hören will, der sollte hier zugreifen. Mit Valery Gergiev kommt außerdem einer der Top-Dirigenten unserer Zeit nach Berlin.

Kommen wir zu Karlheinz Stockhausen (*1928), der dritten Hauptperson dieses Musikfestes. Ihn kennen schon deutlich mehr, zumal viele von uns ihn während der Schulzeit einmal im Musikunterricht hören durften (um sich dann in der Regel die Ohren zuzuhalten). Seine Kompositionen bedürfen eines geübten und verständigen Ohres. Er gilt als Vorreiter der elektroakustischen Musik. Weiterhin ist er ein Vertreter der seriellen Musik, die eine Fortführung der Zwölftontechnik Arnold Schönbergs darstellt. Es handelt sich dabei um reine elektronische Klänge ohne Harmonien in einer streng geregelten Form. Wer mehr auf den Romantikern von Schumann bis Chopin steht wird hier Schwierigkeiten haben. Interessant dürfte aber der Abend mit dem Orchestre du Festival de Lucerne, bei dem Stockhausens „INORI, Anbetung für zwei Tänzermimen und großes Orchester“ gespielt wird, eine Komposition für Tänzermimen und großes Orchester.
Am 18. September um 20.00 Uhr in der Philharmonie. Der Abend bildet auch den Abschluss des Musikfestes Berlin 2018.

Meine Empfehlungen:

31.8. Alexander Melnikov mit den „Préludes“ von Debussy im Kammermusiksaal der Philharmonie
1.9. Die Staatskappelle unter Barenboim mit Kompositionen von Pierre Boulez und Igor Strawinsky. In der Philharmonie um 19.00 Uhr.
6.9 Das Boston Symphonie Orchester mit Gustav Mahlers 3. Symphonie. In der Philharmonie um 20.00 Uhr.
7.9. Die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev mit Zimmermann und Bruckner (s.o.). In der Philharmonie um 20.00 Uhr.
13., 14., 15. Sept. Die Berliner Philharmoniker unter Francois-Xavier Roth (GM in Köln) mit Strawinsky, Zimmermann (Konzert für Vioine und Orchester mit Solistin Carolin Widmann), Debussy und Ligeti in der Philharmonie (20.00 + 19.00 Uhr.
ACHTUNG! Der Berlin Marathon findet am Sonntag, den 16. September, statt. Von Freitag, 14. Sept, bis Sonntag, 16. Sept., ist die halbe Innenstadt gesperrt!
16.9. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Robin Ticciati (neuer Stern am Dirigentenpult) mit Auszügen von Wagners „Parsifal“ und Claude Debussys „Le Martyre de Saint Sebastian“. Könnte der beste Abend des Musikfests werden! in der Philharmonie um 20.00 Uhr.
18.9. Das Orchestre du Festival de Lucerne mit Stockhausens „INORI“. In der Philharmonie um 20.00 Uhr.

Allen, die dabei sein wollen, wünsche ich viel Spaß und tolle Klangerlebnisse!

Unsere kleine Bilderserie zeigt einige der Protagonisten des Musikfestes Berlin 2018:

4 Photos: Andris Nelson © Marco Borggreve

english text

Music Festival Berlin 2018
By Holger Jacobs
08/28/2018

This year’s music festival is entirely dedicated to three great composers:
Claude Debussy – for his 100th anniversary of death
Karl-Heinz Stockhausen – for his 90th birthday
Bernd Alois Zimmermann – for his 100th birthday
It does not take long to imagine Claude Debussy (1862 – 1918). His music sounds again and again in the philharmonic halls of the whole world. The Frenchman from the suburb of Paris, St-Germain-en-Laye, is regarded as a preparer of modernity, the so-called New Music. He chose other harmonies and was heavily inspired by music from other parts of the world. Sounds from Indonesian Java were just as much part of it as Russian compositions, Spanish dance music or rhythms of jazz, which could be heard for the first time at the beginning of the 20th century. His „Prelude à l’après-midi d ‚un faune“ (1894) is considered as a key work. In 1912, this composition was used by the brilliant Russian ballet dancer Nijinsky for a new choreography, which became a scandal at its premiere (less because of the music than more because of the liberal representation of the dancers …). Sasha Waltz has also created a choreography for this music, which was last seen at the Staatsoper in Berlin in June 2014 („Sacre“ with music by Stravinsky and Debussy). Of its 11 stage works, „Pelléas et Mélisande“ is considered the best known and is shown time and again in the opera houses of the world. In Berlin, it was performed in 2015 in the Volksbühne with the wonderful Lilith Stangenberg. And 2017 at the Komische Oper, directed by Barrie Kosky.
In honor of Claude Debussy, the Musikfest Berlin begins on 31 August with the piano compositions „Préludes“; at the piano: Alexander Melnikov.
Igor Strawinsky, a contemporary of Debussy and also a collaborator for new musical sounds, together with Pierre Boulez, will be presenting the compositions for the official opening ceremony of the Music Festival on September 1, 2018. The Staatskappelle Berlin will play under conductor Daniel Barenboim. On the program a.o. Stravinsky’s „Sacre du Printemps“. This is definitely a bang!

I can say less about the composer Bernd Alois Zimmermann. To be honest, I’ve never heard from him. Zimmermann was born in 1918 near Cologne and was Professor of Composition at the Cologne Conservatoire. His main work is the opera „The Soldiers“, which was premiered in 1960. In 1965 he became a member of the Berlin Academy of Arts. His compositional style is characterized by superimposition of various musical genres, also called pluralistic sound composition. The stage play „The Soldier is composed in this way, in addition the opera captivates by a juxtaposition of complex simultaneous scenes with song, pantomime, drama and film.“ Zimmermann is now heard at the Music Festival on three evenings, eg on September 5th with the Munich Philharmonic under Valery Gergiev with Zimmermann’s „I turned and looked at everything wrong, that happened under the sun“, with two speakers, bass solo and orchestra and then Bruckner’s Symphony No. 9. So if you want to hear something new, you should have access here Valery Gergiev is also one of the top conductors of our time in Berlin.
Let’s get to Karlheinz Stockhausen (* 1928), the third main character of this years Music Festival. He already knows a lot more, especially since many of us were allowed to hear him during music lessons in school (in order to cover his ears as a rule). His compositions require a practiced and understanding ear. He is considered a pioneer of electroacoustic music. Furthermore, he is a representative of serial music, which represents a continuation of the twelve-tone technique Arnold Schönberg. These are pure electronic sounds without harmonies in a supposedly strictly regulated form. Who is more on the romantics from Schumann to Chopin will have difficulties here. However, the evening with the Orchester du Festival de Lucerne, in which Stockhausen’s „INORI, Adoration for Two Dancer Mimes and Large Orchestra“ will be played, is likely to be a composition for dancers and a large orchestra. On 18 September at 20.00 in the Philharmonie. It also forms the final of the Musikfest Berlin 2018.

My recommendations:
31.8. Alexander Melnikov with the „Préludes“ by Debussy in the Chamber Music Hall of the Philharmonic Hall
1.9. The Staatskappelle under Barenboim with compositions by Pierre Boulez and Igor Stravinsky. At the Philharmonic at 19.00.
6.9 The Boston Symphony Orchestra with Gustav Mahler’s 3rd Symphony. In the Philharmonie at 20.00 clock.
7.9. The Munich Philharmonic under Valery Gergiev with Zimmermann and Bruckner (s.o.). In the Philharmonie at 20.00 clock.
September 13, 14, 15. The Berliner Philharmoniker under Francois-Xavier Roth (GM in Cologne) with Stravinsky, Zimmermann (Concerto for Vioine and Orchestra with soloist Carolin Widmann), Debussy and Ligeti in the Philharmonie (20.00 + 19.00 NOTE: The Berlin Marathon will take place on Sunday, September 16. From Friday, September 14 to Sunday, September 16, half the city center will be closed!
16.9. The German Symphony Orchestra Berlin under the direction of Robin Ticciati (new star on the conductor’s podium) with excerpts from Wagner’s „Parsifal“ and Claude Debussy’s „Le Martyre de Saint Sebastian.“ Could be the best evening of the music festival in the Philharmonie at 20.00.
18.9. The Orchester du Festival de Lucerne with Stockhausen’s „INORI“. In the Philharmonie at 20.00 clock.
I wish all those who want to have a lot of fun and great sound experiences.

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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