Neue Meister – New Classics im VW Forum Berlin

Neue Meister Sebastian Knaller © Holger Jacobs

Neue Meister – New Classics im VW Forum Berlin

 

Von Holger Jacobs

6.11.2017

 english text below

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Neue klassische Musik im VW Forum „DRIVE“ Unter den Linden

Seit das neue VW-Forum in Berlin Unter den Linden nach Umbau vor zwei Jahren seine Pforten geöffnet hat, werden mehr und mehr hochwertige Veranstaltungen in das Haus geholt. Gerade war noch die ARS ELECTRONICA in den weitläufigen Räumlichkeiten und jetzt am Montag nun schon zum 6. Mal die NEUE MEISTER Konzertreihe.

Neue klassische Musik tut sich bekanntlich schwer in den Ohren der breiten Masse. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Zwölftonmusik von Komponisten um Arnold Schönberg im Wien der 20er Jahre entwickelt wurde und eine endgültige Abkehr von der Harmonie und Romantik des 19. Jahrhunderts stattfand, verabschiedete sich damit auch eine breite Mehrheit von Klassikfans, nicht bereit dieser Richtung zu folgen.

Nach dem 2. Weltkrieg veränderte sich die gesamte Musiklandschaft der westlichen Welt mit dem Aufkommen der Rock- Pop- und Jazzmusik.

Vorreiter waren Musiker aus Nordamerika. Besonders die Einflüsse der Afro-Amerikaner führten zu neuen Stilrichtungen wie dem Jazz. Aber auch die immer wichtiger werdende Unterhaltungsindustrie in den USA initiierte viel Kreativität. Besonders sollten hier die Musicals am New Yorker Broadway erwähnt werden. Zwei der Komponisten, die eigentlich beide aus dem klassischen Bereich kamen und letztlich aber durch ihre Musik für den Broadway bekannt wurden, waren Leonard Bernstein („Westside Story“) und George Gershwin („Porgy and Bess“). Mit ihren Kompositionen erlangten sie Weltruhm und brachten eine ganz neue Form von Musik hervor. Nicht mehr das sehr akademisch wirkende, nur vom klassischen Streichorchester in einer Philharmonie gespielte Werk zählte, sondern ebenso neue Klang- und Rhythmusformen, neue Instrumente und neue Veranstaltungsorte bestimmten die „Klassische“ Musik der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und selbst für Kompositionen von Unterhaltungsformen wie der Cinematographie, die in den 50er und 60er Jahren ihren absoluten Durchbruch erfuhr, war man sich nicht zu schade, wie Gershwin es für „The Goldwyn Follies“ tat und für zahlreiche weitere Filme.

Und hier kommen wir zu den Neuen Meistern unserer Tage.

Im 21. Jahrhundert ist kaum noch eine klare Trennung von Klassischer Musik und Unterhaltungsmusik auszumachen. Das gilt auch für die fünf zeitgenössischen Komponisten, die am Montag Abend  mit ihrer Musik in das VW Forum kamen.

Da wäre einmal der Brite John Metcalfe, der genauso Partituren für Streichquartette schreibt wie Kompositionen für Pop-Bands wie Coldplay, Peter Gabriel oder Blur. Nach Berlin kam er mit seiner Komposition „Flood, Tide“. Hier in unserem Video zu hören:

Der spanische Komponist Oriol Cruixent hat eine Ausbildung als Sänger, Pianist und Geiger hinter sich, spielt Jazz und komponierte bereits an die 100 Werke. Seine Arbeit „Bacchanalia“ ist stark durch den Rhythmus bestimmt.

Sven Helbig ist der Crossover Spezialist schlechthin. Er schreibt Musik sowohl für das Fauré Streichquartett, wie auch für Musikgruppen wie Rammstein, The Pet Shop Boys, Snoop Dog oder Polarkreis 18. Im Jahre 2007 bekam er einen MTV Europe Music Award für eine Komposition für Snoop Dog. Aber er schrieb auch ein Chorwerk zur Eröffnung des Evangelischen Kirchentages im Jahr 2011. Sven Helbig wurde bereits zweimal mit einem ECHO KLASSIK ausgezeichnet: 2004 und 2010.

Hier eine Kostprobe auf unserem Video mit seiner Komposition „Tres Momentos“:

Das Highlight des Abends aber kam nach der Pause: Der Iranische Komponist Arash Safaian mit seiner Komposition „Überbach“, welches gerade erst vor 14 Tagen mit einem ECHO KLASSIK in der Elbphilharmonie in Hamburg ausgezeichnet wurde (kultur24 berichtete). Gekommen war er mit dem bekannten Deutschen Pianisten Sebastian Knauer und dem Französischen Vibraphonisten Pascal Schumacher, mit denen er das Projekt gemeinsam realisiert hat. Basis ist die Musik von Johann Sebastian Bach (von dem zur Einstimmung Sebastian Knauer drei kurze Stücke spielte). Arash Safaian mischte Bach zu einer neuen Komposition – ein Remix. Dieses Stück war hinreißend und wird in Erinnerung bleiben. Das Zusammenspiel mit Klavier und einem Vibraphon zur Musik von Bach ist grandios und bringt völlig neue Klangfarben.

Hier auf unserem Video ein Ausschnitt:

Der DJ Hendrik Weber alias Pantha du Prince präsentierte danach noch ein Remix vom Remix mit Hilfe seines Apple Computers.

Am Ende großer Applaus für ein 3-stündiges intensives Musikprogramm mit außergewöhnlichen Arrangements. Und erstaunlich festzustellen: Der Saal war bis zum letzten Platz ausverkauft. Toll zu sehen, welches Interesse für neue Formen der klassischen Musik besteht. Weiter so!

Begleitet wurden die Musiker durch das Deutsche Kammerorchester Berlin unter der Leitung von Catherine Larsen-Maquire.

8 Photos: John Metcalfe, „Neue Meister“ im VW Forum DRIVE © Holger Jacobs

 

 english text

New Masters – New Classics in the VW Forum Berlin
By Holger Jacobs
06/11/2017
New classical music in the modern VW Forum „DRIVE“ Unter den Linden
Since the new VW Forum opened its doors in Berlin Unter den Linden two years ago, more and more high-quality events are being brought into the house. The ARS ELECTRONICA was just in the spacious rooms and now for the sixth time on Monday the NEW MEISTER concert series.
It is well known that new classical music is hard on the ears of the masses. When twelve-tone music was developed by composers around Arnold Schönberg in Vienna in the 1920s and a final departure from the harmony and romanticism of the nineteenth century took place, a large majority of classical music fans did not approve of this direction consequences.
After World War II, the entire music landscape of the Western world changed with the rise of Rock, Pop and Jazz music.
The pioneers were musicians from North America. Especially the influences of Afro-Americans led to new styles such as Jazz. But also the increasingly important entertainment industry in the USA initiated a lot of creativity. Especially the musicals on New York’s Broadway should be mentioned here. Two of the composers, both of whom came from the classical realm and eventually became known for their Broadway music, were Leonard Bernstein („Westside Story“) and George Gershwin („Porgy and Bess“). With their compositions, they gained world fame and produced a whole new kind of music. No longer the very academic work, played only by the classical string orchestra in a Philharmonie, but also new forms of sounds and rhythm, new instruments and new venues determined the „classical“ music of the second half of the 20th century. And even for compositions of entertainment forms such as cinematography, which experienced their absolute breakthrough in the 50s and 60s, as Gershwin did for „The Goldwyn Follies“ and for many other films.

And here we come to the NEUE MEISTER – New Masters.
In the 21st century, there is hardly a clear separation between classical music and popular music. This also applies to the five contemporary composers who came to the VW Forum on Monday evening with their music.
There is the Brit John Metcalfe, who also writes compositions for string quartets, as well as compositions for Pop bands like Coldplay, Peter Gabriel or Blur. He came to Berlin with his work „Flood, Tide“. Listen here in our video (see above).
The Spanish composer Oriol Cruixent has trained as a singer, pianist and violinist, plays Jazz and has already composed over 100 works. His composition „Bacchanalia“ is strongly determined by the rhythm.
Sven Helbig is the crossover specialist par excellence. He writes music for the Fauré string quartet as well as for music groups like Rammstein, The Pet Shop Boys, Snoop Dog or Polarkreis 18. In 2007 he got an MTV Europe Music Award for a composition for Snoop Dog. But he also wrote a choral work for the opening of the Protestant Church Annual Meeting in 2011. Sven Helbig has twice been awarded an ECHO KLASSIK: 2004 and 2010.
Here is a sample on our video with his composition „Tres Momentos“ (see above)
The highlight of the evening came after the break: the Iranian composer Arash Safaian with his composition „Überbach“, which was awarded just 14 days ago with an ECHO KLASSIK in the Elbphilharmonie in Hamburg (kultur24 reported). He came with the well-known German pianist Sebastian Knauer and the French vibraphone player Pascal Schumacher, with whom he realized the project together. The basis is the music of Johann Sebastian Bach (of which Sebastian Knauer played three short pieces to tune in). Arash Safaian mixed Bach into a new composition – a Remix. This piece was gorgeous and will be remembered. The interaction with the Piano and the Vibraphone to the music of Bach is terrific and brings completely new timbres.
Here is a clip on our video (see above)
The DJ Hendrik Weber aka Pantha du Prince then presented a remix of the remix with the help of his Apple Computer.
In the end, big applause for a 3-hour intensive music program with extraordinary arrangements. And surprisingly, the hall was sold out to the last seat. Great to see what interest there is in new forms of classical music. Keep it up!
The musicians were accompanied by the Deutsche Kammerorchester Berlin under the direction of Catherine Larsen-Maquire.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist