Otello – Deutsche Oper am Rhein

Otello – Deutsche Oper am Rhein

 

Von Karl-Heinz Bruder

25.11.2018

english text

Shakespeare,Verdi und die Tragik des Otello

Als erstes zerreißt ein Blitz und ein gewaltiger Donner die tiefschwarze Bühne. Es ist wie ein Omen für den gesamten Verlauf dieses unheilvollen Opernabends. Man spürt Unheil.

Otello als Mittelpunkt und General der Macht Venedigs ist auf dem Zenit seiner Karriere.
Dieser Mann, maurischer Herkunft, hat alles. Er siegt über die osmanische Seeflotte, ist eine angesehene Persönlichkeit und darf sich glücklich schätzen, von der schönen Desdemona innig geliebt zu werden.
Wäre da nicht sein Fähnrich Jago, ein missgünstiger und in seinem Aufstieg übergangener Mann. Aus diesem Grund und in maßlosem Neid schmiedet er einen Rachekomplott, um Otello zu vernichten.
Es gelingt ihm, durch Lüge und List, Otellos Hauptmann Cassio als Nebenbuhler darzustellen.

Desdemona in unschuldiger Naivität und Ehrlichkeit, sieht sich als Ehebrecherin bezichtigt und fühlt ihre Liebe zerbrechen. Otello, nicht mehr zu bremsen in seiner wütenden Eifersucht, tötet seine Frau im gemeinsamen Ehebett, dem vermeintlichen Tatort des Ehebruchs.
Zu spät wird ihm die Wahrheit und die Intrige offenbart. Jago sieht sich am Ende seines boshaften Racheweges und steckt Otello den Dolch zu, mit dem sich dieser letztendlich selbst tötet.
In einer letzten verzweifelnden Reue stirbt Otello in der inbrünstigen, jedoch unerfüllbaren Bitte, eines letzten Kusses Desdemonas.

Otello ist keine strahlendende Figur, er ist ein instabiler Charakter und zerrissen in sich selbst. Gustavo Porta
gibt überzeugend diese Hauptperson, tragisch und fast schon mitleidseregend.
In manchen Momenten möchte man auf die Bühne springen, um diesem Menschen Hilfe anzubieten. Dieser Otello kauert am Boden, wartet im Halbdunkel und steht, das Gesicht verbergend, an der dunklen Bühnenwand. Wann immer er etwas entscheidet und zur Tat schreitet, entledigt er sich seiner Jacke und zeigt Muskeln.
Man weiß, das wird nicht gut ausgehen.

Brigitta Kele erscheint in dieser Inszenierung als Desdemona. Sie verkörpert die Hintergangene, zu unrecht beschuldigte Reinheit. Das Liebesduett zu Beginn mit Otello rührt einen und man wünscht sich, trotz besseren
Wissens, es möge an einem glücklichen Ausgang dieser Oper stehen. Im bedrückenden Dunkel dieser Aufführung strahlt einzig Desdemona. Ihr Name, aus dem Altgriechischen für „unglücklich – unter keinem guten Stern stehend“ bewahrheitet sich. Im letzten Aufzug blendet förmlich ihr Brautkleid, in dem sie dennoch
den Tod findet wird. Die wenigen hellen Punkte in dieser Oper sind Desdemonas Taschentuch, als unterstelltes Indiz ihres Ehevergehens und eben dieses Brautkleid. Brigitta Kele überzeugt durch Gesang und Spiel.

Otellos Gegenspieler in diesem grausamen Reigen wird brillant, wie verstörend, verkörpert durch Simon Neal.
Er ist der infame Feind Otellos und indem er es mit den Worten „Das ist mein Vorteil und sein Handicup !“ ausdrückt, ist alles gesagt, was in das unausweichliche Ende führen wird. Er weiß um Otellos Schwäche und spielt sie geschickt aus. Simon Neal ist dominat auf der Bühne und wirkt in jedem Augenblick bedrohlich. Eine großartige Leistung in Stimme und auch Gestik.

Otello“ in der Regie von Michael Thalheimer beeindruckt. Die Bühne, gestaltet von Henrik Ahr,
zeigt sich als schwarzer Kasten, als dunkler Sarg, und es wird einem schnell die hohe Bedeutung bewusst.
Es ist eine Art „Camera Obscura“, hier wird auf das Wesentliche fokussiert. Man verfolgt die ergreifende Darbietung und erhält den Freiraum einer eigenen Bühnenbildfantasie. Das Dunkel entspricht dem boshaften Inhalt dieser Aufführung. Michael Thalheimer ist bekannt für Reduktion und in dieser Inszenierung scheint sie mehr als passend.

Verdis Musik, meisterhaft präsentiert durch die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Antonino Fogliani, erfrischt in schneller, italienischer Musikfolge. Es ist ein Genuss, diesen Klängen zu folgen und lässt fast die Tragik des Geschehens vergessen.
Der Chor ist stimmgewaltig, man lauscht ergriffen und sieht ihn vor allem auch als einen bedeutenden Teil des Bühnenbildes agieren.

Am Ende dieser Opernpremiere in Duisburg verlässt man innerlich aufgewühlt das Haus, aber dennoch begeistert. Ein großer Opernabend am Rhein.

„Otello“ von Giuseppe Verdi
Premiere am 15. Oktober 2018
Deutsche Oper am Rhein/ Duisburg
MUSIKALISCHE LEITUNG: Antonino Fogliani, INSZENIERUNG: MichaelThalheimer, BÜHNE: Henrik Ahr, KOSTÜME: Michaela Barth
OTELLO: Gustavo Porta. JAGO: Simon Neal, DESDEMONA: Brigitta Kele
EMILIA: Katarzyna Kuncio, CASSIO
Ibrahim Yesilay: RODERIGO
Luis Fernando Piedra, LODOVICO: Lukasz Konieczny, MONTANO: Beniamin Pop; EIN BOTE: Dong-In Choi
Nächste Vorstellung: 9. Dez. 2018 um 15.00 Uhr

Bilderserie von „Otello“ mit 12 Fotos von Birgit Hupfeld:

12 Photos: Brigitta Kele (Desdemona) und Gustavo Porta (Otello), „Otello“, Deutsche Oper am Rhein, Foto: Birgit Hupfeld

english text

Otello – German Opera on the Rhine
From Karl-Heinz brother
25/11/2018
Shakespeare, Verdi and the tragedy of Otello
First, a flash and a huge thunder breaks the deep black stage. It’s like an omen for the entire course of this disastrous opera evening. You feel mischief.

Otello as the center and general of the power of Venice is at the zenith of his career.
This man of Moorish origin has everything. He triumphs over the Ottoman naval fleet, is a respected personality and may be lucky to be deeply loved by the beautiful Desdemona.
If it were not for his ensign Iago, a fiendish man gone past in his ascent. For this reason, and in utter envy, he forges a revenge plot to destroy Otello.
He succeeds in portraying Otello’s Captain Cassio as a rival by lying and cunning.
Desdemona in innocent naivety and honesty, sees herself accused of adultery and feels her love break. Otello, unable to stop his angry jealousy, kills his wife in the same marriage bed, the supposed scene of adultery.
Too late, the truth and the intrigue is revealed to him. Jago sees himself at the end of his vicious revenge path and puts the dagger to Otello, with whom he ultimately kills himself.
In a last despairing remorse, Otello dies in the fervent, but unfulfillable request, a last kiss Desdemona.

Otello is not a radiant figure, he is an unstable character and torn to himself. Gustavo Porta
gives convincingly this main character, tragic and almost pitiful.
In some moments you want to jump onto the stage to offer this person help. This Otello huddles on the ground, waits in the semi-darkness and stands, hiding his face, on the dark stage wall. Whenever he decides something and goes to action, he gets rid of his jacket and shows muscles.
You know, that will not turn out well.

Brigitta Kele appears in this production as Desdemona. It embodies the background, unjustly accused purity. The love duet at the beginning with Otello stirs one and one wishes, despite better ones
Knowing that there may be a happy ending to this opera. In the depressing darkness of this performance, only Desdemona beams. Her name, from ancient Greek for „unhappy – under no good star“ is true. In the last lift, her wedding dress is dazzling, in which she nevertheless
death is found. The few bright points in this opera are Desdemona’s handkerchief, an assumed sign of her marriage offense, and this wedding dress. Brigitta Kele convinces through singing and playing.

Otello’s opponent in this cruel contest becomes brilliant, how disturbing, embodied by Simon Neal.
He is Otello’s fiendish enemy and expressing it with the words, „This is my advantage and his handicup!“ Is all that will lead to the inevitable end. He knows about Otello’s weakness and plays it skillfully. Simon Neal is dominant on stage and seems menacing at every moment. A great performance in voice and gesture.

„Otello“ directed by Michael Thalheimer impressed. The stage, designed by Henrik Ahr,
shows up as a black box, as a dark coffin, and it quickly becomes aware of the high importance.
It is a kind of „Camera Obscura“, focusing on the essentials. You follow the moving performance and get the freedom of your own set design fantasy. The darkness corresponds to the malicious content of this performance. Michael Thalheimer is known for reduction and in this production she seems more than fitting.

Verdi’s music, masterfully presented by the Duisburg Philharmonic under the direction of Antonino Fogliani, refreshes in a fast, Italian musical sequence. It is a pleasure to follow these sounds and almost forget the tragedy of the action.
The choir is full of voices, one listens to it and above all sees it as an important part of the stage design.

At the end of this opera premiere in Duisburg, you leave the house agitated, but still enthusiastic. A great opera evening on the Rhine.

„Otello“ by Giuseppe Verdi
German Opera on the Rhine / Duisburg
Conductor: Antonino Fogliani, Director: Michael Thalheimer, Stage: Henrik Ahr, Costumes: Michaela Barth
OTELLO: Gustavo Porta. JAGO: Simon Neal, DESDEMONA: Brigitta Kele
EMILIA: Katarzyna Kuncio, CASSIO: Ibrahim Yesilay, RODERIGO: Luis Fernando Piedra, LODOVICO: Lukasz Konieczny, MONTANO: Beniamin Pop; A messenger: Dong-In Choi
Next performance: 9 Dec. 2018 at 15.00

Karl-Heinz Bruder

Author: Karl-Heinz Bruder

Grafiker, Illustrator und Maler und Dozent für Zeichnen. Musik, Literatur und Oldtimer sind seine Leidenschaft. Karl-Heinz Bruder lebt mit seiner Frau Daniela in der Nähe von Düsseldorf am Rhein.

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