PENG – Theater in Zeiten von Donald J. Trump

PENG - Schaubühne Berlin Foto: Arno Declair

PENG – Theater in Zeiten von Donald J. Trump

 

Von Holger Jacobs

4.6.2017

Der Name des US-amerikanischen Präsidenten wird nie explizit erwähnt, jedoch scheint seine Gestalt die ganze Zeit über dem neuen Stück „PENG“ von Marius von Mayenburg zu schweben. Gestern Abend war die Uraufführung.

Marius von Mayenburg ist ein (noch) junger Autor, Künstler und Stückeschreiber. Er kam 1992 von München nach Berlin und studierte hier erst einmal sechs Jahre an der Hochschule der Künste (heute: UDK).

In dieser Zeit schrieb er seine ersten Theaterstücke, „Messerhelden“, „Monsterdämmerung“ und „Feuergesicht“. Für das zuletzt genannte bekam er den Kleist Förderpreis und den Preis der Frankfurter Autorenstiftung.

Seit 1999 ist er Hausregisseur an der Schaubühne Berlin. Sein letztes Stück „Stück Plastik“ hatte 2015 am selben Haus seine Uraufführung.

Mayenburgs Themen kreisen immer um das hier und jetzt unserer sozialen und politischen Situation. Während es in „Stück Plastik“ um die Lebenskultur öko-veganer Hipster am Prenzlauer Berg ging, ist bei „PENG“ (Regie ebenfalls Mayenburg) die Gewalt das Thema. Gewalt, von einzelnen Menschen ausgeübt, die sich rücksichtslos nach vorne kämpfen und dabei über Leichen gehen. Und die dieses Vorgehen in wunderbare, verständliche Worte fassen können, die jeden einlullen, sollte er nicht mit größter Skeptsis zuhören.

Marius von Mayenburg erzählt in „PENG“ von dem Menschen Ralf Peng, der schon im Mutterleib seine Zwillingsschwester umbringt, um das Leben nicht mit jemand anderes teilen zu müssen – es könnte ja ein Konkurrent sein.

Auch im weiteren Verlauf des Lebens von Ralf Peng gibt es Gewalt ohne Ende. Dabei spielen seine Eltern ständig das Verhalten ihres Sohnes herunter („er ist ja nur hochbegabt“), ganz so wie zurzeit in den USA, wo viele immer noch denken, unter Trump wird es schon nicht so schlimm werden, wie sein Wahlkampf vermuten ließe. Seine letzten Taten jedoch, mit der Aufkündigung des Klimaabkommens, lassen die Vermutung zu, dass alles noch viel schlimmer wird.

Viele Themen werden bei „PENG“ in den zwei Theaterstunden angesprochen: Das Flüchtlingsdrama, häusliche Gewalt (Mutter Vicky hat ein paar Opfer in ihrem Keller untergebracht), die Rolle der Medien (misshandelte Frauen werden live im Fernsehen/ Internet vorgeführt), Propaganda.

Doch anders als man denken sollte ist die Aufführung keineswegs traurig oder grausam. Mayenburg packt alle Themen in einen gewissen (Galgen-) Humor, wodurch es für den Zuschauer zwei durchaus kurzweilige Stunden werden.

Die Bühne besteht aus einer Empore mit einer großen Rutsche. Alles ist in einen gleichmäßigen Grünton eingefärbt, der, ganz wie in einem richtigen Fernsehstudio, eine Mischung von Hintergrundprojektionen mit Landschaften oder Häusern in Verbindung mit dem realen Geschehen auf der Bühne erlaubt (Bühne und Kostüme: Nina Wetzel, Video: Sebastian Dupouey). Sehr gelungen.

Die schauspielerische Leistung von Sebastian Schwarz als Ralf Peng ist sehr überzeugend. Und auch allen anderen auf der Bühne (Marie Burchard, Eva Meckbach, Robert Beyer, Lukas Turtur, Damir Avdic) gebührt Respekt.

Die Schlussszene zeigt einen Ralf Peng als Herrscher, der ohne zu Zögern bereit ist den Knopf zur Zündung einer Atombombe zu drücken, wohl wissend, dass die Menschheit dabei zugrunde geht.

Wobei wir zur Grundaussage kommen: Gibst Du einem gewaltbereiten Menschen die Möglichkeit seine egomanischen Phantasien auszuleben, wird er sie ohne Skrupel ausführen, egal, ob andere dabei drauf gehen oder nicht.

Und da wir auf der Welt gerade genügend Populisten an der Macht haben, die nur auf Grund eigener Interessen die nationalen Gefühle der Bürger aufwühlen, ist Wachsamkeit geboten.

Ein politischer Abend, der seine Botschaft mit viel Humor verbreitet!

Schaubühnen Intendant Thomas Ostermeier verfolgte vom obersten Rang mit sichtlicher Genugtuung das Geschehen, mehrere Schauspieler beobachteten ihre Kollegen beim Drama auf der Bühne, so u.a. Nina Hoss und Tatort Kommissar Dietmar Bär („Freddy Schenk“) vom Tatort Köln. Großer Applaus.

Nächste Vorstellungen: 6., 7., 10. und 11. Juni 2017

Schaubühne am Lehniner Platz
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin

8 Bilder: Uraufführung „Peng“ von Marius von Mayenburg, Schaubühne Berlin, Foto: Arno Declair

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist