Peter Lindbergh – Images of Women II – eine Poésie in Schwarz, Weiß und Grau

25.2.2015. Die Vorstellung des neuen Buches von Peter Lindbergh „Images of Women II“ im Schirmer & Mosel Verlag mit Buchsignierung am 4. März 2015 in der C/O Galerie in Berlin.

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂   (fünf von fünf möglichen)

Von Holger Jacobs

Fotos: Peter Lindbergh, Holger Jacobs

Nicht jeder, der den Namen Peter Lindbergh hört, weiß sofort von wem die Rede ist. Dabei gehört er neben Helmut Newton zu dem bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. Ähnlich wie die Künstler Sigmar Polke oder Markus Lüpertz musste er nach dem Krieg mit seinen Eltern aus den ehemaligen deutschen Gebieten in Osteuropa nach Westdeutschland fliehen und landete in der grauen Bergarbeiterstadt Duisburg. Schwarz, Weiß und Grau sollten lebenslang sein ästhetischer Schwerpunkt bleiben.

Ich lernte ihn 1984 in Paris kennen, als ich, gerade in Paris angekommen, eine Assistentenstelle bei einem Fotografen suchte. Über eine mir befreundete Bookerin in einer Modelagentur bekam ich ein paar Adressen, darunter auch die von Peter Lindbergh. Er wohnte damals in der rue Raspail ganz in der Nähe des Kaufhauses Bon Marché im 6. Arrondissement von Paris. Ich ging hin, ohne vorher angerufen zu haben und klingelte an der Tür. Durch reinen Zufall war er auch zu Hause und öffnete mir persönlich. Ich sagte meinen Namen und er rief in seiner typischen herzlichen Art „Holger! ach ja, komm rein“, als würden wir uns schon lange kennen. Ich nannte ihm kurz mein Anliegen und er empfahl mir, doch am nächsten Tag ins Studio Pin-Up (das damals angesagteste Miet-Fotostudio von Paris) zu kommen, wenn er dort fotografieren würde und mein Buch (Portfolio mit meinen Bildern) mitzubringen. Gesagt, getan. Auch dort hatte er dieselbe Herzlichkeit, war nie gestresst, immer freundlich zu allen, vom letzten Assi bis zum Auftrageber seiner Fotostrecken (damals gerade Rei Kawakubo von Commes des Garcons). Das kannte ich von anderen Fotografen nicht und habe es auch danach nie wieder so erlebt. Ich denke, dass es neben seiner unzweifelhaft künstlerischen Begabung ein wichtiger Teil seines Erfolgs ist: Die Menschen mögen ihn auf Anhieb und vertrauen ihm, egal ob es nun Kate Moss oder der 5. Assi am Set ist. Ich wurde dann in den Kreis der Erlauchten aufgenommen und war einige Tage dieser 5. Assistent. Da ich aber keine feste Anstellung suchte, sondern möglichst viele Fotografen und deren Stile kennenlernen wollte, blieb ich nur diese Woche und zog dann weiter. Doch diese Tage werde ich nie vergessen!

Mitte der 90er Jahre fingen auch die Verlage an sich für Lindbergh zu interessieren. Gewöhnlich sehen sich nur Hausfrauen und Fashion-Freaks Modefotos in Zeitschriften an, aber Lindberghs Bilder gehen weit über die eigentliche Darstellung von Mode hinaus. Sie zeigen in erster Linie einen Menschen. Für Lindbergh sind die Fotomodelle nicht, wie sonst üblich, nur die Mittel zum Vorführen der Mode, sondern eigenständige Persönlichkeiten, deren Ausdruck es gilt festzuhalten und zu verewigen.

Sein Einfluss auf die Modebranche war so groß, dass er ganze Epochen seinen Stempel aufdrückte: Sein berühmtes Cover auf der englischen Vogue vom Januar 1990 mit den damals fünf bekanntesten Models der Welt, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatiana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford, begründete die Zeit der „Supermodels“ in den 90er Jahren, welche beim Publikum bekannter wurden als die Moviestars von Hollywood.

Es war der Münchner Verlag Schirmer & Mosel, der 1996 Lindberghs erstes Buch veröffentlichte: „10 WOMEN“. Fast alle seine späteren Bücher sind unter der Regie von Schirmer & Mosel erschienen, so auch das jüngste: „IMAGES OF WOMEN II“. Anlass war sein 70-igster Geburtstag am 24.11.2014. Gezeigt werden Arbeiten aus einer 10-jährigern Schaffensperiode, von 2005 bis 2014. Wie immer in Lindberghs einmaliger Weise in Schwarz, Weiß und Grau, Portraits und Akte.

Am 4. März um 17.00 Uhr wird Peter Lindbergh das neue Buch (78.- Euro) in der C/O Galerie , Hardenbergstr. 22 in Berlin-Charlottenburg, signieren. Eine schöne Gelegenheit den Meister einmal persönlich zu erleben.

Die C/O Galerie hatte im Jahr 2010 eine wunderbare Ausstellung von Lindbergh organisiert, damals noch in der außergewöhnlichen Location im Postfuhramt an der Oranienburgerstrasse in Berlin-Mitte. Diese fantastische Ausstellung wird in Erinnerung bleiben. Die Fotos davon könnt Ihr hier in der Bildergalerie sehen, zusammen mit Beispielen aus seinem neuen Buch.

 

Karen Elson, Los Angeles, USA, 1997, Foto: Peter Lindbergh

21 Bilder, hier: Karen Elson, Los Angeles, USA, 1997, Foto: Peter Lindbergh

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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