Polina Semionova & Friends in der Staatsoper

Ballett Gala Polina & Friends - Foto: Holger Jacobs

Polina Semionova & Friends in der Staatsoper

 

Von Holger Jacobs

18.5.2018

🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

english text below

Primaballerina Polina Semionova lud am 17.5.2018 zu einem Ballettabend der Sonderklasse in die Staatsoper Unter den Linden.

Es gibt wohl zurzeit kaum eine andere Balletttänzerin in der Welt, die so viele Auszeichnungen im Laufe ihrer Karriere erhalten hat. Die vielleicht höchste bekam sie gleich zu Anfang ihrer Karriere: Die Goldmedaille beim Ballettwettbewerb in Moskau 2001, nur vergleichbar mit dem Gewinn des Chopin Wettbewerbs für Pianisten in Warschau. Besser geht’s nicht.

Ein Jahr später, Polina Semionova (*1984) hatte gerade ihre Ausbildung 2002 in der Ballettschule des Bolchoi-Theaters in Moskau beendet, holte sie der damalige Intendant und erste Solist des Staatsballetts Berlin, Wladimir Malachow, in die deutsche Hauptstadt und machte sie zur ersten Solistin seiner Kompagnie. Von da an begann Polinas steiler Karriereaufstieg. In den letzten 16 Jahren hat sie alle großen klassischen Ballettpartien getanzt („Giselle“,“Dornröschen“, „Schwanensee“, „La Bayadère“ et.c.), auf nahezu allen großen Bühnen dieser Welt.

Seit 2012 ist Polina Semionova auch erste Solistin des American Ballet Theater in New York (ehem. Leiter: Michael Baryshnikov).

Wie sich aus dem Vorangegangen heraushören lässt, ist Polina Semionova in ihrem bisherigen 34-jährigem Leben sehr vielen Menschen begegnet, natürlich vor allem aus ihrem künstlerischen Umfeld. Als sie im letzten Jahr vom Berliner Senat als „Berliner Kammertänzerin“ (klingt ein bisschen komisch, ist aber eine große Auszeichnung) geehrt wurde, ist die Idee entstanden ihr zu Ehren einen Gala Abend zu veranstalten, bei dem Polina Semionova die Tänzerinnen und Tänzer einlädt, mit denen sie in letzter Zeit gearbeitet hat und zu denen sie eine große Nähe verspürt. Und alle sind, wie man sich denken kann, auf höchstem künstlerische Niveau.

Dazu gehört natürlich in erster Linie ihr Tanzpartner aus „Romeo und Julia“, Ivan Zaytsev. Kultur24 berichtete von der Premiere in der Staatsoper Berlin am 29. April 2018. Er gehört dem Mikhailovsky Ballett in St. Petersburg an, wo er bereits häufig als Partner von Polina aufgetreten ist. Beide tanzten das Duett „Without Words“ nach einer Choreographie von Nacho Duato, Musik Franz Schubert, und das Duett „Cantata“ nach einer Choreographie von Mauro Bigonzetti.

Auf alle Teilnehmer des Abends näher einzugehen würde hier den Rahmen sprengen. Ein paar möchte ich aber besonders herausheben:

Daniel Camargo als Tanzpartner von Polina Semionova in „Le Corsaire“ nach einer Choreographie von Marius Petipa (1863). Technisch brilliant und optisch ein Hingucker!

Konstantin Lorenz (Mitglied des Staatsballetts Berlin und sogar gebürtiger Berliner *1987) mit seiner Partnerin Danielle Muir (*1994) im Pas de Deux von „Giselle“ (Choreographie: Jules Perrot von 1841). Beide schienen mir auch im wahren Leben ein Paar, wie ich bei der Generalprobe beobachten konnte. Technisch nahezu perfekt haben sie eine große Harmonie und Tanzfreude ausgestrahlt. Danielle Muir kommt aus dem australischen New South Wales und machte ihre Ausbildung in London.

Seht Euch das Video von der Generalprobe an:

Sehr gut fand ich auch den Bruder von Polina, Dmitri Semionova, der zusammen mit seiner Tanzpartnerin Ksenia Ovsyanick (Erste Solotänzerin des Staatsballetts Berlin, 1992) ein berauschendes modernes Duett tanzte, „Intimate Distance“, nach der Musik von Otto Bubenicek (*1974) und der Choreographie von dessen Zwillingsbruder Jiri Bubenicek. Für mich das beste Stück des Abends.

Spannend war auch die eigenwillige Performance des Tänzers Friedemann Vogel mit seinem Solo „Moply“ nach der Musik von Bach und der Choreographie von Marco Goecke. Eine sehr eigenwillige und moderne Interpretation. Choreograph Marco Goecke werden wir auch bei der nächsten Premiere des Staatsballetts am 24. Mai in der Komischen Oper erleben, da allerdings mit seiner Choreographie „Pierrot lunaire“ und der Musik von Schönberg.

Toll auch der Auftritt der Staatlichen Ballettschule Berlin mit zehn ihrer jungen Tänzer des Landesjugendballetts Berlin. Es war Polinas ganz persönlicher Wunsch, dass diese jungen und talentierten Tänzer an ihrem Abend mit dabei sind. Polina Semionova hat seit 2013 dort an dieser Schule einen Lehrauftrag. Getanzt wurde „“All Long Dem Day“, eine Choreographie von Marco Goecke mit der Musik von Nina Simone.

Und plötzlich stand Sänger Herbert Grönemeyer auf der Bühne.

Welch unerwarteter Auftritt. Polina Semionova hatte im Jahre 2003 bei ihm in seinem Video zu dem Song „Demo“ mitgewirkt und war damit auch bei einem breiteren Publikum bekannt geworden. An diesem Abend tanzte sie zum Abschluss der Gala als Dank an den großen Sänger eine Sequenz aus seinem Video. Herbert Grönemeyer war sichtlich gerührt.

Mit Bravo Rufen und nicht enden wollendem Applaus ging der Abend zu Ende. Es fiel mir auf, das gerade bei den moderneren Stücken die Begeisterung besonders groß war. Was mir ein gutes Gefühl für die Zukunft gibt, wenn im nächsten Jahr die Tänzerin und Choreographin Sasha Waltz die Intendanz des Staatsballetts Berlin übernehmen wird. Die Zeit ist reif für einen Richtungswechsel in die Moderne. Bei der Kompagnie wie auch beim Publikum.

Freuen wir uns auf die Zukunft und auf weiterhin so schöne Ballettabende wie diese!

Polina & Friends
Vorerst einmalige Aufführung
Staatsoper Berlin
Mit den Tänzer*innen: Maria Kochetkova und Carlo Di Lanno vom San Francisco Ballet, Svetlana Gileva vom Semperoper Ballett, Daniel Camargo vom Dutch National Ballet, Ivan Zaytsev vom Ballett des Mikhailovsky Theaters St. Petersburg.
Aus Berlin: Friedemann Vogel, Dmitry Semionov, Ksenia Ovsyanick, Danielle Muir und Konstantin Lorenz vom Staatsballett Berlin.
Sowie die Staatliche Ballettschule Berlin/ Landesjugendballett Berlin mit den Tänzer*innen: Frieda Kaden, Anna Liening, Elsa Rintelen, Elisabeth Tonev, Anna Yeh, Matteo Andrioli, Leonardo Cheng, Aturo Lamolda Mir, Jose David Meggiboschi, Tucker Nickmann, Giovanni Cancemi. Das Staatliche Ballettschule Berlin wird am 27. Mai 2018 in der Volksbühne noch einmal auftreten.

Hier 11 Bilder vom Applaus mit den Tänzerinnen und Tänzern:

11 Photos: Applaus für Polina Semionova und Ivan Zeytsev für „Without Words“, „Polina & Friends“, Foto: Holger Jacobs

english text

Polina Semionova & Friends at the State Opera
By Holger Jacobs
05/18/2018
Ballerina Polina Semionova (* 1984) invited to a special evening ballet evening at the Staatsoper Unter den Linden.
There is hardly any other ballet dancer in the world right now who has received so many awards throughout her career. Perhaps the highest she got right at the beginning of her career: the gold medal at the Ballet Competition in Moscow in 2001, only comparable of winning the Chopin Competition for Pianists in Warsaw. It could not be better.
A year later, Polina had just finished her education in the ballet school of the Bolchoi Theater in Moscow, director and first soloist of the State Ballet Berlin, Vladimir Malachov, took her to the German capital and made her the first soloist of his company. From then on, Polina’s career began. For the last 16 years she has danced all the great classical ballets („Giselle“, „Sleeping Beauty“, „Swan Lake“, „La Bayadère“ et.c.) on almost every major stage in the world.
Since 2012, Polina Semionova is also the first soloist of the American Ballet Theater in New York (former leader: Michael Baryshnikov).
Polina Semionova has met many people in her 34-year life, of course, above all, from her artistic environment. When she was honored last year by the Berlin Senate as a „Berliner Kammertänzerin“ (sounds a bit funny, but is a great award), the idea came in her honor to organize a gala evening, in which Polina Semionova invites the dancers with whom she has worked a lot lately and to whom she feels close. And all are, as you can imagine, at the highest artistic level.
Of course, her dance partner from „Romeo and Juliet„, Ivan Zaytsev, is one of them. Kultur24 reported on the premiere at the Berlin State Opera on April 29, 2018. He belongs to the Mikhailovsky Ballet in St. Petersburg, where he has often appeared as a partner of Polina. Both danced the duet „Without Words“ after a choreography by Nacho Duato, music by Franz Schubert, and the duet „Cantata“ after a choreography by Mauro Bigonzetti.

To get closer to all participants of the evening would go beyond the scope here. I would like to highlight a few:
Daniel Camargo as a dance partner of Polina Semionova in „Le Corsaire“ after a choreography by Marius Petipa (1863). Technically brilliant and visually an eye-catcher!
Konstantin Lorenz (member of the Staatsballett Berlin and even born Berliner * 1987) with his partner Danielle Muir (* 1994) in the Pas de Deux of „Giselle“ (choreography: Jules Perrot from 1841). Both seemed to me also in real life a couple, as I could observe at the rehearsal. Technically almost perfect, they have radiated a great harmony and dancing pleasure. Danielle Muir is from New South Wales, Australia and trained in London.
I also liked Polina’s brother, Dmitri Semionova, who together with his dance partner Ksenia Ovsyanick (first solo dancer of the Staatsballett Berlin, 1992) danced an exhilarating modern duet, „Intimate Distance“, after the music of Otto Bubenicek (* 1974) and the choreography of his twin brother Jiri Bubenicek. For me the best piece of the evening.
The performance of dancer Friedemann Vogel with his solo „Moply“ based on the music of Bach and the choreography of Marco Goecke was also exciting. A very idiosyncratic and modern interpretation. We will also be seeing choreographer Marco Goecke at the next premiere of the Staatsballett on May 24 at the Komische Oper, with his choreography „Pierrot lunaire“ and the music by Arnold Schönberg.
Great applause for the appearance of the State Ballet School Berlin with ten of their young dancers of the State Youth Ballet Berlin. It was Polina’s Semionova’s personal wish that these young and talented dancers be present on her evening. Polina has been teaching at this school since 2013. The dance was „All Long Dem Day“, a choreography by Marco Goecke with the music by Nina Simone.
Suddenly singer Herbert Grönemeyer was on stage.
Polina Semionova had worked with him in 2003 in his video for the song „Demo“ and became known to a wider audience. That evening, at the end of the gala, she danced a sequence from his video as a thank you to the great singer. Herbert Grönemeyer was visibly touched.
With bravo calls and never-ending applause, the evening came to an end. It struck me that the enthusiasm was especially great with the more modern pieces. What gives me a good feeling for the future, when next year the dancer and choreographer Sasha Waltz will take over the direction of the Staatsballett Berlin. The time is ripe for a change of direction into the modern age. At the company as well as at the audience.
Let’s look forward to the future and to such beautiful ballet evenings like these!
Polina & Friends
For now unique performance
State Opera Berlin
With: Maria Kochetkova and Carlo Di Lanno from the San Francisco Ballet, Svetlana Gileva from the Semperoper Ballet, Daniel Camargo from the Dutch National Ballet, Ivan Zaytsev from the Ballet of the Mikhailovsky Theater in St. Petersburg.
Friedemann Vogel, Dmitry Semionov, Ksenia Ovsyanick, Danielle Muir and Konstantin Lorenz from the Staatsballett Berlin. As well as the State Ballet School Berlin / State Youth Ballet Berlin.

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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