Preview Berlinale 2019

Berlinale - Juliette Binoche © Jacobs/ Fred Meylan

Preview Berlinale 2019

 

Von Holger Jacobs

04.02.2019

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Zum Abschied von Festivaldirektor von Dieter Kosslick zeigt die Berlinale 400 Filme in 10 Tagen

Die 69. Internationalen Filmfestspiele von Berlin sind geprägt vom Abgang des bisherigen Festivalleiters Dieter Kosslick, der nach 18 Jahren erfolgreicher Festivalarbeit verdientermaßen in den Ruhestand geht. Unter seiner Leitung konnte sich die Berlinale weiter als drittes großes Filmfestival nach Cannes und Venedig etablieren und blieb seiner Devise treu, politisch engagierte Themen zu präsentieren und das Festival einem breiten Publikum zu öffnen. Das diesjährige Motto: Das Private ist politisch!

Gleichzeitig ist das Festival aber auch immer größer geworden und hat mit 400 Filmen (noch einmal 15-mehr als im letzten Jahr) in unzähligen Unterkategorien (dazu gehören auch solche Exoten wie „Das Kulinarische Kino“, oder „Kino goes Kiez“) eine fast unüberschaubare Größe erreicht.

Für die Zukunft wäre meiner Meinung nach eine Restrukturierung auf das Wesentliche sinnvoll. Weniger Filme mit mehr Qualität und mehr internationalen Stars. Denn die machen die Faszination für die Kunstform Cinema aus.
Die zukünftigen Leiter bestehen aus einem Tandem: Carlo Chatrian (bisheriger Leiter des Filmfestivals von Locarno) und Marietta Rissenbeck (Geschäftsführerin der German Films GmbH).

Die Präsenz internationaler Movie-Stars ist in diesem Jahr leider äußerst mager ausgefallen.
Nur ein einziger Hoolywood-Schauspieler lässt sich auf dem Roten Teppich am Berlinale Palast blicken: CHRISTIAN BALE.
Er kommt mit dem Politik-Drama „Vice“, welcher auch für den OSCAR (Verleihung am 24. Februar in Los Angels) nominiert ist. Mehr davon weiter unten.

Christian Bale © Flameflynet-Bestimage

Weitere bekannte Schauspieler sind Catherine Deneuve, Zoe Kazan (Enkelin von Elia Kazan), Diane Kruger. Und Frankreichs Ikone Juliette Binoche ist dieses Jahr Jury Präsidentin. Das war’s dann auch schon. Weniger Stars gab bisher noch nie.

Diane Kruger © Peabody Award 2014

Ein weiteres Thema ist sicher die Veränderung des Filmmarktes zu immer mehr Streaming Diensten. Die 1997 in Kalifornien gegründete Firma NETFLIX hatte zunächst als DVD Verleiher im online Geschäft begonnen. Im Jahre 2010 erwarb Netflix für 1 Milliarde Dollar die Rechte am Onlinevertrieb der Filmstudios Paramount, Lions Gate und Metro-Goldwyn-Mayer und begann, Filme fortan zu „streamen“. Heute zählt Netflix 140 Millionen Abonnenten weltweit.
Seit 2013 begann Netflix auch mit Eigenproduktionen. So entstanden u.a. die Serien „House of Cards“ und „Orange is the New Black“, welche einen großen Erfolg zu verzeichnen hatten. Mittlerweile werden auch große Kinofilme realisiert. Manche gewinnen sogar Preise, wie der Film „ROMA“ von Oscar-Preisträger Alfonso Cuaron. Er bekam einen Golden Globe als bester fremdsprachiger Film 2018 und wurde auf dem Festival in Venedig gezeigt.

Robin Wright und Kevin Spacey in „House of Cards“ © David Giesbrecht/ Netflix

Im Berlinale-Wettbewerb 2019 ist die Netflix-Produktion „Elisa & Marcela“ von der Regisseurin Isabel Coixet zu sehen. Der Film handelt von einer lesbischen Liebe im Jahre 1900 in Spanien.
In seiner letzten Pressekonferenz sagte Dieter Kosslick, dass für ihn ein Film festivalwürdig sei, wenn er auch in einem Kino gezeigt werden könne. Wie eben „Elisa & Marcela“, welcher in Spanien vor der Netflix-Ausstrahlung zunächst in ausgewählten Kinos zu sehen ist.

Meine Empfehlungen für die Filme im Wettbewerb:

„Amazing Grace“ von Alan Elliott über die Soul Sängerin Aretha Franklin, Premiere am 15.02.2019 um 15.30 Uhr im Berlinale Palast.

Aretha Franklin © Amazing Grace Movie

„Der Goldene Handschuh“ von Fatih Akin über einen Serienmörder in Hamburg, der in 70er Jahren in der Hansestadt sein Unwesen trieb. Mit dem jungen Jonas Dassler in der Hauptrolle. Premiere ist am 09.02.2019 um 22.00 Uhr im Berlinale Palast.

„Der Goldene Handschuh“ von Fatah Akin mit Jonas Dassler © Warner

„Grace à Dieu“ von Francois Ozon über den Missbrauch von französischen Geistlichen an kleinen Kindern. Ein Opfer rächt sich Jahre später an dem Täter. Premiere ist am 08.02.2019 um 18.45 Uhr im Berlinale Palast.

„Grace à Dieu“ von Francois Ozon © Jean-Claude Moireau

„The Kindness of Strangers“ (Eröffnungsfilm am 7. Februar 2019) von Lone Scherfig mit Zoe Kazan in der Hauptrolle. Ein modernes Großstadtmärchen vor dem Hintergrund harter sozialer Bedingungen. Premiere ist am 07.02.2019 um 19.30 Uhr im Berlinale Palast (Eröffnungsfilm).

„The Kindness of Strangers“ mit Zoe Kazan © Per Arnese

„The Operative“ von Yuval Adler mit Diane Kruger in er Hauptrolle als Mossad Agentin diesem spannenden Spionage-Thriller. Premiere ist am 10.02.2019 um 18.45 Uhr im Berlinale Palast.

„The Operative“ mit Diane Kruger © Kolja Brandt

„Synonymes“ von Nadav Lapid über einen Israeli, der nach Paris kommt, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und um eine neue Identität anzunehmen. Eine tragik-komische Geschichte über die Suche nach sich selbst. Premiere ist am 13.02.2019 um 22.00 Uhr im Berlinale Palast.

„Synonymes“ © Guy Ferrandis

„Vice“ von Adam McKay mit Christian Bale, Amy Adams, Sam Rockwell und Steve Carrell. Er spielt den ehemaligen Vicepresidenten Dick Cheney, der in der Zeit von George W. Bush der zweite Mann im Staat war – mit viel Macht und Wille zur Manipulation. Premiere ist am 11.02.2019 um 18.15 Uhr im Berlinale Palast.

„Vice“ mit Christian Bale © Universum Film

In der Reihe BERLNALE SPECIAL dürften noch folgende Filme interessant sein:

 „Brecht“ von Heinrich Breloer sein mit Tom Schilling als junger Bertholt Brecht. Am 09.02.2019 um 15.00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.

„Brecht“ mit Tom Schilling und Leonie Benesch © Nik Konietzky

„Celle que vous croyez“ von Safy Nebbou mit Juliette Binoch (ebenso Jury Präsidentin) über eine 50-jährig Frau, die sich in einen 24-jährigen Mann verliebt, er widerum verliebt sich in ihr 24-jähriges Facebook Profil. Am 10.02.2019 um 21.30 Uhr im Zoo Palast.

„Celle que nous Croyez“ mit Juliette Binoche © Diaphana Film

„Peter Lindbergh – Women Stories“ von Jean Michel Vecchiet über den berühmten Modefotografen Peter Lindbergh. Am 15.02.2019 um 15.00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.

„Peter Lindbergh – Women Stories“, hier mit Charlotte Rampling © Prounen Film

„Weil Du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour“ von Cordula Kablitz-Post und Paul Dugdale über die Rockband Die Toten Hosen und ihre letzte Tour 2018.

„Die Toten Hosen on Tour“, hier mit Camping © Avanti Media

Den Ehrenpreis der Berlinale 2019 für ihr Lebenswerk bekommt Charlotte Rampling. Am 14.02.2019 um 21.00 Uhr im Friedrichstadt-Palast.

Charlotte Rampling erhält den Ehrenpreis der Berlinale © Berlinale

In der Reihe PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO empfehle ich:

„BERLIN BOUNCER“ von David Dietl (Sohn vom legendären Helmut Dietl) dokumentiert drei berühmte Türsteher von Berlin: Sven Marquardt vom Club Berghain, Frank (Frankie) Künster vom Club King Size und Smiley Baldwin, der seine eigene Sicherheitsfirma betreibt. Am 10.02.2019 um 22.30Uhr im Cinemaxx 1 (auch am 11. 02 um 22.00 Uhr im Colosseum 1 und am 16.02. um 20.00 Uhr im Cinemaxx 1).

„Berlin Bouncer“, hier mit Frank Künster © Flare Film

Die Eröffnungsgala ist am Donnerstag, den 7.2.2019, und kann live im Friedrichstadt-Palast und im Theater Hebbel am Ufer verfolgt werden. Karten dafür ab Montag, den 04.02.2019.

Ticketkauf:

Immer max. drei Tage im voraus ab 10.00 Uhr
Online per Kreditkarte auf der Seite der Berlinale

Vorverkausstellen:

– Potsdamer Platz Arkaden
– Kino International (Mein Tipp)
– Haus der Berliner Festspiele
– Audi City Berlin (Mein Tipp)

Täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr

Zur schnelleren Bedienung am besten den Ticketcode des gewünschten Films (steht im Programm) bereithalten. Immer nur max. 2 Karten pro Person. Kosten: 13 Euro auf allen Plätzen, Wettbewerbsfilme 16 Euro. Bezahlt werden kann in bar oder mit Kreditkarte.

Mein Tipp: Tickets auch an den meisten Theaterkassen in Berlin
(Gebühren: 2 Euro)

Tageskassen:

Am Tag der Vorstellung können je nach Verfügbarkeit an den Tageskassen der Kinos noch Tickets gekauft werden. Wie immer 13. Euro. Aber nur in bar!

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Preview Berlinale 2019
By Holger Jacobs
04/02/2019

The private is political – the motto of this year’s Berlinale.
The 69th Berlin International Film Festival is marked by the departure of the previous Festival Director Dieter Kosslick, who is retiring after 18 years of successful festival work. Under his leadership, the Berlinale was able to establish itself as the third major film festival after Cannes and Venice and remained to its motto, to present politically engaged topics and to open the festival to the public.
At the same time, however, the festival has become bigger and bigger and has almost 400 films (another 15 more than last year) in countless subcategories (including such exotics as „The Culinary Cinema“ or „Kino goes Kiez“) unmanageable size reached.
In my opinion, a restructuring to the essentials would make sense in the future. Fewer films with more quality and more international stars. Because the movie stars make the fascination for the art form Cinema.
Accordingly, the presence of international movie stars has turned out to be extremely meager this year. Only one Hoolywood actor can be seen on the red carpet at the Berlinale Palast: CHRISTIAN BALE. He comes with the political drama „Vice“, which is also nominated for the OSCAR (Award on 24 February in Los Angels). More of the film below.

Other well-known actors are Catherine Deneuve, Zoe Kazan (granddaughter of Elia Kazan), Diane Kruger. And French icon Juliette Binoche is jury president this year. That’s it. There have never been fewer stars before.

Another issue is certainly the change in the cinema market to more and more streaming services. Founded in California in 1997, NETFLIX initially started out as a DVD distributor in the online business. In 2010, Netflix acquired $ 1 billion in online distribution rights for Paramount, Lions Gate and Metro-Goldwyn-Mayer film studios and began streaming movies.
Today, Netflix has 140 million subscribers worldwide. Since 2013, Netflix also started its own productions. Thus, among others, the series „House of Cards“ and „Orange is the New Black“, which had a great success. Meanwhile, even big movies are realized. Some even win prizes, such as the film „ROMA“ by Oscar winner Alfonso Cuaron. He received a Golden Globe for Best Foreign Language Film in 2018 and was shown at the Venice Festival.
In the competition is to see the Netflix production „Elisa & Marcela“ by the director Isabel Coixet. The film is about a lesbian love in 1900 in Spain. In his last press conference Dieter Kosslick said that for him a film would be festival-worthy when it could be shown in a cinema. Like „Elisa & Marcela“, which in Spain can be seen in selected cinemas before the Netflix broadcast.

My recommendations for the films in the competition:
„Amazing Grace“ by Alan Elliott about soul singer Aretha Franklin
„The Golden Glove“ by Fatih Akin about a serial killer in Hamburg, who was in trouble in the 1970s in the Hanseatic city. With the young Jonas Dassler in the lead role.
„Grace à Dieu“ by Francois Ozon on the abuse of French clergy on small children. A victim takes revenge years later on the perpetrator.
„The Kindness of Strangers“ by Lone Scherfig with Zoe Kazan in the lead role. A modern city fairytale against the background of hard social conditions.
„The Operative“ by Yuval Adler starring Diane Kruger in his role as Mossad agent this exciting spy thriller.
„Synonymes“ by Nadav Lapid about an Israeli who comes to Paris to leave his past behind and to accept a new identity. A tragic-funny story about finding yourself.
„Vice“ by Adam McKay with Christian Bale, Amy Adams, Sam Rockwell and Steve Carrell. He plays the former Vice President Dick Cheney, who was the second man in the state in the time of George W. Bush – with much power and will to manipulate.
In the series BERLNALE SPECIAL the following films might be interesting:
„Brecht“ by Heinrich Breloer with Tom Schilling as a young Bertholt Brecht
„Celle que vous croyez“ by Safy Nebbou with Juliette Binoch (also jury president) on a 50-year-old woman who falls in love with a 24-year-old man who in turn falls in love with her 24-year Facebook profile.
„Peter Lindbergh – Women Stories“ by Jean Michel Vecchiet about the famous fashion photographer Peter Lindbergh.
„Because you only live once – Die Toten Hosen auf Tour“ by Cordula Kablitz-Post and Paul Dugdale about the rock band Die Toten Hosen and their last tour in 2018.
The Honorary Prize of the Berlinale in 2019 for her life’s work gets Charlotte Rampling.

In the series PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO I recommend:
„BERLIN BOUNCER“ by David Dietl (son of legendary Helmut Dietl) documents three famous bouncers from Berlin: Sven Marquardt from Club Berghain, Frank (Frankie) Künster from Club King Size and Smiley Baldwin, who runs his own security firm.

The opening gala is on Thursday, 7.2.2019, and can be followed live in the Friedrichstadt-Palast and in the Theater Hebbel am Ufer. Tickets for this from Monday, the 04.02.2019.
Ticket purchase:
Always max. three days in advance from 10.00 o’clock online by credit card on the side of the Berlinale
Ticket offices:
– Potsdamer Platz Arcades
– Cinema International (my recommendation)
– House of the Berliner Festspiele
– Audi City Berlin (my recommendation)
Daily from 10:00 to 20:00
For quicker operation it is best to have the ticket code of the desired movie (available in the program). Always only max. 2 cards per person. Cost: 13 euros on all seats. Payment can be made in cash or by credit card.
Tickets also at most Theaterkassen in Berlin (fees: 2 Euro)

On the day of the show, depending on availability, tickets can still be purchased at the box offices of the cinemas. As always 13 Euro. But only in cash!

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Fotograf und Journalist

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